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Wiener Zeitung: Leitartikel von Reinhard Göweil: "Schwalbe und Sommer"

Ausgabe vom 7. August 2012

Wien (OTS) - Als im Oktober 2008 Jörg Haider mit seinem Dienstauto
tödlich verunglückte, wusste er vermutlich bereits, dass die Hypo
Alpe Adria Staatsgeld zur Rettung benötigen wird. Und er wusste wohl
auch, dass die Bayerische Landesbank - zu diesem Zeitpunkt
Mehrheitsaktionär der Bank - in einer gewaltigen Klemme saß und bei
der Hypo kein Stein auf dem anderen bleiben würde.

Im September 2008 war die US-Investmentbank Lehman pleitegegangen,
was Schockwellen um den Globus jagte. Haider und sein damaliger
Pressesprecher sowie "geschäftsführender BZÖ-Obmann" Petzner wären
wohl politisch geschickt genug gewesen, die hausgemachte Pleite der
Landeshypo zum Lehman-Opfer umzumodeln. Doch eines hätten sie nicht
hingekriegt: Mit dem Einstieg des bankenrettenden Staates hätte es in
Vorstand und Aufsichtsrat personelle Änderungen ergeben. Mit der
De-facto-Pleite der BayernLB wären auch dort neue Leute ans Ruder
gekommen. Und die hätten - angesichts der existenzbedrohenden
Situation damals - wohl keine Rücksicht mehr auf einen Regionalkaiser
aus Kärnten genommen. Das "System Haider", über das die ÖVP heute
gerne spricht, ist nicht jetzt, sondern damals zugrunde gegangen.

Jörg Haider hat dies alles wohl am 11. Oktober 2008 gewusst, als er
mit seinem Auto - viel zu schnell unterwegs - aus der Kurve flog.

Wenn sich nun Stephan Petzner hinstellt und erklärt, in der damaligen
ÖVP seien die Bösen zu suchen, doch Jörg Haider sei der Gute gewesen,
der Schaden vom Land abwehren wollte, so wird wohl nur Ersteres
stimmen. Die Schüssel-ÖVP stellte Kärnten unter einen Glassturz, und
der wurde dort weidlich ausgenutzt: In die verantwortlichen
Positionen kamen nur unbedingte Gefolgsleute Haiders und seiner
Entourage. Auch die Justiz unterwarf sich, ein besonders empörender
Auswuchs zum Vasallenstaat.

Petzner mag aus Sicht eines Medienexperten seinen Gerichtsauftritt
besonders ausgefuchst genutzt haben - es kommt nicht so oft vor, dass
man bei einem Strafprozess Partei-Werbung betreiben kann.

Doch die Justiz haben diese Herrschaften nicht mehr in der Hand. Und
es ist erst ein Bruchteil dessen aufgearbeitet, was zwischen 2000 und
2006 passiert ist. Das wird allerdings noch dauern, vielleicht
länger, als es das BZÖ gibt ...

www.wienerzeitung.at/leitartikel

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