- 28.07.2012, 15:23:05
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Kronzeuge Birnbacher im KURIER am Sonntag: "Der Druck war sehr groß. Ich fühle mich befreit"
Im KURIER-Interview gibt der 71-jährige Villacher Steuerberater Dietrich Birnbacher einen Einblick in sein Seelenleben.
Wien (OTS) - Was hat Dietrich Birnbacher dazu bewogen, beim
Prozess am Mittwoch reinen Tisch zu machen? Im KURIER-Interview gibt
der 71-jährige Villacher Steuerberater, der vom Wiener Rechtsanwalt
und Strafrechts-Experten Richard Soyer vertreten wird, einen Einblick
in sein Seelenleben.
KURIER: Sie haben nach dem Geständnis sehr entspannt gewirkt. Wie
groß war der Druck?
Dietrich Birnbacher: Der Druck war tatsächlich sehr groß. Vor allem
der Loyalitätskonflikt mit Dr. Martinz hat mir sehr zu schaffen
gemacht. Seit dem letzten Verhandlungstag geht es mir bedeutend
besser, ich fühle mich befreit.
Was hat Sie letztendlich veranlasst, alles auf den Tisch zu
legen?
Die Fakten sprechen eine klare Sprache, und ich wollte und konnte
mich diesen nicht mehr verschließen. Unrichtige Aussagen und
Darstellungen von Beteiligten in letzter Zeit haben das Ihre dazu
beigetragen, dass ich endlich einen Schlussstrich gezogen habe. Ich
möchte durch meinen Beitrag zur umfassenden Aufklärung eine mir
mögliche Gutmachung am Land Kärnten leisten und bin mir im Klaren,
dass ich dies auch durch mein weiteres Verhalten unter Beweis zu
stellen habe.
Sie gelten als Held, weil Sie ausgepackt haben. Wie reagieren die
Leute auf der Straße?
Ich bin sicherlich kein Held! Richtig ist, dass ich einen schweren
Fehler gemacht habe. Nichtsdestotrotz wird mir nunmehr jedoch
Anerkennung für den Mut, die Wahrheit zu sagen, ausgesprochen. Es ist
mir wichtig, mir selbst im Spiegel ins Gesicht schauen zu können.
Aber auch den Menschen um mich möchte ich ins Gesicht schauen können.
Mit Heldentum hat das nichts zu tun, sondern damit, dass es nie zu
spät ist, seine eigenen Fehler einzugestehen.
Sind Sie Repressalien ausgesetzt, hat man Sie beschimpft oder gar
bedroht? Wenn ja, ist auch Ihre Familie davon betroffen?
Es steht mir wohl nicht zu, jetzt selbstmitleidig zu sein. Gegen die
Anfeindungen, mit denen ich jetzt hier und da konfrontiert bin, weiß
ich mich hoffentlich zu wehren. Manche öffentliche Äußerungen, die
Politiker in diesem Land von sich geben zu müssen glauben, finde ich
dennoch erschreckend. Besonders bedauere ich, wenn durch mein
Verhalten auch meine Familie und Mitarbeiter unserer Kanzlei zum
Handkuss kommen.
Gibt es auch anerkennende Worte oder ein symbolisches
"Schulterklopfen"?
Ja, es gibt anerkennende Worte und gut gemeintes Schulterklopfen. Das
macht es mir auch leichter, mit dieser Situation umzugehen. Ich
möchte aber nicht, dass falsche Eindrücke entstehen und daher will
ich ganz klar sagen, dass vor allem jenen auf die Schulter geklopft
werden soll, die bei dererlei Machenschaften nie mitgespielt haben
und jetzt dafür sorgen, dass derartige Missstände abgestellt werden.
Glauben Sie, es werden jetzt andere Ihrem Beispiel folgen, mit der
Omerta brechen und auch auspacken?
Es ist zu hoffen, dass jeder seine eigene Verantwortung wahrnimmt und
ein Klima herrscht, in dem dies auch möglich ist. Ich jedenfalls
stelle mich meiner Verantwortung.
Dobernig und Scheuch leugnen das Gespräch, warum?
Es ist nicht meine Aufgabe, das Aussageverhalten dieser beiden Herrn
öffentlich zu kommentieren. Was ich dazu zu sagen habe, sage ich den
zuständigen Behörden.
Dörfler nennt Sie und Martinz "Lügenbarone". Werden Sie das nach dem
offenen Geständnis auf sich sitzen lassen?
Gegen derartige Anwürfe des Herrn Dörfler verwahre ich mich ganz
entschieden, umso mehr, als er auch Landeshauptmann von Kärnten ist.
Ich habe Herrn Dörfler schon vor einigen Monaten darauf hingewiesen,
dass er auch das Verhalten anderer involvierter Personen kritisch
hinterfragen möge. Mit Erstaunen habe ich seine Untätigkeit
registriert.
Wie geht es mit Ihrer Kanzlei weiter? Befürchten Sie einen großen
Schaden?
Ich hoffe, dass mein Versuch einer Schadensbegrenzung und
Wiedergutmachung von unseren Klienten gewürdigt wird. Es ist ja keine
Frage, dass ich einen schweren Fehler gemacht habe. Die Verantwortung
dafür muss ich persönlich übernehmen. Ich wünsche mir sehr, dass die
Klienten unseres Büros und alle Mitarbeiter weiterhin zu mir halten.
Interview: Rudolf Cijan
Rückfragehinweis:
KURIER, Innenpolitik
Tel.: (01) 52 100/2649
mailto:[email protected]
www.kurier.at
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