- 27.06.2012, 17:00:31
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"KURIER"-Kommentar von Helmut Brandstätter: "Schaukel-Kanzlerin"
Europa braucht den Euro, dieser braucht Frau Merkel. Ein schwieriges Verhältnis.
Wien (OTS) - Keine Frau auf der Welt führt ein derart öffentliches
Leben wie Angela Merkel. Wenn die deutsche Kanzlerin ein paar Tage
Urlaub hat und einmal nichts zum Euro sagt, wird ihre Frisur
kommentiert. In Bayreuth interessieren sich die Fotografen für ihr
Kleid, am Fußballplatz für ihre Art, die Hände zu ballen, wenn sie
sich über ein Tor freut.
Und weil Frau Merkel eben stets beobachtet wird, wissen wir, dass
die große Emotion nicht ihre Sache ist. Umso erstaunlicher ihre
Formulierung, es werde keine gemeinsamen europäischen Anleihen
(Eurobonds) geben, "solange ich lebe". Woher kommt die plötzliche
Aufwallung?
Frau Merkel muss jedenfalls bis zu den nächsten Wahlen im
kommenden Jahr eine Art Schaukelpolitik durchhalten. Sie sagt zwar:
"Wenn der Euro scheitert, scheitert Europa", aber sie braucht die
bayrische Schwesterpartei CSU, die bei zusätzlichen Haftungen bremst.
Sie muss gerade so viel tun, um den Euro zu retten, weil Deutschland
ohne Euro ganz schnell in eine Rezession und Arbeitslosigkeit stürzen
würde, darf aber vor ihren Wählern nicht als zu weich dastehen.
Nach allen aktuellen Umfragen hält die Kanzlerin diese
Widersprüche aus, aber der Euro auch?
Rückfragehinweis:
KURIER, Chefredaktion
Tel.: (01) 52 100/2601
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