- 06.07.2012, 13:57:39
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Beschneidung: UN-Experte für Religionsfreiheit sieht Fehlurteil
UN-Sonderberichterstatter für Religionsfreiheit, Bielefeldt, bei Tagung in Salzburg: Richter in Köln sind ihrer Sorgfaltspflicht bei der Abwägung von Religionsfreiheit als Menschenrecht nicht gerecht geworden
Salzburg, 06.07.12 (KAP) Als "Fehlurteil" hat der
UN-Sonderberichterstatter für Religionsfreiheit, Heiner Bielefeldt,
das deutsche Gerichtsurteil zur religiösen Beschneidung von Buben
kritisiert. Bei einer Tagung zum Thema "Religionsfreiheit" am
Freitag in Salzburg kritisierte der deutsche Philosoph und Theologe,
dass die Kölner Richter ihrer Sorgfaltspflicht bei der Abwägung
zwischen dem Menschenrecht auf Religionsfreiheit und dem gebotenen
Schutz eines Kindes nicht gerecht geworden seien. "Die
Religionsfreiheit kommt in diesem Urteil nicht angemessen vor",
sagte Bielefeldt, "und dort, wo sie vorkommt, wird sie verdreht".
Auch die medizinische Beurteilung der Auswirkungen einer
Beschneidung sei vom Kölner Landgericht trotz der vielen
unterschiedlichen Ansichten von Experten in dieser Frage, "sehr
rasch" mit Köperverletzung beantwortet worden. Der
UN-Sonderberichterstatter verwies explizit auf die Unterschiede zu
Fällen, in denen Eltern möglicherweise lebensrettende
Bluttransfusion bei ihren Kindern verweigern oder der
Genitalverstümmelung bei Frauen. Beim Thema "Bluttransfusion" stehe
das "Recht auf Leben" deutlich über der Religionsfreiheit. Niemals
könne Religionsfreiheit auch ein Rechtfertigungsgrund für
Genitalverstümmelung sein.
Bielefeldt erinnerte, dass Religionsfreiheit eindeutig das Recht von
Eltern auf die religiöse Sozialisation ihrer Kinder beinhaltet. Für
viele Eltern sei die Beschneidung ein so wichtiges Anliegen, dass
sie auch bei einer Strafandrohung damit nicht aufhören würden.
Als "bizarr" wertete der Menschenrechtsexperte das Argument der
Kölner Richter, wonach durch die Beschneidung die Religionsfreiheit
des Kindes verletzt werde, weil es dadurch später nicht mehr selbst
entscheiden könne, welcher Religion es angehören wolle. Bielefeldt:
"Wenn das stimmen würde, hätte das Christentum nie existieren
können, denn die ersten Christen waren auch alle beschnitten."
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