• 16.08.2012, 10:05:42
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Der gelernte Europäer übt sich in Zuversicht - von Daniela Friedinger

Im Grunde ist es kein Wunder, dass die Europa-Euphorie steigt

Wien (OTS) - Es ist ein bisschen wie die berühmte Suche nach der
Nadel im Heuhaufen, wenn man dieser Tage gute Wirtschaftsnachrichten
finden will. Die jüngsten BIP-Daten aus Europa verstellen zusätzlich
die Sicht: Die Eurozone schrumpfte im zweiten Quartal gegenüber dem
Vorquartal um 0,2 Prozent, gegenüber dem Vergleichszeitraum des
Vorjahres waren es sogar 0,4 Prozent, meldete Eurostat am Dienstag.
Problemländer wie Griechenland, Spanien und Italien sind ohnehin
längst in die Rezession abgeglitten, sprich bei ihnen hält der
Rückgang der Wirtschaftsleistung seit mindestens zwei Quartalen an.
Bis Jahresende soll dieses Schicksal der Prognose zufolge auch die
Eurozone insgesamt ereilen. Umso erstaunlicher ist daher die
Zuversicht der österreichischen Unternehmen: Laut einer Umfrage der
Wirtschaftskammer, die dem WirtschaftsBlatt exklusiv vorliegt, sind
56 Prozent der Ansicht, dass die Vorteile der EU-Mitgliedschaft für
Österreich überwiegen. Das sind - allen Problemen angesichts der
Euroschuldenkrise zum Trotz - um ganze sechs Prozentpunkte mehr als
noch vor zwei Jahren.

Bei genauerer Betrachtung überrascht das Ergebnis dennoch nur auf
ersten Blick. Und das nicht nur, weil der gelernte Österreicher sich
auch in schwierigen Zeiten durchzuwursteln weiß. Vielmehr haben die
österreichischen Unternehmen erkannt, dass es keine Alternative zu
Europa sowie zum Euro gibt. Allein ein Austritt Griechenlands aus der
Währungsunion würde Milliarden verschlingen. Das Worst-Case-Szenario,
bei dem ein "Grexit" in der Folge auch Spanien, Portugal und Italien
mit nach unten reißt, würde laut Hans-Werner Sinn, Chef des Münchner
Ifo-Instituts, bis zu eine Billion Euro kosten - oder, wie es Charles
Dallara, Geschäftsführer des internationalen Bankenverbands IIF,
kürzlich so schön ausdrückte, einen Schaden verursachen, der
"irgendwo zwischen Katastrophe und Armageddon" liegt.

Dass die Europa-Euphorie der österreichischen Betriebe derzeit größer
ist als in den vorangegangenen Umfragen, ist also nicht
verwunderlich. Schließlich denkt man auch erst dann, wenn etwas
ernsthaft in Gefahr ist, über gangbare Alternativen nach. Wirklich
gefunden haben eine solche allerdings selbst die renommiertesten
Ökonomen noch nicht. Dass sie Rückkehr zum Schilling lauten kann,
Österreich seine Exportwirtschaft damit an den äußersten Rand des
Geschehens drängt, kommt allerdings höchstens einem Austrokanadier
wie Frank Stronach in den Sinn. Als gelernter Europäer übt man sich
hingegen in (Euro-)Zuversicht.

Rückfragehinweis:
WirtschaftsBlatt Medien GmbH
Tel.: 0043160117-305
mailto:[email protected]

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