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"Kleine Zeitung" Leitartikel: "Mit Bombenangriffen gegen Irans Atombombe". (Von Gil Yaron)
Ausgabe vom 16.08.2012
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Graz (OTS/Vorausmeldung) - Israels Premier sieht sich zum
Handeln gezwungen.
Israel warnt die Welt seit Jahren vor der iranischen Atombombe und
davor, dass man notfalls allein gegen Teheran vorgehen müsse. Viele
betrachten das als Strategie; als Versuch, Druck auszuüben, damit die
welt mit diplomatischen Mitteln gegen den Iran vorgeht. Immer wieder
platzierte Netanjahu die iranische Bombe in den Schlagzeilen, er
half, scharfe Sanktionen gegen Teheran durchzusetzen, und zwang die
USA dazu, sich zu verpflichten, Irans Atomprogramm als letzte Option
militärisch auszuschalten. Doch plötzlich scheint alles anders.
Israelis horchen auf. Immer mehr sind überzeugt davon, dass Netanjahu
nicht mehr blufft: Israel meint es ernst. Der Angriff kommt.
Das hat zwei Gründe: Zum einen kann Netanjahu mit weiteren Drohungen
kaum noch etwas erreichen. Sanktionen können kaum noch verschärft
werden, und sie bräuchten zu lange. Aber die Uhr, sagt er, ist
abgelaufen. Es gelte, sich zwischen Bombe oder Bombardierung zu
entscheiden. Wenn der Präventivschlag nicht bald erfolge, könne
Israel nichts mehr ausrichten. Die "Arabellion" ist der zweite Grund:
Israels Sicherheitslage hat sich seit 2011 gleichzeitig gebessert und
dramatisch verschlechtert. Die Gefahr eines konventionellen Krieges
gegen einen Nachbarstaat ist gesunken. Ägypten ringt mit einer
maroden Wirtschaft und innenpolitischen Konflikten, dem Irak droht
der Zerfall, Syrien steckt mitten im Bürgerkrieg. Dennoch ist der
Nahe Osten ein Pulverfass: Die Gefahr eines unkonventionellen Krieges
ist gestiegen. Mit dem Zerfall zentraler Staatsgewalt in Syrien, im
Sinai, in Libyen, Irak und Jemen steigt die Gefahr, dass Terroristen
Luftabwehrraketen aus Libyen, Giftgas aus Syrien, oder Zehntausende
Raketen der Hisbollah in die Hände fallen. Solche Gruppierungen sind
traditionelle Verbündete des Irans. Er kooperierte mit ihnen, um in
Palästina, Libanon, Irak, Jemen und Syrien Fuß zu fassen. Solche
Terrororganisationen wären ungleich bedrohlicher, würden sie von
einem nuklearen Iran gedeckt, ein Staat, der sich Israels Vernichtung
zum Ziel gesetzt hat.
Israel hat die mächtigen arabischen Staaten als Gegengewicht zum Iran
verloren und steht jetzt allein da. Auch deswegen sieht sich
Netanjahu zum Handeln gezwungen. Er erkennt nur zwei Optionen:
entweder eine kleine, kontrollierte Sprengung jetzt oder später eine
atomare Explosion, die die ganze Region und seinen Staat verschlingen
könnte. Wenn man nach der Stimmung in Israels Bevölkerung urteilt,
brennt die Lunte am Pulverfass Nahost bereits. ****
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