• 01.08.2012, 09:00:37
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OeKB Geschäftsklima-Index Mittelosteuropa im Juli gesunken

Direktinvestoren befürchten eine Beeinträchtigung der Region durch die Euro-Krise - Geschäftsklima trübt sich etwas ein, Konjunkturentwicklung wird vorsichtiger beurteilt

Wien (OTS) - Das Geschäftsklima in Mittelosteuropa hat sich im
Juli verschlechtert, nachdem es sich noch im April vorübergehend
aufgehellt hatte. Die Direktinvestoren sind zwar mit der Performance
ihrer MOE-Beteiligungen nach wie vor zufrieden, die
Geschäftserwartungen zeigen allerdings deutlich nach unten. Auch die
Konjunktur in der Region wird voraussichtlich in den nächsten zwölf
Monaten an Schwung verlieren. Expandiert wird weiterhin - wenn auch
vorsichtig und regional sehr unterschiedlich.

Der quartalsweise errechnete Geschäftsklima-Index Mittelosteuropa
der Oesterreichischen Kontrollbank AG basiert auf den Einschätzungen
und Erwartungen von rund 400 Headquarters, die von Österreich aus ca.
1.500 MOE-Beteiligungen steuern. Erstmals seit Erhebungsbeginn im
Jahr 2007 werden ab Juli 2012 nun auch Indizes (2007=100) publiziert:
Konkret ist im Juli der Indexwert des Geschäftsklimas von 86,0 im
April auf 83,4 gefallen.

Die Aktuelle Geschäftslage zeigt sich zwar robust, wird aber
vorsichtiger bewertet. Der entsprechende Indexwert sinkt von 84,7 im
April auf 83,6 im Juli. Richtungsweisend für die Zukunft ist der
Indexwert der Geschäftserwartungen: Dieser geht vergleichsweise
deutlich von 87,2 im April auf 82,9 im Juli zurück und signalisiert
damit für das 2. Halbjahr 2012 eine nachlassende Geschäftsperformance
der MOE-Beteiligungen. Auch die Wirtschaftsentwicklung in der Region
wird gemäß den Einschätzungen der Erhebungsteilnehmer an Kraft
verlieren.
Der Konjunktur-Index, der im April noch einen Wert von 81,4 aufwies,
liegt nun bei 78,3. Damit weist er von allen Kernindikatoren den
niedrigsten Wert auf und ist im Vergleich zum Basisjahr 2007
insgesamt am stärksten zurückgegangen.

Die Strategien der Direktinvestoren bezüglich der zukünftigen
Marktpräsenz sind regional sehr unterschiedlich, wobei laut
Juli-Erhebung insbesondere in Russland und Polen bestehende
Niederlassungen ausgebaut werden sollen. Polen positioniert sich
darüber hinaus als das wichtigste Zielland für
Neuinvestitionsprojekte: 16 % der 45 für MOE insgesamt gemeldeten
Projekte sollen allein in Polen realisiert werden, am zweitstärksten
positioniert sich Serbien mit 13 %, gefolgt von Kroatien mit 9 %.

MOE insgesamt: Geschäftslage, Geschäftserwartungen, Geschäftsklima
(Indes: Mittwelwert 2007=100)

Hier finden Sie eine Grafik in Druckqualität:
http://www.ots.at/redirect/oekb_infografik

Quelle: OeKB Information Services

Unterschiedliche Stimmungsbilder in den Ländern

In wirtschaftlich schwierigen Zeiten differenzieren die
Direktinvestoren deutlich bezüglich ihrer Länder-Einschätzungen. Zwar
zeigen im Juli die zukunftsgerichteten Indizes zu Konjunktur und
Geschäftserwartungen für die einzelnen MOEL fast ausnahmslos nach
unten, das Ausmaß der Abwärtsbewegung ist jedoch von Land zu Land
sehr unterschiedlich. Determinanten für die Bewertung der Länder
dürften aktuell u.a. das Ausmaß der wirtschaftlichen Verflechtung mit
der EU, die Marktgröße und die Stärke des Inlandskonsums sein.
Demnach ist Russland - gefolgt von Polen - im Juli das Land mit dem
günstigsten Geschäftsklima und den besten Wirtschaftsaussichten,
während sich etwa das Euroland Slowenien hinsichtlich Konjunktur und
Geschäftsklima jeweils im unteren Drittel der Länder-Rankings
einordnet. Bemerkenswert ist, dass die Ukraine beim
Geschäftsklima-Ranking nun an dritter Stelle liegt, was in erster
Linie auf sehr optimistische Geschäftserwartungen zurückzuführen ist.
Konkret ist die Ukraine im Juli das einzige Land mit einem -
gegenüber April - positiveren Geschäftsausblick. Scheinbar losgelöst
von ihrer ermutigenden betriebswirtschaftlichen Perspektive bewerten
die Direktinvestoren die makroökonomische Situation des Landes weit
weniger optimistisch: In keinem anderen MOEL rasselt der
Konjunkturindex im Juli derartig stark nach unten, nämlich von 84,9
im April auf aktuell 73,4.

