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Wiener Zeitung: Leitartikel von Reinhard Göweil: "Stronach als Uraltpolitiker"
Ausgabe vom 17. August 2012
Wien (OTS) - Frank Stronach will also Österreichs Politik
modernisieren - mit Rezepten aus dem vorigen Jahrhundert. Der
Schilling müsse wieder eingeführt werden - nicht nur Magna Europe mit
Sitz in Österreich würde sich herzlich für die danach folgenden
Verluste bedanken. Sodann mit einem Kärntner Bürgermeister und
SPÖ-Nationalratsabgeordneten, der weiß, dass er angesichts der
Beschlüsse für die SPÖ nicht mehr im nächsten Parlament sitzen wird.
(Sein Vizebürgermeister in Spittal an der Drau will es ihm nun
gleichtun.) Weiters mit dem Bestreben, mindestens drei Abgeordnete
auf seine Seite zu ziehen, um sich Unterschriften jenes Volkes zu
ersparen, dem sich der bald 80-jährige Stronach so sehr verbunden
fühlt. Wenn es fünf Abgeordnete werden sollten, noch besser - dann
hätte er Klubstatus, und bekäme dafür jene öffentliche Förderung, die
er anderswo so heftig anprangert.
Nein, vor dieser Stronach-Partei muss sich niemand fürchten, auch die
FPÖ nicht. Warum er den Ausflug in die Politik überhaupt macht, ist
wohl nur damit zu begründen, dass er nun - nach seinem Ausscheiden
bei Magna - über viel Zeit verfügt. Seine Aussage, dass er dem Land
etwas zurückgeben wolle, klingt lieb, ist angesichts seiner
bisherigen politischen Taten aber mit Vorsicht zu genießen.
Dass die FPÖ und die ÖVP aber so stark auf ihn reagieren, zeigt, wie
wenig sich die anderen Parteien selbst zutrauen. Ein Jammer.
Stronachs wirtschaftspolitisches Programm liest sich wie die
Steuererklärung von Mitt Romney - dass dem ein verunsicherter
Mittelstand begeistert zujubeln wird, ist kaum zu erwarten.
Die andere neue Partei, die Piraten, suchen in Österreich gerade
wieder Personal, das als Ansprechpartner geeignet wäre.
So schaut also die politische Alternative aus: Uraltpolitiker
Stronach sowie eine Piratenpartei, die vorwiegend aus ihrem Namen
besteht.
Ehrlich: Das hat Österreich nicht verdient.
Zwar hat das Land auch keine FPK verdient, die aus Angst vor dem Volk
mittlerweile zum dritten Mal durch Flucht aus dem Landtag Neuwahlen
verhindern konnte. Und es gibt noch andere politische Beispiele, was
das Land alles nicht verdient hat. Aber Stronach und die Piraten auch
noch im Nationalrat, das würde die heimische Politik endgültig zur
Farce machen. Es bleibt die Hoffnung, dass möglichst rasch möglich
viele Kompetenzen an Europa abgegeben werden.
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