• 27.07.2012, 12:01:32
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Online-Daten werden zum umkämpften "Katalog der Kundenwünsche"

Politik und Justiz hinken technologischer Entwicklung hinterher - Expertinnen und Experten warnen vor Intransparenz - "Recht auf Vergessen" aber "praktisch undurchführbar"

http://www.apa-fotoservice.at/galerie/3212 EBC - Privacy: Wie Daten zur Ware und Währung werden. Im Bild v.l.n.r.: Johannes Juranek (CMS), Max Schrems ("Europa vs. Facebook"), Astrid Mager (ITA), Thomas Stern (Braintrust, Moderation), Helmut Waitzer (NAVAX), Markus Deutsch (WKO)

Wien (OTS) - Globale Internetriesen belächeln nationale
Datenschutzgesetze, lokale Werbevermarkter sehen sich im Wettbewerb
benachteiligt, und die Zivilgesellschaft fürchtet den gläsernen
Bürger: Die Auswirkungen der Informationsökonomie werden immer
deutlicher spürbar, erklärten Expertinnen und Experten bei einer
Podiumsdiskussion der APA-E-Business-Community gestern,
Donnerstagabend, in Wien.

Aus der Vielzahl der im Internet gesammelten Daten lässt sich ein
"Katalog der Wünsche" der User ableiten, den die Werbebranche "in
bare Münze verwandeln will", sagte Astrid Mager vom Institut für
Technikfolgen-Abschätzung (ITA) der Akademie der Wissenschaften
(ÖAW). Da Bereiche wie Privatsphäre, Datenschutz und Identität
historisch gewachsen und kulturell bedingt seien, würde sich zwischen
globaler Wirtschaft und lokaler Gesellschaftspolitik ein neues
Spannungsverhältnis ergeben.

Die oft geforderte Transparenz in diesem Bereich laufe den
Geschäftsmodellen - nämlich User-Daten in Profit zu verwandeln -
zuwider. "Es wird daher absichtlich erschwert, diese Dinge zu
verstehen. Das liegt in der kommerziellen Natur der Sache", so die
Expertin. Wolle man die Kontrolle über die Daten in Zukunft nicht
völlig an "den Markt" abgeben, müsse man diskutieren, welche
Maßnahmen hier ergriffen werden könnten: von digitaler
Selbstverteidigung bis hin zu einer neuen Gesetzgebung.

"Daten sind das neue Öl"

"Daten sind das neue Öl. Man weiß nur noch nicht genau, welcher
Motor damit angetrieben werden kann. Aber man sammelt halt mal",
sagte Max Schrems von der Initiative "Europa gegen Facebook"
(europe-v-facebook.org). Allerdings sei nicht einzusehen, dass sich
europäische Netzwerke wie StudiVZ an strenge Datenschutzregeln halten
müssten, Facebook aber tun könne, was es wolle. "Unsere Gesetze sind
gut und modern. Aber wir haben ein Durchsetzungsproblem gegen diese
Wildwest-Strategien", so Schrems.

Bei Datenschutz gehe es nicht vorrangig um Verbote, sondern um die
Balance zwischen Geld verdienen und der Macht über die eigenen Daten.
Ein oft gefordertes "Recht auf Vergessen" hält Schrems aber für
"praktisch undurchführbar". Er plädiert für einfachere Gesetze und
eine effektivere Rechtsdurchsetzung: "Derzeit ist es oft billiger die
Strafen zu zahlen als sich an die Gesetze zu halten." Eine
interessante Frage sei auch, was mit den Daten passiere, wenn zum
Beispiel Facebook in Konkurs gehen sollte.

Neue Dimension der Geschäftemacherei

Transparenz, also klare Kommunikation über die gesammelten Daten
und was damit geschieht, fordert auch Johannes Juranek von CMS
Reich-Rohrwig Hainz Rechtsanwälte. Für die Nutzer sei Social Media
vorrangig ein Tool, um mit Freunden in Kontakt zu bleiben. In
Wirklichkeit gehe es aber um eine gigantische Geschäftemacherei mit
Daten, von deren Dimension der User in den meisten Fällen gar nichts
mitbekomme.

In Europa würde Datenschutz zwar im Großen und Ganzen
funktionieren. Den Konsumenten sei aufgrund der komplexen Allgemeinen
Geschäftsbedingungen (AGB) in vielen Fällen aber nicht bewusst, was
wirklich mit den Daten passiert. Neue Probleme würden mit der
Gesichtserkennung entstehen. "Es ist noch gar nicht abschätzbar, was
passiert, wenn das in kriminelle Hände fällt", so Juranek.