Neues Land im Fokus: Bosnien Herzegowina

Seit Juli werden im Rahmen des "OeKB Geschäftsklima-Index MOE"
nun auch Indikatoren und Indizes für Bosnien Herzegowina ausgewiesen.
Die aktuellen Ergebnisse zeigen, dass die Auswirkungen der Euro-Krise
und das Klima der allgemeinen Verunsicherung Bosnien Herzegowina
besonders hart trifft: Von den zwölf Ländern, die im Detail
analysiert werden, trübt sich hier das Geschäftsklima im Juli am
stärksten ein. Zum einen sinkt die Zufriedenheit der Direktinvestoren
mit der Performance ihrer Unternehmensbeteiligungen, zum anderen
verschlechtern sich - im Kontext der sich verlangsamenden Konjunktur
- die Geschäftsaussichten deutlich. Hinsichtlich der
Erweiterungsinvestitionen werden in den nächsten Monaten insgesamt
etwas mehr Standorte verkleinert als ausgebaut. Dies trifft
allerdings nicht auf die Finanzdienstleister vor Ort zu, die
sämtliche ihrer Niederlassungen in Bosnien Herzegowina in den
kommenden Monaten unverändert beibehalten wollen.

Banken melden eine robuste Geschäftsperformance in MOE

Trotz schwieriger Rahmenbedingungen signalisieren die Banken nach
wie vor gut gehende Geschäfte in MOE, auch wenn der entsprechende
Index gegenüber April sinkt. Für 88 % der Osttöchter wird die
aktuelle Geschäftslage als gut bzw. saisonüblich beurteilt.
Hinsichtlich ihrer Geschäftsperspektiven gehören die Banken im Juli
sogar zu den optimistischsten Branchen, konkret wird für ca. ein
Viertel der Bankentöchter mit einer verbesserten Geschäftsentwicklung
im 2. Halbjahr 2012 gerechnet. Im Vergleich dazu zeigen sich die
Versicherungen - insbesondere was die Geschäftserwartungen betrifft -
deutlich vorsichtiger, wodurch das Geschäftsklima in dieser Branche
etwas gedämpfter ist als im Bankensektor. Dennoch verhalten sich die
Versicherungen vergleichsweise investitionsfreudiger: 19 % der
Versicherungstöchter sollen demnächst ausgebaut werden, bei den
Banken sind es 9 %. Hinsichtlich der Neuinvestitionsstrategien planen
29 % der Versicherungen einen Eintritt in neue Märkte, während bei
den Banken, die seit Jänner 2010 regional nicht expandiert haben, 6 %
der Headquarters im Juli ein Neuinvestitionsprojekt melden.

Energie- und Wasserversorger pessimistisch und defensiv

Die Energie- und Wasserversorgungswirtschaft ist schon seit
längerem mit ihrer Geschäftsperformance in Mittelosteuropa
unzufrieden. Auch die Ergebnisse der aktuellen Erhebung bestätigen,
dass die Rahmenbedingungen für die Geschäftsentwicklung dieser
Branche schwierig bleiben. Die jeweiligen Indizes zu Geschäftslage,
-erwartungen und Geschäftsklima sind im Juli neuerlich stark
eingebrochen und liegen im Branchenvergleich am weitesten unter den
Ausgangswerten von 2007. Dementsprechend stehen die Zeichen auf
gemäßigten Rückzug aus der Region: Rund ein Drittel der bestehenden
Beteiligungen soll in den nächsten Monaten verkleinert oder
geschlossen werden. Seit Jahresbeginn 2012 ist zudem kein einziges
Neuinvestitionsprojekt in Planung.

Der OeKB Geschäftsklima-Index Mittelosteuropa (MOE) basiert auf
vierteljährlichen Primärerhebungen unter rund 400
Entscheidungsträgern von MOE-Headquarters mit Sitz in Österreich, die
zu rund 1.500 ihrer Unternehmensbeteiligungen in Mittelosteuropa
befragt werden. Erhoben werden die Einschätzungen der
Direktinvestoren zur Aktuellen Geschäftslage sowie deren Erwartungen
hinsichtlich der Geschäftsentwicklung in den
Unternehmensbeteiligungen vor Ort (Geschäftsklima), Expansions- und
Investitionsstrategien der Unternehmen in MOE, Beurteilungen der
Standortqualität Österreichs als Brückenkopf für das
Mittelosteuropa-Geschäft und schließlich Einschätzungen zur
allgemeinen Wirtschaftsentwicklung in der Region.

Der OeKB Geschäftsklima-Index Mittelosteuropa bietet
differenzierte Analysen nach Ländern, Branchen und
Unternehmensgrößen. Als Ergebnis stehen der Wirtschaft
Frühindikatoren zur Verfügung, die praxisnahe Aussagen und Prognosen
u.a. über den Geschäftserfolg von Direktinvestoren in einzelnen
Ländern Mittelosteuropas bzw. in der Gesamtregion ermöglichen.

Über die OeKB

Die Oesterreichische Kontrollbank Aktiengesellschaft (OeKB) ist
Österreichs zentraler Finanz- und Informationsdienstleister für
Exportwirtschaft und Kapitalmarkt. Ihre speziellen Services stärken
den Standort Österreich und unterstützen die Wirtschaft im globalen
Wettbewerb. Die vielfältigen Dienstleistungen stehen Unternehmen und
Finanzinstitutionen sowie Einrichtungen der Republik Österreich zur
Verfügung.
Die OeKB handelt sektorübergreifend, zentral, neutral und in
Übereinstimmung mit ihrer Nachhaltigkeitspolitik. Das 1946 gegründete
Spezialinstitut steht im Eigentum österreichischer Banken.

www.oekb.at

Rückfragehinweis:

Mag. Wolfgang Lueghammer
   Oesterreichische Kontrollbank AG (OeKB) 
   Information Services
   Tel. +43 1 531 27-2568
   [email protected]
   
   Mag. Verena Ebner
   Oesterreichische Kontrollbank AG (OeKB) 
   Information Services
   Tel. +43 1 531 27-2560
   [email protected]

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