WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Fondsbranche steht vor einem Umbruch - von Christian Kreuzer

Anbieter brauchen neue Strategie, um die Abflüsse zu stoppen

Wien (OTS) - Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache: Die heimische Fondsbranche verliert auch 2012 weiter an Boden, allein im ersten Halbjahr haben die österreichischen Privatanleger knapp 580 Millionen Euro aus den Produkten abgezogen. Die Industrie führt das unter anderem auf die Finanzkrise zurück, die der Branche einen schweren Dämpfer versetzt. Doch damit machen es sich die Vertreter der Branche zu einfach: Der Abfluss begann bereits im Jahr 2007 und setzte sich in den darauf folgenden Jahren nahtlos fort. Zählt man die Nettoveränderung von 2007 bis Juni 2012 zusammen, haben private Investoren mehr als 21 Milliarden Euro aus Fonds abgezogen. Gewiss, die Finanzkrise hat das Ihre dazu beigetragen, auch die Wertpapier-KESt war nicht ganz unschuldig, doch im Kern sind die Anbieter selbst schuld. Viele ruhten sich auf den Lorbeeren der Vergangenheit aus, als sich die Fonds wie von selbst verkauften, und erkannten nicht die Zeichen der Zeit.

Das Aufkommen der Zertifikate als Konkurrenten wurde geflissentlich ignoriert. Obwohl ein neuer Mitbewerber auftrat, der zum Teil kostengünstiger produzierte, hat man die Gebühren für das Management der Fonds weiter erhöht. Dass dies an der Rendite nagt, ist auch für nicht finanzaffine Anleger ersichtlich - spätestens dann, wenn sie die jährliche Wertentwicklung zu sehen bekommen. Zahlreiche Studien belegen ohnehin, dass es Fonds nur in den seltensten Fällen schaffen, die jeweilige Benchmark zu schlagen. Dafür sind in erster Linie die Kosten verantwortlich. International haben die Anbieter darauf reagiert und günstigere Indexfonds auf den Markt gebracht, die von den Investoren stark nachgefragt wurden. In Österreich hat sich dagegen nichts getan, die Anbieter wollten sich mit margenschwächeren Indexfonds die üppige Kostenstruktur nicht vermiesen lassen. Doch dies ist eine sehr kurzsichtige Strategie: Ziehen immer mehr Anleger ihr Kapital ab, werden die Margen auch bei den herkömmlichen Produkten irgendwann unter Druck kommen.

Grundsätzlich hätte die Fondsbranche großes Potenzial - allein die Pensionsthematik verspricht lukrative Umsätze. Doch hier haben die Fondsgesellschaften den Versicherungen beinahe gänzlich das Feld überlassen. Das ist schade, denn den Assekuranzen würde in Sachen Transparenz und Kosten ein wenig Konkurrenz guttun. Mit den richtigen Produkten, die die Bedürfnisse der Vorsorgenden auch tatsächlich abdecken, könnten die Fonds wieder eine Zukunft haben.

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