• 12.07.2012, 19:25:49
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Was Österreich von den Winzern lernen sollte" (von Frido Hütter)

Ausgabe vom 13.07.2012

Graz (OTS) - In vino veritas heißt es bei Tacitus. Dass im
Wein die Wahrheit liege, hatte schon 500 Jahre vor ihm Alkaios von
Lesbos formuliert. Beide dürften gemeint haben, dass der im Wein
befindliche Alkohol die Zunge lockert. Aber am Beispiel des
österreichischen Weines ist eine noch ganz andere Wahrheit zu finden.
Sie lautet: Qualität setzt sich durch und generiert neue Qualitäten.

Das beste Anschauungsbild gibt dabei der steirische Weinbau ab.
Während Wachau und Burgenland schon vor dem legendären Skandal 1985
einen gewissen Ruf hatten, galt der steirische Wein als Nassfutter
von eher unerheblicher Güte.

Obgleich die steirischen Winzer eher Randfiguren der damals
aufgedeckten Großpanscherei waren, unterlagen sie auch Boykott und
Absatzkrise. Aber diese erwiesen sich als heilsame Katharsis. Weg vom
Billigberger im Doppelliter, hin zu eher höherpreisigen Weinen der
feineren Machart.

Ein neuer Markt war geboren. Heute kratzen steirische
Spitzenkreszenzen schon im Erstausgabejahr an der 50-Euro-Marke,
Raritäten aus Niederösterreich und dem Burgenland wurden bei Ebay
schon um weit über 400 Euro gesichtet. Aber auch zu zivilen Preisen
gibt es Qualität.

Dazu kommen weitere Wertschöpfungen: Die Immobilienpreise in der
ehedem billigen Südsteiermark sind auf Höhenflug,
Beherbergungsbetriebe jeglicher Kategorie entstanden, fast
wöchentlich kommen neue Gourmandisen dazu.

Die Winzer haben etwas geschaffen, das ein Beispiel für die gesamte
österreichische Landwirtschaft sein könnte: Klasse statt Masse.

Ein Land, das über Alpenwasser und einen ökologisch exzellenten Ruf
verfügt, darf sich nicht an (besonders krisenanfälliger) Massenware
vertrödeln, die kann man importieren. Exzellenz ist das Gebot der
Stunde.

Warum haben wir kein Hendl, das dem Bressehuhn gleichkommt? Warum
kein Schwein, das es mit dem iberischen Pata negra aufnehmen kann?
Warum stehen so wenige Rinder auf Weiden statt im Stall? Und warum
schwemmen wir Hektoliter des oben erwähnten Alpenwassers durch die
Toiletten, statt es in den Emiraten zu vermarkten?

Weil wir noch zu wenig Sinn für Exzellenz haben, und weil Politik und
Kammern kläglich versagen. Es gibt zwar immer mehr Produzenten
(Vulcano, Johannschinken, Sulmtaler, Mangalitza, Alpenlachs etc.),
die mit Mut und Fantasie fabelhafte Produkte erzeugen. Aber die
werden kaum gefördert, sondern müssen schon froh sein, wenn sie von
offizieller Seite wenigstens nicht behindert werden.****

Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung, Redaktionssekretariat, Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047, mailto:[email protected], http://www.kleinezeitung.at

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