IG-Milch: Milchpreissenkung als logische Folge fataler Milchmarktpolitik

Bad Leonfelden (OTS) - Große Sorge herrscht über den aus dem Gleichgewicht geratenen Milchmarkt - Milchbäuerinnen und Milchbauern müssen die Senkung der Milchpreise wohl oder übel hinnehmen.

Die IG-Milch nimmt die Senkung der Preise für Milchprodukte unserer heimischen Handelsketten zur Kenntnis, weist aber erneut eindringlich darauf hin, dass dies eine logische Konsequenz der praktizierten Überschuss-Milchmarktpolitik ist. Diese wird von der österreichisch-europäischen Agrarpolitik auf dem Rücken der Milchbauern betrieben - und das "Milchbauernsterben" geht munter weiter.

Bereits Anfang des Jahres wurde der Landwirtschaftsminister auf dieses Szenario hingewiesen und aufgefordert, die jährliche Quotenaufstockung auszusetzen um den Markt nicht weiter unter Druck zu setzen.

Vor zwei Wochen wurde gemeinsam mit den European Milk Board in Brüssel mit der Aktion "Die Milch läuft über - die Preise stürzen ab!" vor dem Europäischen Parlament auf die gegenwärtige Überproduktion hingewiesen. Dazu wurde symbolisch ein überlaufender Milchsee errichtet. (Bilder dazu finden Sie unter www.ig-milch.at bzw. können im IG-Milch Büro angefordert werden.)

Positive Reaktionen oder regulierende Maßnahmen seitens der Agrarpolitik blieben aus.

Die Milchverarbeiter tragen dabei nur ein begrenztes wirtschaftliches Risiko, da schlechte Verhandlungsergebnisse immer auf die Bauernmilchpreise abgewälzt werden. Die Leidtragenden sind wieder einmal die Milchbauern, deren Zahl sich seit dem EU-Beitritt um über 50.000 auf nunmehr 35.000 Betriebe verringert hat.

Durch eine intelligente Gestaltung des Milchmarktes könnten extreme Marktvolatilitäten mit allen unerwünschten Nebenwirkungen vermieden werden. Ein Modell der flexiblen Mengenanpassung, wie es von uns schon immer gefordert wird, stabilisiert den Markt, stärkt die Wettbewerbsfähigkeit und schafft Planungssicherheit. Landwirte haben in der jetzigen Situation keinerlei Verhandlungsposition und können sich daher nicht gezielt mit ihrem Angebot auf die Nachfrage der Konsumenten einstellen.

Trotz explodierender Produktionskosten sind die Milchpreise gleich hoch wie etwa vor 40 Jahren - da darf sich niemandem wundern, wenn das Bauersterben an der Tagesordnung steht. So erhöhten sich z.B. die Preise der zur Milchproduktion benötigten Betriebsmittel von Juli 2010 auf Juli 2011 in vielen europäischen Ländern um 10-15%. Laut einer aktuellen Studie sind die Produktionskosten um 5-6 Cent gestiegen. Das bedeutet, dass die durchschnittlichen Kosten der Milchproduktion in Europa nunmehr weit über 40 Eurocent liegen - im österreichischen Berggebiet naturgemäß noch höher.

Im Rahmen der gegenwärtigen Reform der europäischen Agrarmarktordnung fordern wir erneut unsere verantwortliche Agrarpolitik auf, sich für einen freiwilligen Lieferverzicht sowie für die Einrichtung einer europäischen Monitoringstelle, damit Angebot und Nachfrage auf den Milchmärkten wieder ins Gleichgewicht kommen, einzusetzen.

Dass dies durchaus möglich und auch machbar ist, zeigt sich in den Regelungen zur EU-Weinmarktreform 2009 und auch im Bereich der Zuckerquote. Wir fordern daher die Verantwortlichen der Europäischen Agrarpolitik auf, auch im Bereich Milchproduktion die gleichen Regelungen geltend zu machen, mehr Mut zu zeigen und in diese Richtung endlich tätig zu werden.

Rückfragen & Kontakt:

IG-Milch-Obfrau
Erna Feldhofer
Mobil: 0664 1821818

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