• 12.08.2012, 09:30:31
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Wer da die Urheber sind - Über die Zukunft des Urheberrechts

Erich Moechel und Fred Turnheim diskutieren über ACTA, IPRED & CO

Wien (OTS/ÖJC) - Der Österreichische Journalisten Club lädt sehr
herzlich zu einer Diskussion mit Erich Moechel und Fred Turnheim über
ACTA, IPRED & CO

Wer da die Urheber sind - Über die Zukunft des Urheberrechts

am, Montag, 13. August 2012
um 19.00 Uhr
im Vienna International Press Center des ÖJC
Blutgasse 3
1010 Wien
ein.

Das wohl Auffälligste an der laufenden Debatte zum Urheberrecht sind
erstens die falschen Fronten, die da gezogen werden. Und zweitens,
wer da ständig in wessen Namen spricht. Für die Urheber erheben - mit
wenigen Ausnahmen - Rechtehändler, -makler und -verwerter ihre
Stimme, weil sie angeblich im selben Boot mit den Urhebern sitzen.
Das stimmt nur insofern, als die Urheber das Boot ja rudern müssen.

Der Frontverlauf wird dabei in den traditionellen Medien so
dargestellt: Hie Urheber, nämlich Künstler, Schriftsteller, Musiker
und andere Kreative, also die "Kultur" - dort eine imaginäre
"Community" oder gar eine bösartige Sekte namens "Netzgemeinde", die
erstere prinzipiell nicht bezahlen wollen.

Wenn dann die Printverleger gegen die "Gratiskultur des Internets"
wettern, so sind ausgerechnet jene am Wort, die ihre Autoren
grundsätzlich nicht für Veröffentlichungen in einem zweiten Medium,
nämlich im Internet bezahlen wollen.

Kritikern des zunehmend unhaltbaren Status Quo im Umgang mit und der
Verwertung von Urheberrechten wird pauschal unterstellt, sie wollten
das Urheberrecht abschaffen. Was erstens gar nicht möglich ist und
deshalb zweitens niemand fordert, der auch ernstgenommen werden will.

Und während wir längst mitten in einem Multimediaszenario leben, gibt
es in diesem Land für Texte bis zu Musikvideos gut 20 verschiedene
Verwertungsgesellschaften, wobei in jedem EU-Staat für jedes Medium
andere Regeln gelten. Es mangelt an "Transparenz und Effizienz",
konstatierte die EU-Kommission, die mit ihrer Besorgnis gegenüber den
"Rechenschaftspflichten" der Rechteverwerter "im Allgemeinen und dem
Management ihrer Finanzen im Besonderen" nicht hinter dem Berg hielt.

Ende Juni wurde deshalb ein Richtlinienentwurf auf den Weg durch die
EU-Instanzen geschickt, der die Rechteverwertung für alle Medien
harmonisieren und mit der Verpflichtung zu detaillierten Abrechnungen
transparent machen soll.

Erinnern Sie Sich noch an die Zeit, als Sie Ihre Korrespondenz, die
Urlaubsfotos, Rechnungen und die Buchhaltung allesamt auf
Audiokassetten speichern mussten? Nein? So muss es aber gewesen sein,
wenn man der IG Autoren glaubt, die das kühne Postulat aufstellt,
"Die Festplatte ist die Leerkassette von heute" und dazu fordert, die
Abgabe auf Wolkenspeicher auszudehnen. Na klar, zumal die "Cloud" ja
logischerweise die Leerkassette von morgen ist.

Mit einem solchen Zugang, der bis heute an den prekären
Lebensumständen einer großen Mehrzahl von Autoren, Künstlern aber
auch immer mehr Journalisten nichts ändern konnte, wird man in
Zukunft gar nichts ausrichten.

Was uns Journalisten betrifft, so sollte die gegenwärtige Lage der
traditionellen Medien eigentlich Anlass sein, das Hauptwerk eines
Kollegen aus dem 19. Jahrhundert wieder zur Hand zu nehmen. Vor allem
der Abschnitt über die Rolle der Technik beim tendenziellen Fall der
Profitrate [Das Kapital Bd. III] hat es in sich, auch wenn sich bei
Karl Marx natürlich noch alles um Industriemechanik und nicht um
Informationsverarbeitung dreht.

Wer Marxens Analyse des Frühkapitalismus unter dem Aspekt der
Informationsarbeit des 21. Jahrhunderts ansieht, dem drängt sich eine
Erkenntnis nachgerade auf. Die Lage der informationsverarbeitenden
Klasse hat sich insofern strukturell verändert, weil diese Klasse
erstmals in der Geschichte technisch über ihre eigenen
Produktionsmittel verfügt. Die rasch wachsende Zahl von
Distributionswegen im Netz könnte bereits für neue Formen der
Informationsproduktion und deren Abgeltung benutzt werden, denn an
funktionierenden Online-Bezahlsystemen mangelt es längst nicht mehr.

Dem entgegensteht zum einen noch die alleinige Ausrichtung des
globalen Medienmarkts auf die Abrechnungs- und Vergütungsmodelle des
20. Jahrhunderts. Zum anderen beginnt sich die Erkenntnis, dass die
Lage der informationsverarbeitenden Klasse nach jahrzehntelanger
Stagnation strukturell plötzlich anders aussieht, erst langsam
durchzusetzen. Die ersten haben allerdings schon ihre eigenen
Produktionsmittel ergriffen und bauen ihre Webpräsenzen, Image und
damit die Anzugskraft des eigenen Markenamens sukzessive aus. Der
wiederum ist mit dem des Rechteinhabers identisch, der gleichzeitig
auch der Urheber ist.

Soviel zu nicht-entfremdeter Arbeit - um noch einmal den Kollegen zu
zitieren - die zwar erwerbsmäßig noch für kaum wen bereits eine
Alternative darstellt. Je weniger es an Bord der großen
Mediengaleeren zu verteilen gibt, desto eher werden jene jungen
Kolleginnen und Kollegen, die derzeit nur die Aussicht auf ein
erstes, sehr prekäres Berufsjahrzehnt mit ungewisser Zukunft haben,
ihre Skills in moderner Multimedientechnik fortschreitend autonom und
für sich selbst benützen.

Die Anzeichen dafür sind nicht zu übersehen. Schon jetzt sind die
Namensmarken zweier in Österreich prominenter Journalisten von zwei
sehr unterschiedlichen Medienunternehmen auf Twitter weit stärker
präsent, als es die Marken ihres jeweiligen Medienunternehmen sind.
(Erich Moechel)

Uber ACTA, IPRED & CO - Wer da die Urheber sind - Über die Zukunft
des Urheberrechts

 Erich Moechel und Fred Turnheim diskutieren über die Zukunft des
 Urheberrechts.

 Datum:   13.8.2012, um 19:00 Uhr
 Ort:     Vienna International Press Center des ÖJC
          Blutgasse 3, 1010 Wien
 Url:     www.oejc.at

Rückfragehinweis:
Österreichischer Journalisten Club
Margarete Turnheim
Generalsekretariat
Tel.: +43 1 98 28 555-0
mailto:[email protected]
www.oejc.at

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