Motivforschung: Zigaretten-Gefahrenhinweise fragwürdig!

Gefahrenhinweise auf Zigarettenpackungen haben, besonders bei Jugendlichen, ihren Zweck verfehlt.

Wien (OTS) - Österreichs Jugend gehört beim Rauchen bekanntlich zu den Europameistern. Die groß aufgedruckten Gefahrenhinweise auf den Zigarettenpackungen haben daran nichts geändert. Auch eine Verstärkung der Warnungen durch abschreckende Bilder wird wenig nutzen. "Ist nicht gerade die Gefährlichkeit des Rauchens ein wesentlicher Bestandteil des "coolen" Images des Rauchens bei Jugendlichen? Eine völlig ungefährliche d.h. "brave" Zigarette hätte möglicherweise das Image eines Babyschnullers und wäre ungeeignet, um damit Mut, Abenteuerlust, Verwegenheit und den Abschied von der "braven" Kindheit zu demonstrieren" so der Motivforscher Mag. Michael Praschl.

Die Ursachen des Erfolgs der Tabakindustrie in Österreich liegen auf der Hand:

  • Es gibt in Österreich kaum wirksame Bewusstseinsbildung für das Nichtrauchen bzw. für ein gemäßigtes Rauchverhalten (d.h. maximal 1-2 Zigaretten pro Tag).
  • Die Zigarette ist in Österreich gleich nach dem Wasser das am leichtesten erhältliche Produkt mit den meisten Vertiebskanälen (von Trafiken über Tankstellen, Automaten bis zur Gastronomie).
  • Durch die hohe Präsenz der Zigaretten wird das Rauchen von Kindern und Jugendlichen als eine Selbstverständlichkeit wahrgenommen und oft unreflektiert übernommen.
  • Das enorme Suchtpotential der Zigarette wird - selbst in den Warnhinweisen auf den Packungen - kaum erwähnt. Die Suchtwirkung, die eine freie "Rauchentscheidung" zunehmend unmöglich macht, ist das nicht gern gehörte Hauptproblem der Zigarette.

Was kann man aus Sicht der Motivforschung tun:

Grundsätzlich sollte man dem mündigen Bürger die Freiheit lassen, auch dann zu Rauchen, wenn die eigene Gesundheit geschädigt wird, soferne andere dadurch nicht beeinträchtigt werden. Allerdings steht die Sucht im Widerspruch zur Freiheit bzw. zur freien Willensentscheidung. Darüber müsste klar und deutlich informiert werden.

  • Wirksame Bewusstseinsbildung für das Nichtrauchen: Imagekampagne verbunden mit eindrucksvoller Darstellung der Vorteile des Nichtrauchens (inkl. Freiheits- und Lebensqualitätsgewinn durch Suchtfreiheit). Bewusstseinsbildungsprogramme in Schulen und bei Lehrlingen nach Schweizer Vorbild (http://www.rauchfreielehre.ch/).
  • Kampagne zur Erhöhung der Akzeptanz von Nichtraucherschutzmaßnahmen mit dem Schwerpunkt: "rauchfreie Kindheit". Es muss selbstverständlich werden, dass man in Gegenwart von Kindern nicht raucht.
  • Warnhinweise auf den Zigarettenpackungen sollten sich auf die Suchtwirkung beziehen sowie eindringliche Appelle zur Rücksichtnahme auf Kinder enthalten.
  • Erhöhung und Bekanntmachung des Angebots zur Rauchentwöhnung. Schaffung spezieller Angebote auch für Jugendliche: Je früher mit dem Entzug begonnen wird, desto höher die Erfolgsaussichten.

Mit entsprechendem politischen Willen wäre eine deutliche freiwillige Reduktion des Tabakkonsums und der damit verbundenen Folgen leicht möglich. Erwartete Rückgänge bei den Steuereinnahmen, Umsätzen von Tabakwirtschaft und Trafikanten, die ohne starken Zigarettenverkauf meist nicht existieren könnten, lassen den politischen Willen aber voraussichtlich wieder schwinden.

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Praschl - Motivforschung
Mag. Michael Praschl
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