• 05.07.2012, 11:34:43
  • /
  • OTS0093 OTW0093

Medien im Kreuzfeuer zwischen Wahrheit und Konflikten

Staatssekretär Wolfgang Waldner will Pressefreiheit in Krisen- und Kriegsregionen stärken

Wien (OTS) - "Nur 15 Prozent der Weltbevölkerung leben in einer
Umgebung, wo Pressefreiheit besteht", stellte Staatssekretär Wolfgang
Waldner beim gestrigen DialogEntwicklung "Publishing the Truth?" der
Austrian Development Agency (ADA), der Agentur der Österreichischen
Entwicklungszusammenarbeit, klar. "Diese Zahl ist äußerst bedenklich,
da eine Zensur der Medien auch eine massive Einschränkung der
Menschenrechte bedeutet." Autoritäre Regime seien in der Lage, über
einseitige Berichterstattung die Bevölkerung zu manipulieren und
Konflikte zu schüren.

Die internationale Gemeinschaft ist gefordert, sich gerade in den
Krisenregionen der Welt verstärkt für die Sicherheit von
Journalistinnen und Journalisten einzusetzen. Laut International
Press Institute fielen 2012 bereits 72 Journalistinnen und
Journalisten tödlichen Anschlägen zum Opfer. Nicht weniger als 90
Prozent der berichteten Übergriffe auf Medienvertreterinnen und
Medienvertreter bleiben unaufgeklärt. "Österreich plant, im Zuge
seiner Mitgliedschaft im UN-Menschenrechtsrat bis 2014 die
Erarbeitung einer neuen Resolution zur Stärkung sicherer
Rahmenbedingungen für Journalisten einzubringen", so der
Staatssekretär. "Diese Initiative wurde auch von UN-Generalsekretär
Ban Ki-Moon ausdrücklich begrüßt."

Österreich engagiert sich bereits mehrfach im Sinne der Förderung
von Pressefreiheit und Demokratisierungsprozessen. "Angriffe auf
Journalisten sind Angriffe gegen die Demokratie", betonte Waldner.

"Die Austrian Development Agency unterstützt die Medienentwicklung
durch Programme und Projekte in den Schwerpunktländern der
Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit. In Südosteuropa fördert
sie unter anderem Netzwerke von Journalistinnen und Journalisten zur
gegenseitigen Unterstützung und Weiterbildung. In Uganda und Mosambik
konnte durch Medienschulungen vermittelt werden, wie freie
Berichterstattung zu Versöhnung nach Konflikten, Friedenssicherung
und Demokratisierung beitragen kann. Neben Journalistinnen und
Journalisten zählt auch der öffentliche Sektor zu den Zielgruppen der
Initiativen. Multiplikatorinnen und Multiplikatoren werden vor allem
auf Konferenzen und über die Förderung von Netzwerken erreicht, um
hinsichtlich der großen Bedeutung von Pressefreiheit für eine
nachhaltige Entwicklung der Länder zu sensibilisieren", so Brigitte
Öppinger-Walchshofer, Geschäftsführerin der ADA. Schließlich zeigen
Studien der Weltbank, dass mit der Zunahme der Pressefreiheit die
Rolle der Zivilgesellschaft gestärkt, mehr Kontrolle gegenüber
Korruption ausgeübt wird und die Chancen auf Entwicklung steigen.

"In Ländern ohne Pressefreiheit gibt es hingegen keine Kultur zur
Einhaltung der Menschenrechte. Autoritäre Regierungen sehen sich
durch kritische Journalistinnen und Journalisten häufig in ihrer
Machtausübung bedroht. Unabhängige Berichterstattung wird deshalb mit
Gewalt verhindert. Und Medien gehen dieses Risiko nicht immer ein.
Laut Freedom House, dem New Yorker Monitoringorgan zur
Pressefreiheit, gelten 84 Prozent der westeuropäischen Medien als
"frei", während es im Mittleren Osten und in Nordafrika nur zwei
Prozent sind. Nur fünf afrikanische Länder gelten derzeit als Länder
mit Pressefreiheit", stellte der südafrikanische Gastredner Raymond
Louw dar. Der Herausgeber und Journalist wurde für seinen Einsatz für
die Pressefreiheit während des Apartheid-Regimes mehrfach
international ausgezeichnet. Die friedensunterstützende Rolle der
Medien im Kampf gegen die Apartheid in Südafrika ist ein
vielzitiertes Positivbeispiel für die Vermittlungs- und
Begleitfunktion, die Medien während eines gravierenden Systemwandels
einnehmen können.

"Leider werden Medien aber auch häufig dazu benutzt, Konflikte zu
schüren. Die Grundlagen eines Friedensjournalismus sind heute noch
nicht wirklich weltweit verankert. Aus der Sicht der humanitären
Hilfe und als Friedensaktivist ist mir bewusst, wie schwierig es
während Konflikten ist, bestimmte Realitäten zu veröffentlichen.
Social Media bieten zwar neue Möglichkeiten, sind jedoch in Bezug auf
die Vermittlung von Wahrheiten keineswegs risikofrei", betonte Elias
Bierdel vom Österreichischen Studienzentrum für Frieden und
Konfliktlösung in Schlaining. Raymond Louw würde sich deshalb mehr
Aufklärung der Bevölkerung insbesondere an Schulen wünschen. Es
sollte vermittelt werden, wie Zeitungen, Radio, Fernsehen und Social
Media tatsächlich funktionieren und wie Botschaften und Informationen
die eigene Meinung beeinflussen.

"Höchste ethische und professionelle journalistische Standards
sind ein Garant für die Glaubwürdigkeit von Medien, die über
Kriegsverbrechen und Verstöße gegen die Menschenrechte berichten.
Freie und faire Berichterstattung kann schließlich bei politisch
Verantwortlichen auf nationaler Ebene ein Umdenken, Einlenken oder
Reformen anstoßen bzw. auf internationaler Ebene entsprechende
Maßnahmen auslösen", ergänzte Alison Bethel McKenzie,
Geschäftsführerin des International Press Institutes (IPI) in Wien.

Die Österreichische Entwicklungszusammenarbeit
Die Österreichische Entwicklungszusammenarbeit unterstützt Länder in
Afrika, Asien, Zentralamerika, Südost- und Osteuropa bei ihrer
nachhaltigen sozialen, wirtschaftlichen und demokratischen
Entwicklung. Das Außenministerium (BMeiA) plant die Strategien. Die
Austrian Development Agency (ADA), die Agentur der Österreichischen
Entwicklungszusammenarbeit, setzt Programme und Projekte gemeinsam
mit öffentlichen Einrichtungen, Nichtregierungsorganisationen und
Unternehmen um.

Rückfragehinweis:

Austrian Development Agency (ADA),
   die Agentur der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit
   Information und Öffentlichkeitsarbeit
   Tel.: +43 (0)1 90399-2411
   oeza.info @ada.gv.at
   www.entwicklung.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | TRI

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel