- 09.07.2012, 10:30:31
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Neben "Spritzenschanis" bald auch "ELGA-DaPfls"?
NÖ Ärztekammer: "Turnusärzte sollen Medizin lernen und nicht zu Datenpflegern verkommen"
Wien (OTS) - "Der ELGA-Datenberg pro Patient wird ab Einführung
von Jahr zu Jahr kontinuierlich wachsen. Besonders bei chronisch
kranken Menschen und bei Krebspatienten in Nachsorge-Programmen
müssen oft zahlreiche Befunde in relativ kurzen zeitlichen Abständen
erhoben werden. Und das über viele Jahre und Jahrzehnte", so Dr.
Stefan Halper, Turnusärztesprecher der NÖ Ärztekammer.
So ein Krankenakt wird aufgrund seines Umfanges rasch unlesbar und
damit unbrauchbar. "Es müsste dann entweder viel mehr Zeit pro
Patient zur Verfügung stehen, um den ELGA-Akt bei jedem
Patientenkontakt gewissenhaft begutachten zu können. Oder es wird
Personen geben müssen, die alle Befunde regelmäßig sichten, ordnen,
die enthaltenen Informationen begutachten und so zusammenstellen,
dass sie auch jedem anderen behandelnden Arzt rasch, zuverlässig und
übersichtlich zur Verfügung stehen", so Dr. Halper.
Neues Berufsbild "ELGA-DaPfl"erforderlich
"Das erste Szenario wird wohl in der Planung der
Gesundheitspolitiker nicht vorgesehen sein", so Dr. Christoph
Reisner, Präsident der NÖ Ärztekammer. "Also wird es wohl
ELGA-Datenpfleger, also ELGA-DaPfls mit Verantwortung für den Inhalt
von ELGA geben müssen. Leider halten sich die Initiatoren von ELGA
nach wie vor bedeckt, wer denn diese Tätigkeit durchführen wird."
Fest steht aus seiner Sicht, dass wohl nur Ärztinnen und Ärzte
über die nötige Ausbildung für diese Tätigkeit verfügen. "Dies wird
nämlich eine zwar mühselige, aber inhaltlich höchst anspruchsvolle
Aufgabe sein. Im niedergelassenen Bereich befürchten wohl zu Recht
die Hausärztinnen und Hausärzte, dass ihnen diese Aufgabe zukommen
wird. "Befürchten" deshalb, weil ELGA-Datenpflege in den
Leistungskatalog aufgenommen werden müsste. Woran aber aufgrund der
Erfahrungen mit Gesundheitsbürokratie niemand wirklich glaubt", so
Präsident Dr. Reisner.
Manche EDV-Programme werden niemals brauchbar
"In den Krankenhäusern wissen wir aus unserer Erfahrung als
Turnus- und Assistenzärzte, dass uns bei ungeliebten, aber
notwendigen administrativen und bürokratischen Tätigkeiten oft die
Hauptlast voll trifft", so Dr. Halper weiter. "Wir machen uns daher
Sorgen, in Zukunft noch viel mehr als heute vor dem Computer zu
sitzen und aus unzähligen Befunddateien die relevanten Informationen
herauszusuchen, zu bewerten und entsprechend zu "pflegen". Und dies
vielleicht noch mit überalterter Hardware und umständlicher langsamer
Software."
Er beklagt sich, dass die Spitalsärztinnen und -ärzte in den
letzten Jahren nicht selten als "Beta-Tester" der
Software-Unternehmen eingesetzt wurden. "Es wurden uns halbfertige
Programme geliefert, die erst durch unsere Anwendung und permanente
Rückmeldung langsam brauchbarer wurden. Manche Programme schafften
das niemals."
NÖ Ärztekammer fordert: Dr. Helga statt ELGA
"Und außerdem: Kein Arzt will einen Großteil seiner Arbeitszeit
als ELGA-DaPfl verbringen. Und schon gar nicht Ärztinnen und Ärzte in
Ausbildung, die zum Patienten gehören. Zum kranken Menschen, auf
Visite, in die Ambulanzen, in die OPs, zu Morgenbesprechungen. Und
das zusammen mit ihren Ausbilderinnen und Ausbildern, um von deren
Wissen, Können und Erfahrung profitieren zu können", so Dr. Halper
weiter.
Präsident Dr. Reisner zum Abschluss: "Wir fordern Dr. Helga statt
ELGA: Kranke Menschen brauchen Ärztinnen und Ärzte dringender als
Monster-Datenbanken, für deren inhaltliche Wartung nach unserer
Befürchtung kein zusätzliches Personal zur Verfügung stehen wird. Und
Ärztinnen und Ärzte in Ausbildung brauchen Zeit, die sie gemeinsam
mit Ausbilderinnen und Ausbildern am Patienten verbringen. Und nicht
alleine vor dem Bildschirm."
Rückfragehinweis:
Pressestelle der Ärztekammer für Niederösterreich
Michael Dihlmann
Tel.: 0664/144 98 94
mailto:[email protected]
www.arztnoe.at
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