"Realitätsverlust" bei den Agrarpolitikern

Offener Brief zur Aussendung des Bauernbundes vom 26.07.2012

Bad Leonfelden (OTS) - Es herrscht augenscheinlich ein "Realitätsverlust" bei den Agrarpolitikern. In ganz Europa sind die Erzeugermilchpreise schon seit Monaten im Sinken, dies wird aber ganz bewusst ignoriert.

Überdies werden die Bauern dazu animiert mehr und mehr zu produzieren, obwohl der Markt bereits übersättigt ist. Jeder weiß, dass wenn zu viel Menge am Markt ist, der Preis sinkt.
Kein marktwirtschaftlich orientiertes Unternehmen produziert Waren, deren Absatz nicht zu einem angemessenen Preis garantiert ist.

Die IG-Milch kauft keine Milch von ihren Mitgliedern und zahlt somit auch keine Milchgelder aus! Es ist eine Unterstellung und eine Unwahrheit, wenn dies behauptet wird.

Die Freie Milch ist ein eigenständiges Unternehmen und wird auch als solches geführt.

Seit langem wird den Erzeugern geraten, Unternehmer zu sein und sich den freien Marktbedingungen anzupassen und zu stellen.

Daher ist es die Entscheidung jedes Einzelnen an die Freie Milch Austria oder an jegliche andere Molkerei zu liefern und sich aber auch unter Umständen wieder einen anderen Abnehmer zu suchen.

Es ist daher ebenfalls eine ungeheuerliche Anmaßung des Bauernbundes, im Besonderen des Direktors Abentung, diese Entscheidungen anzuprangern.

Es liegt sehr wohl eine Verfehlung der Agrarpolitik in der Gestaltung der Rahmenbedingungen vor, wenn der wirtschaftliche Fortbestand tausender Milchbäuerinnen und Milchbauern nicht mehr möglich ist.

Die Handelsketten können mit Schleuderaktionen und Dumpingpreisen nur deshalb werben, weil die Molkereien den Rohstoff Milch - Dank der Überproduktion - billigst von den Bäuerinnen und Bauern erhalten. Die Milchbauern bleiben aber bei dieser Marktpolitik auf der Strecke -genau zu diesen Missständen führen die Rahmenbedingungen unserer Agrarpolitik!

Durch Mehrjahreslieferverträge mit zahlreichen Klauseln und Absprachen zwischen den Molkereien, die deren Machtposition zusätzlich stärken, ist für die Lieferanten ein Wechsel zwischen den einzelnen Abnehmern überhaupt nicht möglich.

Es gibt nichts dagegen einzuwenden, sich in Form einer Genossenschaft zu bündeln, da es ja Zweck einer solcher ist, das Beste für seine Mitglieder zu bieten. Nur sieht die Realität leider anders aus.

Sie, Herr Abentung, sagen, die Genossenschaftsmolkereien würden die Interessen ihrer Mitglieder vertreten - das ist schlichtweg eine Vorspiegelung falscher Tatsachen, denn bei den heimischen Genossenschaften zählen nur mehr Zahlen und Bilanzen.

Ich fordere Sie hiermit auf Ihre Unterstellungen und Anschuldigungen gegen die IG-Milch zu unterlassen.

Rückfragen & Kontakt:

Erna Feldhofer
Obfrau IG-Milch
Mobil: 0664 1821818

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