"Kleine Zeitung" Kommentar: Olympia hat ein neues, sympathisches Gesicht" (von Gerald Pototschnig)

Ausgabe vom 13.08.2012

Graz (OTS) - Einen Tag nach der fulminanten Eröffnungsfeier
der "Olympics" mit einer Punktlandung der fiktiv aus einem Hubschrauber abgesprungen Queen Elizabeth II. im Stadion, hat die "Financial Times" eine köstliche Karikatur abgebildet gehabt:

George Osborne, Großbritanniens Schatzkanzler, verkehrt auf dem Rennrad sitzend. Mitt Romney, Herausforderer von Barack Obama bei der US-Wahl und Olympia-Gast, wie er sich beim Laufen verstolpert. Und Griechenlands neuer Ministerpräsident Antonio Samaras beim mühevollen Stemmen einer Euro-Münze.

England wollte England und der Welt vor Augen halten, dass es Wichtigeres gebe, als Olympische Spiele, deren Kosten auf 13 Milliarden Euro explodiert waren. "Aber jetzt haben wir das Geld ausgegeben. Also lehnen wir uns zurück und genießen wir es", hat Simon Jenkins, Star-Journalist von "The Guardian", geschrieben.

An London 2012 und dem Ruf, der den Spielen vorausgeeilt ist, gilt es einiges zu korrigieren. Auch wenn es Olympische Spiele generell für sich in Anspruch nehmen, in Superlativen definiert zu werden. Der schnellste Mann des Planeten. Das tänzerischste Pferd. Die fliegendsten Frauen. Oder die stärksten Männer. Sie alle waren diesmal nur ein Teil des Olympia-Puzzles.

Der "Olympic Park" im heruntergekommenen Stadtviertel Stratford war nicht überall schön, aber er war zweckmäßig und dürfte großteils wiederverwertbar sein.

Der Verkehrskollaps ist ausgeblieben. Ein U-Bahn-Netz von über 400 Kilometern und mit 270 Stationen war auf Olympia abgestimmt, die "Olympic Lanes", die Londons Straßen in zwei Hälften geteilt haben, haben sich als geniales Konzept erwiesen.

Viele der Kulissen hätten man nicht besser auswählen können. Triathlon im Hyde Park, Radrennen und der gestrige Marathon vor dem Buckingham Palace, Zu Abertausendem waren die Zuseher gekommen. Olympia und eine 8,2-Millionen-Stadt haben in einer wunderbaren Symbiose zwei Wochen miteinander gelebt.

Auch die "Financial Times" berichtigt zwei Wochen später ihre großen Zweifel. "In der derzeitigen Stimmung könnte es leicht sein, dass die Geschichte von Olympia 2012 die Bibel als der Nation heiligsten Text ablöst", schreibt Matthew Engel in seinem Leitartikel.
Jetzt muss man Olympia 2012 ja nicht gleich heiligsprechen. Aber London hat so gut wie gar nichts falsch gemacht. London ist eine neue, eine sympathische Dimension Olympischer Spiele geworden.****

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