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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Stronach und das Neue" (von Thomas Götz)
Ausgabe vom 12.08.2012
Graz (OTS) - Jetzt hat er es doch getan. Frank Stronach gründet
eine Partei und wird sie in den Nationalratswahlkampf 2013 führen.
Wer sonst noch dabei ist, wird er uns Ende September sagen. Aus
vielen Parteien sollen die Mitstreiter sein, für Wahrheit,
Transparenz und Fairness sollen sie eintreten, lässt er ausrichten.
Das ist zunächst einmal eine gute Nachricht. Jede neue Initiative,
die frischen Wind in die Politik bringt - herbei damit. Sie zwingt
arrivierte politische Kräfte dazu, sich intensiver und ernsthafter
für die Wähler zu interessieren, damit sie ihnen nicht unversehens
abhandenkommen.
Was von solchen Spontangründungen über die Jahre bleibt, ist freilich
ungewiss. Die Parteiengeschichte kennt wenige Beispiele für
Nachhaltigkeit. Wer erinnert sich noch an Fritz Dinkhauser, den
Tiroler Kämpfer gegen den Transit und seine Mutterpartei? Auch Heide
Schmidt und ihr Liberales Forum sind wieder sang- und klanglos von
der Bildfläche verschwunden. Auf lokaler Ebene konnte Gerhard
Hirschmann nur kurz als ÖVP-Rebell überdauern. Und Haiders
Retortenpartei, das BZÖ, könnte beim nächsten Urnengang schon
scheitern. Mit dem Tod ihres Gründers verlosch auch der Daseinszweck.
Lediglich die Grünen konnten sich nachhaltig etablieren. Sie
vertraten einst und vertreten bis heute ein wichtiges Thema, das die
anderen Parteien verschlafen hatten. Die strukturellen
Kinderkrankheiten der Bewegung sind überwunden. Die Grünen sind eine
Partei geworden wie die anderen auch, abzüglich der Skandale.
Was folgt daraus? Parteien, die nur auf Wut gründen, schlagen keine
Wurzeln. Heide Schmied wandte sich empört von ihrem Förderer Jörg
Haider ab, Fritz Dinkhauser und Gerhard Hirschmann von ihrer
politischen Heimat, der ÖVP. Das zieht nur kurz. Wut verpufft, dann
zählt die ganz normale politische Arbeit.
Stronach will die Partei wie eine Firma führen, kündigt er an. Einen
Vorstand soll es geben und einen Aufsichtsrat. Lediglich der Ethikrat
ist in Firmen unüblich. Wie ein Aufsichtsrat den Gründer und einzigen
Finanzier dieser Partei kontrollieren soll, wüsste man gern genauer.
"Wer das Gold hat, macht die Regel", ist Stronachs Leitsatz. Er wird
ihn in die Politik wohl mitnehmen.
Ehe es soweit ist, sollte Stronach seinen potenziellen Wählern
erklären, wie er sich Erneuerung vorstellt. Am aktiven Unternehmer
fiel einst das starke Interesse an abgehalfterten Politikern auf. Die
engagierte er ganz unabhängig von ihrer politischen Herkunft.
Netzwerken mit dem Scheckbuch könnte man diese Firmenpolitik nennen.
Sehr neu ist sie nicht.****
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