- 24.07.2012, 13:28:23
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Ziel verfehlt!
Zur Abberufung des designierten Rektors der PH Tirol
Wien (OTS) - Dass das Szenario um die Abberufung des designierten
Rektors der Pädagogischen Hochschule Tirol politisch eskalieren wird,
war eigentlich vorauszusehen. Dass aber diese Aktion als
ideologische, parteipolitisch motivierte Handlung dargestellt wird,
verfehlt die inhaltliche Dimension, die dieser Entscheidung zugrunde
liegt.
Die Pädagogischen Hochschulen sind seit ihrer Einrichtung im Jahr
1999 auf dem Weg zu vollakademischen Institutionen und es war auch
langfristig der politische Wille, die gesamte Pflichtschullehrer- und
lehrerinnenbildung dem internationalen Standard im Rahmen der
Bolognastrukturen mit Bachelor- und Masterabschlüssen anzupassen. Das
war auch einer der Gründe, dass für die Pädagogischen Hochschulen vor
knapp einem Monat ein neues Dienst- und Besoldungsrecht geschaffen
wurde, mit dem für die Lehrenden an diesen Hochschulen die
Voraussetzungen für universitäre Strukturen geschaffen wurden. Damit
hat aber auch die Regierung signalisiert, dass der
Weiterentwicklungsprozess für diese Bildungsinstitutionen Priorität
hat und dass in den nächsten Jahren die Heranführung an ein
universitäres Niveau angestrebt wird. Dies ist ja auch die notwendige
Voraussetzung für eine sinnvolle Kooperation zwischen den
Bildungsinstitutionen Universität und Pädagogische Hochschule.
Vor diesem Hintergrund rückt diese Abberufung durch die
Unterrichtsministerin schon in ein anderes Licht: besagter Rektor hat
sich um Aufgaben beworben, die genau diesem Entwicklungsprozess
entsprechen und die nicht in der Zielvorstellung bestanden, die
Pädagogische Hochschule Tirol in den Schoß der Universität Innsbruck
überzuführen! Also eindeutig "Ziel verfehlt"! Es wäre doch auch nicht
verständlich, würde sich ein Manager um die Filialleitung eines
Diskonters bewerben und dann gleichzeitig seine Zielvorstellung mit
der Auflösung der Filiale und deren Eingliederung in einen anderen
Lebensmittelkonzern bekannt geben!
Das Ziel verfehlt hat aber auch die Politik, wenn sie wieder mit
alten Verhaltensmustern und Vorurteilen politische Kampfansagen bis
hin zum Eisernen Vorhang bemüht. Es wäre hilfreicher, könnten
Politiker aus solchen Situationen die Kraft schöpfen, endlich
wirklich klare Entscheidungen über die Zukunft der Lehrer- und
Lehrerinnenbildung in Österreich treffen. Vor allem ist auch zu
bedenken, dass Bund und Land als alleinige Abnehmer des Produktes
Lehrer und Lehrerin wenigstens im Bereich der Pflichtschule ihre
staatliche Verantwortung nicht völlig abgeben dürfen und daher die
Überlassung der gesamten Lehrer- und Lehrerinnenbildung in den
Bereich der autonomen und ausgegliederten Universitäten nicht der
richtige Weg sein kann!
Rückfragehinweis:
Bundesfachgruppe Pädagogische Hochschulen in der GÖD
Mag. Wolfgang Weissengruber
Mobil: 0664 6109202
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