- 27.06.2012, 10:18:31
- /
- OTS0081 OTW0081
Salzburg: Abschied von Superintendentin Luise Müller
"Gesicht einer Kirche, in der Männer und Frauen gleichberechtigt mitbestimmen"
Salzburg (OTS/epdÖ) - Mit einem Fest haben sich die
evangelischen Pfarrgemeinden Salzburgs und die Diakonie von
Superintendentin Luise Müller verabschiedet, die nach 17 Jahren an
der Spitze der Diözese Salzburg-Tirol mit 1. September in den
Ruhestand tritt. Gekommen waren zur der Feier in der "TriBühne Lehen"
am Dienstagabend, 26. Juni, rund 200 Wegbegleiterinnen und
Wegbegleiter aus Kirche, Diakonie, Ökumene und dem politischen Leben,
darunter Erzbischof Alois Kothgasser, Landeshauptfrau Gabi
Burgstaller und Bürgermeister Heinz Schaden.
Als Superintendentin habe Luise Müller ein "Vorreiterrinnenrolle"
eingenommen, sagte die Rektorin des Diakoniewerkes Gallneukirchen,
Christa Schrauf. Müller, die seit vielen Jahren dem Aufsichtsrat des
Diakoniewerkes angehört, sei "für viele das Gesicht und die Stimme
einer Kirche, in der Frauen und Männer in gleicher Weise auf allen
Ebenen mitgestalten und mitbestimmen", so die Rektorin. In dieser
bischöflichen Funktion sei Müller für viele Frauen "Wegweiserin"
gewesen und habe sie ermutigt. Darüber hinaus habe Müller soziale
Kompetenz vorgelebt und für entsprechende Strukturen gesorgt.
Von einer "inneren Herzensverbundenheit" sprach der
römisch-katholische Erzbischof Alois Kothgasser. Die gute ökumenische
Zusammenarbeit sei "Gott sei Dank zur Selbstverständlichkeit"
geworden. Er dankte für das gegenseitige Vertrauen und "die
Menschenfreundlichkeit, mit der Sie zusammen mit Ihrem Gatten diesen
Weg Jesu gegangen sind".
Dankbar für das nunmehr gute ökumenische Klima und die
vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Müller und Kothgasser zeigte
sich auch Salzburgs Landeshauptfrau Gabi Burgstaller. Als nach der
Katastrophe in Kaprun die katholische Kirche keinen ökumenischen
Trauergottesdienst zugelassen habe, habe sie sich als Katholikin
"geschämt", erklärte die Landeshauptfrau. Heute dagegen werde Ökumene
gelebt. Burgstaller unterstrich das diakonische Engagement der
Evangelischen Kirche in Salzburg, hier sei man "mit einem hohen
Selbstverständnis am Werk und mit einem Auftrag". Für die gute
Zusammenarbeit dankte auch Salzburgs Bürgermeister Heinz Schaden. Die
Evangelische Kirche wirke durch ihr diakonisches Engagement weit über
die Kirche hinaus, so Schaden.
Den Dank für die "konstruktive Zusammenarbeit mit dem Ministerium
über viele Jahre" überbrachte Ministerialrat Karl Schwarz seitens des
Kultusamtes im Unterrichtsministerium. Die aus Oberfranken stammende
Luise Müller habe sich nicht an die Grenzen ihrer Superintendenz
gehalten, sondern auch auf österreichischer Ebene ambitionierte
Projekte entwickelt. Die Herausforderungen angesichts des religiösen
Pluralismus seien gestiegen. "Unser Ziel muss bleiben, den religiösen
Frieden zu bewahren, die Religionsfreiheit als zentrales Grundrecht
aller Bewohner zu gewährleisten, die interreligiöse Kommunikation zu
fördern und Toleranz einzufordern, wo Konflikte schwelen", betonte
der Ministerialrat.
Als "Frau die in ihrem Leitungsamt einfach da war, um darauf zu
schauen, dass alles funktioniert", beschrieb der altkatholische
Pfarrer Martin Eisenbraun die Superintendentin. Für Pastorin Esther
Handschin von der methodistischen Kirche ist Luise Müller ein Vorbild
für eine Frau in kirchenleitender Verantwortung. Müllers hohes
diakonisches Verständnis würdigten Vertreter der Diakonie. Michael
König, Geschäftsführer des Diakonie-Zentrums Salzburg, unterstrich
Müllers seelsorgerliche Kompetenz, die sich nach der
Kaprun-Katastrophe gezeigt habe, wo es galt, "etwas in Worte zu
fassen, was nicht fassbar ist". Die persönliche Courage der
Superintendentin sprach der Leiter des Integrationshauses des
Diakonie Flüchtlingsdienstess, Roland Felbinger, an. Die
"Widerständigkeit" der Superintendentin habe sich auch gezeigt, als
sie im letzten Jahr einem Flüchtling Kirchenasyl gewährte. Dabei sei
es ihr immer gelungen, das Engagement "aufrichtig zu leben und dabei
dem Menschen gerecht zu werden". "Die Zeit war gekommen, dass Frauen
diese Ämter übernehmen", meinte Superintendentialkurator Eckart
Fussenegger, der in dieser Funktion das weltliche Pendant zur
Superintendentin bildet. Müller habe dieses Amt "gut und überzeugend"
geführt und dabei auch die Balance zwischen Beruf und Familie
bewahrt.
"Ich wollte Berufung leben mit allen Konsequenzen und umsetzen, was
ich vom Evangelium verstanden habe", erinnerte sich Müller. Damit
habe sie sich und ihre Familie immer wieder überfordert, aber iihre
Familie und viele Menschen in der Kirche seien ihr immer zur Seite
gestanden. "Wenn wir wollen, dass das Evangelium leuchtet, dann
solten wir alles in die Waagschale werden, im Tun und im Gebet",
sagte Müller abschließend.
Am Freitag, 29. Juni, um 17 Uhr wird Superintendentin Müller dann in
einem Festgottesdienst in der Christuskirche am Martin-Luther-Platz
in Innsbruck durch Bischof Michael Bünker von ihren Leitungsaufgaben
an der Spitze der evangelischen Diözese entpflichtet. Im Anschluss an
den Gottesdienst verabschieden sich die evangelischen Pfarrgemeinden
Tirols offiziell von ihrer Superintendentin. Ihr Nachfolger an der
Spitze der Diözese wurde bereits im November des Vorjahres gewählt:
Der burgenländische Pfarrer Olivier Dantine übernimmt am 1. September
das Amt von Müller.
Rückfragehinweis:
epdÖ
Dr. Thomas Dasek
Tel.: (01) 712 54 61 DW 12
mailto:[email protected]
http://www.evang.at
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | EPD






