• 23.07.2012, 19:57:17
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Batman ist nicht schuld am Massaker von Aurora" (von Ute Baumhackl)

Ausgabe vom 24.07.2012

Graz (OTS) - Zwei Tage nach dem Massaker in Aurora, das zwölf
Menschenleben und 59 Verletzte forderte, gab die Verleihfirma
bekannt: "Batman III: The Dark Knight Rises" hat am ersten
Kinowochenende in den USA und Kanada 160 Millionen Dollar
eingespielt, mehr als jeder "Batman" zuvor. Die Zwischenbilanz klingt
besonders obszön, weil sie insinuiert, das Kino nehme Massenmord in
Kauf, solange nur die Kasse stimmt.

Schon wahr: "The Dark Knight Rises" spart nicht mit
Gewaltdarstellungen; aber er benutzt sie zur Reflexion über die
Beklemmungen der Gegenwart. Autor und Regisseur Christopher Nolan
arbeitet mit Motiven, die Zeitgenossen wenigstens vage bekannt
vorkommen müssen: Er erzählt von der Zerstörung eines moralisch
desolaten (und nur zu vertraut aussehenden) Gesellschaftssystems, und
er bedient sich dafür gängiger Bilder: das Inferno des 11. September,
die Finanzkrise und die Wut der Occupy-Bewegung, die blutigen Exzesse
der Revolution in Ägypten, Libyen, Syrien klingen an.

Nolan tut, was Kino immer tut: Im Schutz der Dunkelheit spielt es mit
den Lüsten und Ängsten des Publikums, macht die Grenzen zwischen
Realität und Fiktion durchlässig.

Aber diese Durchlässigkeit, so das Übereinkommen, darf nur in eine
Richtung funktionieren. Deswegen verstört es so, wenn die Gewalt auf
der Leinwand von dieser herunterzusteigen scheint. Deswegen klingen
Psychologen und Soziologen, die einen direkten Zusammenhang zwischen
Amokläufern und Gewaltdarstellungen in Filmen und Videospielen in
Zweifel ziehen, immer so unglaubwürdig. Vielleicht ist es ja
leichter, sich kluge Gedanken zu machen über die Wechselwirkung von
Gewalt auf der Leinwand und im wirklichen Leben, statt sich mit einer
einfachen Wahrheit zu konfrontieren: Gelegenheit macht Barbarei. In
Colorado kann jeder Erwachsene die Schusswaffe seiner Wahl im
Geschäft kaufen. Ohne Auflagen. Da könnte man sich auch fragen, wer
hier moralisch dekadenter ist: die Filmindustrie oder der
Gesetzgeber.

Apropos Moral: Zum US-Waffengesetz haben die Wahlkämpfer Barack Obama
und Mitt Romney nach der Tragödie von Aurora noch keine klaren Worte
gefunden. Wohl aus taktischen Gründen: Schon jetzt gibt die mächtige
Waffenlobby NRA (National Rifle Association) geschätzt 40 Millionen
Dollar aus, um Obamas Wiederwahl zu vereiteln. Solange das den
mächtigsten Mann der Welt zum Schweigen bringt, so lange kann man
auch so tun, als sei der Kauf einer Kinokarte gefährlicher als der
eines Gewehrs.****

Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung, Redaktionssekretariat, Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047, mailto:[email protected], http://www.kleinezeitung.at

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