• 13.08.2012, 18:30:31
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Was Frank Stronach bewirken kann - von Esther Mitterstieler

Die Demokratie darf nicht vergessen werden, Herr Stronach!

Wien (OTS) - Etwas mehr als vier Wochen ist es her und unser
Leitartikel beschrieb unter dem Titel "Tempi Passati" den anscheinend
bevorstehenden Eintritt Frank Stronachs in die österreichische
Politik. Nun hat er es selbst via "Presse am Sonntag" verkündet: Er
tritt nicht nur mit einer eigenen Partei bei den nächsten
Nationalratswahlen an, er führt die Liste gleich selber an.

Egal ob mangels bekannter Personen, die bereit gewesen wären, für ihn
zu kandidieren, oder nicht: Der Mann traut sich was - nicht nur in
der geschichtsträchtigen Auseinandersetzung mit Lou Lorenz in der ZIB
2.Tempi passati - das ist auch weiterhin meine Meinung, die im
Übrigen genauso für den italienischen Medienzaren und langjährigen
Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi gilt.

Die Herren Stronach und Berlusconi eint nicht nur ihr für aktive
Politiker doch einigermaßen stattliches Lebensalter. Das hätten
Griechen oder Römer, aber auch sowjetische Parteigeronten als Zoll
der alten Weisen an die Jungen interpretiert. Mag sein. Zumindest
Erfahrung haben die Herren mehr im Leben. Ob das für einen guten
Politiker reicht, ist die Frage.

Berlusconi hat lange Jahre Zeit gehabt, um zu beweisen, dass es ihm
mehr um das Wohl des Landes als um private Interessen seiner
Mediengesellschaft Mediaset und diverser anderer Firmenbeteiligungen
ging. Noch einmal sei gesagt: Ein guter Unternehmer muss nicht per se
ein guter Staatsmann sein.

Hier nun könnte und dürfte sich Herr Stronach zumindest noch von
Berlusconi unterscheiden. Dass es Stronach um die Sache geht, daran
zweifelt wohl niemand. Das ist wohltuend. Dass auch er schon andenken
soll, sich Medien zu kaufen und also willfährig zu machen, ist aber
demokratiepolitisch bedenklich.

Wie immer man zu Stronach stehen mag, eines scheint er zu
erschüttern: die mühselige Gangart heimischer Politik mit den immer
gleichen Ideen und Gegenvorschlägen. Frischen Wind würde Stronach
auch bringen. Aber viele seiner Ideen - und das ist der Kontrapunkt
-sind nicht so neu, wie manch einer glauben mag. Wer ist nicht für
Schuldenabbau und Förderung des Wachstums, für mehr Demokratie und
weniger Parteipolitik, für weniger Steuern und mehr Gerechtigkeit?
Dafür würden wir wohl alle unterschreiben.

Wie auch immer Stronachs Politabenteuer ausgeht - gut tut es
Österreich, weil frischer Wind in den Politladen weht. Sorgen macht
sich aber nicht nur Stronach um Österreich - das dürfen wir auch,
nämlich dann, wenn das Land nur noch wie ein Unternehmen geführt
werden soll. Die Demokratie darf nicht vergessen werden, Herr
Stronach!

Rückfragehinweis:
WirtschaftsBlatt Medien GmbH
Tel.: 0043160117-305
mailto:[email protected]

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