• 02.07.2012, 18:15:32
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Die staatliche Beteiligungsfalle für Manager - von Esther Mitterstieler

Die Politik muss auch de jure raus aus der Unternehmensführung

Wien (OTS) - Es wird langsam langweilig. Österreich hat eine
staatliche Holding, die ÖIAG. Diese hält Beteiligungen an drei großen
börsenotierten Unternehmen, der Telekom Austria (28,4 Prozent), der
Post (52,9 Prozent) und der OMV (31,5 Prozent). Nun nimmt der
ÖIAG-Vorstand seinen Hut und der Staat schreibt den Job neu aus.
Abgesehen von der Personalie stellt sich mal wieder die Frage, was
die Rolle der ÖIAG sein kann und muss.

Da tun sich zwei Lager auf: Die einen wollen die Holding jedenfalls
erhalten und unter (glücklichen) Umständen mit einigen anderen
Staatsbeteiligungen anreichern - dazu gehören die ÖVP und ihre
Finanzministerin Maria Fekter. Die anderen wollen die Holding
auflösen und die drei genannten Unternehmen den zuständigen
Ministerien zuordnen. Die Frage erübrigt sich, wer damit gemeint ist.

Zu Ende gedacht hieße das im ersten Fall: Man könnte eine große
Infrastrukturholding bauen, die viel mehr an Durchschlagskraft als
die derzeitige ÖIAG gewänne. So könnte man etwa den Flughafen Wien,
die Bundesimmobiliengesellschaft, die ÖBB, die Asfinag und den
Verbund unter die Dachholding "ÖIAG neu" stecken. Der Vorteil: Die
Politiker, sprich Minister, hätten keinen direkten Zugriff auf die
Unternehmen. Andererseits hat sich schon am Beispiel AUA gezeigt,
dass der damalige ÖIAG-Vorstand Peter Michaelis den damaligen
Verkehrsminister Werner Faymann noch so oft davor warnen konnte, die
AUA nicht in den Sinkflug fliegen zu lassen - die Politik hat nichts
unternommen. Also muss die Politik auch de jure aus der
Unternehmensführung rausgehalten werden und ein ÖIAG-Filter zwischen
Politik und Unternehmen bleiben.

Die SPÖ möchte die ÖIAG gerne auflösen. Das genaue Rezept dafür ist
freilich ebenso wenig bekannt wie jenes der Finanzministerin. Sinn
macht eine Auflösung, wenn TA, OMV und Post privatisiert werden.
Allein: Es gibt dazu keinen Regierungsauftrag. Wie der neue ÖIAG-Chef
heißen wird, ist die Frage. Kein Mensch will in dem Zusammenhang
genannt werden. Das ist auch logisch. Man kann zu Peter Michaelis
oder Markus Beyrer stehen, wie man will: Die Chefs der staatlichen
Beteiligungsholding waren zuweilen einer regelrechten medialen
Treibjagd ausgesetzt. Wer soll sich einen der undankbarsten Jobs der
Republik antun? Sicher kein verdienter Manager, und einen solchen
bräuchte es; mit Verständnis für den Kapitalmarkt und Umsicht in der
Unternehmensführung. Sollte die Regierung so weitertun, kann sie
gleich das Werkl bis zu den Wahlen weiterführen. Kluge
Industriepolitik schaut anders aus.

Rückfragehinweis:
Wirtschaftsblatt Verlag AG
Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
mailto:[email protected]

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