- 18.07.2012, 18:15:32
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Fondsbranche steht vor einem Umbruch - von Christian Kreuzer
Anbieter brauchen neue Strategie, um die Abflüsse zu stoppen
Wien (OTS) - Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache: Die
heimische Fondsbranche verliert auch 2012 weiter an Boden, allein im
ersten Halbjahr haben die österreichischen Privatanleger knapp 580
Millionen Euro aus den Produkten abgezogen. Die Industrie führt das
unter anderem auf die Finanzkrise zurück, die der Branche einen
schweren Dämpfer versetzt. Doch damit machen es sich die Vertreter
der Branche zu einfach: Der Abfluss begann bereits im Jahr 2007 und
setzte sich in den darauf folgenden Jahren nahtlos fort. Zählt man
die Nettoveränderung von 2007 bis Juni 2012 zusammen, haben private
Investoren mehr als 21 Milliarden Euro aus Fonds abgezogen. Gewiss,
die Finanzkrise hat das Ihre dazu beigetragen, auch die
Wertpapier-KESt war nicht ganz unschuldig, doch im Kern sind die
Anbieter selbst schuld. Viele ruhten sich auf den Lorbeeren der
Vergangenheit aus, als sich die Fonds wie von selbst verkauften, und
erkannten nicht die Zeichen der Zeit.
Das Aufkommen der Zertifikate als Konkurrenten wurde geflissentlich
ignoriert. Obwohl ein neuer Mitbewerber auftrat, der zum Teil
kostengünstiger produzierte, hat man die Gebühren für das Management
der Fonds weiter erhöht. Dass dies an der Rendite nagt, ist auch für
nicht finanzaffine Anleger ersichtlich - spätestens dann, wenn sie
die jährliche Wertentwicklung zu sehen bekommen. Zahlreiche Studien
belegen ohnehin, dass es Fonds nur in den seltensten Fällen schaffen,
die jeweilige Benchmark zu schlagen. Dafür sind in erster Linie die
Kosten verantwortlich. International haben die Anbieter darauf
reagiert und günstigere Indexfonds auf den Markt gebracht, die von
den Investoren stark nachgefragt wurden. In Österreich hat sich
dagegen nichts getan, die Anbieter wollten sich mit margenschwächeren
Indexfonds die üppige Kostenstruktur nicht vermiesen lassen. Doch
dies ist eine sehr kurzsichtige Strategie: Ziehen immer mehr Anleger
ihr Kapital ab, werden die Margen auch bei den herkömmlichen
Produkten irgendwann unter Druck kommen.
Grundsätzlich hätte die Fondsbranche großes Potenzial - allein die
Pensionsthematik verspricht lukrative Umsätze. Doch hier haben die
Fondsgesellschaften den Versicherungen beinahe gänzlich das Feld
überlassen. Das ist schade, denn den Assekuranzen würde in Sachen
Transparenz und Kosten ein wenig Konkurrenz guttun. Mit den richtigen
Produkten, die die Bedürfnisse der Vorsorgenden auch tatsächlich
abdecken, könnten die Fonds wieder eine Zukunft haben.
Rückfragehinweis:
Wirtschaftsblatt Verlag AG
Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
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