Kritik an EU-Verordnung zum Datenschutz

Für die Werbebranche sei die Diskussion um Daten- und
Konsumentenschutz in der digitalen Welt eine elementare
Zukunftsfrage, erklärte Markus Deutsch, Geschäftsführer des
Fachverbands Werbung und Marktkommunikation in der Wirtschaftskammer
Österreich (WKO). Er sieht die Gefahr, dass mit der von
Justiz-Kommissarin Viviane Reding vorgestellten neuen EU-Verordnung
Datenschutz "das Kind mit dem Bade ausgeschüttet wird".

Durch "überschießende Maßnahmen" würde es zu Nachteilen für
Konsumenten und Wirtschaftstreibende kommen, wenn zum Beispiel nicht
zwischen "Cookies" und sensiblen Daten unterschieden werde. "Das
Datenschutzniveau in Österreich und Deutschland ist sehr hoch und
sollte beibehalten werden können. Der Verordnungsentwurf entmachtet
aber die Mitgliedsstaaten", so Deutsch. Wichtig seien verbindliche
Standards vor allem im Zusammenhang mit verhaltensorientierter
Internetwerbung sowie Daten- und Konsumentenschutz.

"Der Zug ist schon ein bisschen abgefahren", befürchtet Helmut
Waitzer vom Softwarespezialisten Navax. Die Nutzer würden auch in
Zukunft ihre privaten Daten bekannt geben, weil sich Online-Dienste
zur Selbstverständlichkeit entwickeln. "Die Facebook-App am
Smartphone hat ja bereits Zugriff auf alle SMS. Was die damit tun,
ist aber unklar", so Waitzer. Durch bewusstes Handeln im Internet
bzw. generell bei der Bekanntgabe persönlicher Daten habe man
zumindest die kleine Chance, die Privatsphäre für die kommenden zehn
Jahre zu bewahren - "für danach wage ich aus heutiger Sicht keine
Prognose abzugeben", sagte der Manager.

Die Plattform

Soziale Netzwerke, mobiles Marketing und Software als
Dienstleistung: Die IT-Welt dreht sich immer schneller. Die seit 2001
existierende E-Business-Community (EBC) hat es sich daher zur Aufgabe
gemacht, Wissen über aktuelle Themen aus der Branche zu vermitteln
und Geschäftskontakte zu erleichtern.

Veranstaltet von APA-MultiMedia, dem Partner für multimedialen
Content und redaktionelles Outsourcing, bildet die EBC ein
schlagkräftiges Netzwerk für erfolgreiches E-Business. Monatliche
Veranstaltungen, bei denen sowohl Impulsreferate als auch
Fachvorträge und Podiumsdiskussionen Platz haben, bilden die ideale
Plattform für Erfahrungs- und Meinungsaustausch.

Die Partner-Unternehmen der E-Business-Community sind:

- A1 www.a1.net
 - APA-MultiMedia http://multimedia.apa.at 
 - CELLULAR GmbH www.cellular.at 
 - CMS Reich-Rohrwig Hainz Rechtsanwälte GmbH www.cms-rrh.com 
 - diamond:dogs webconsulting GmbH www.diamonddogs.cc 
 - Ericsson Austria www.ericsson.com 
 - Evolaris next level GmbH www.evolaris.net 
 - Hewlett-Packard www.hp.com/at 
 - Kapsch www.kapsch.net 
 - NAVAX Consulting GmbH www.navax.at 
 - NextiraOne www.nextiraone.at
 - Samsung  www.samsung.at
 - SAP Österreich GmbH www.sap.at 
 - WirtschaftsBlatt Verlag AG www.wirtschaftsblatt.at
 - Wirtschaftskammer Österreich www.wko.at

Weitere Bilder unter:
http://www.apa-fotoservice.at/galerie/3212

Bild(er) zu dieser Aussendung finden Sie im AOM / Originalbild-Service
sowie im OTS-Bildarchiv unter http://bild.ots.at

Rückfragehinweis:
APA-E-Business-Community
Barbara Rauchwarter
Unternehmenssprecherin
Leiterin Marketing & Kommunikation
Tel.: +43/1/360 60-5700
mailto:[email protected]
Web: http://ebc.apa.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | MMM

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