"Kleine Zeitung" Kommentar: "Batman ist nicht schuld am Massaker von Aurora" (von Ute Baumhackl)

Ausgabe vom 24.07.2012

Graz (OTS) - Zwei Tage nach dem Massaker in Aurora, das zwölf Menschenleben und 59 Verletzte forderte, gab die Verleihfirma bekannt: "Batman III: The Dark Knight Rises" hat am ersten Kinowochenende in den USA und Kanada 160 Millionen Dollar eingespielt, mehr als jeder "Batman" zuvor. Die Zwischenbilanz klingt besonders obszön, weil sie insinuiert, das Kino nehme Massenmord in Kauf, solange nur die Kasse stimmt.

Schon wahr: "The Dark Knight Rises" spart nicht mit Gewaltdarstellungen; aber er benutzt sie zur Reflexion über die Beklemmungen der Gegenwart. Autor und Regisseur Christopher Nolan arbeitet mit Motiven, die Zeitgenossen wenigstens vage bekannt vorkommen müssen: Er erzählt von der Zerstörung eines moralisch desolaten (und nur zu vertraut aussehenden) Gesellschaftssystems, und er bedient sich dafür gängiger Bilder: das Inferno des 11. September, die Finanzkrise und die Wut der Occupy-Bewegung, die blutigen Exzesse der Revolution in Ägypten, Libyen, Syrien klingen an.

Nolan tut, was Kino immer tut: Im Schutz der Dunkelheit spielt es mit den Lüsten und Ängsten des Publikums, macht die Grenzen zwischen Realität und Fiktion durchlässig.

Aber diese Durchlässigkeit, so das Übereinkommen, darf nur in eine Richtung funktionieren. Deswegen verstört es so, wenn die Gewalt auf der Leinwand von dieser herunterzusteigen scheint. Deswegen klingen Psychologen und Soziologen, die einen direkten Zusammenhang zwischen Amokläufern und Gewaltdarstellungen in Filmen und Videospielen in Zweifel ziehen, immer so unglaubwürdig. Vielleicht ist es ja leichter, sich kluge Gedanken zu machen über die Wechselwirkung von Gewalt auf der Leinwand und im wirklichen Leben, statt sich mit einer einfachen Wahrheit zu konfrontieren: Gelegenheit macht Barbarei. In Colorado kann jeder Erwachsene die Schusswaffe seiner Wahl im Geschäft kaufen. Ohne Auflagen. Da könnte man sich auch fragen, wer hier moralisch dekadenter ist: die Filmindustrie oder der Gesetzgeber.

Apropos Moral: Zum US-Waffengesetz haben die Wahlkämpfer Barack Obama und Mitt Romney nach der Tragödie von Aurora noch keine klaren Worte gefunden. Wohl aus taktischen Gründen: Schon jetzt gibt die mächtige Waffenlobby NRA (National Rifle Association) geschätzt 40 Millionen Dollar aus, um Obamas Wiederwahl zu vereiteln. Solange das den mächtigsten Mann der Welt zum Schweigen bringt, so lange kann man auch so tun, als sei der Kauf einer Kinokarte gefährlicher als der eines Gewehrs.****

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