WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Boltz hat gute Vorarbeit geleistet - von Martin Fellhuber

Stellt sich nur eine Frage: Für wen eigentlich?

Wien (OTS) - E-Control-Chef Walter Boltz hat sich in den
vergangenen Jahren den Ruf erworben, Diplomat genug zu sein, um seine Worte in die Waagschale zu legen. Umso überraschender ist sein jüngster Vorstoß, der Strompreis werde um 25 Prozent steigen; wobei diese Aussage zwar etwas unscharf, aber für den Verbraucher treffend formuliert ist. Denn nicht nur Strompreis, sondern Strompreis und Netzentgelt werden in Summe um ein Viertel steigen.

Bei den Versorgern ist man etwas verwundert ob dieser Aussage und bestaunt den boltzschen Weitblick. Klar ist, dass die erhöhten Einspeisetarife für Ökostromanlagen letztlich der Stromkunde zu tragen hat. Steigt der Anteil der erneuerbaren Energie, wird auch mehr unter dem Titel "Ökostrom" ausgeschüttet. Dass Photovoltaik mit bis zu 38 Cent je kWh subventioniert wird, ist wohl etwas zu gut gemeint. Offensichtlich sind wir hier vom Marktpreis noch weit entfernt. Für die Windkraft hingegen wurden die Einspeisetarife auf 9,70 Cent hinaufgesetzt. Anscheinend soll diese Form der Energiegewinnung forciert werden - und sie ist bereits relativ nahe am Marktpreis angesiedelt.

Kommen wir zu den Netzen: Jeder Windpark, jede Photovoltaikanlage muss ans Netz angeschlossen werden. Die Kosten werden meist dem Anlagenbetreiber in Rechnung gestellt. Hinzu kommt, dass die Versorger für Ausgleichsenergie sorgen müssen, mit kleineren Gaskraftwerken etwa, die rasch gestartet werden können - zugleich sollten sie im Betrieb aber schon rentabel sein.
Schließlich wollen die Stromkunden das EM-Endspiel auch dann sehen, wenn gerade Flaute herrscht. An einem sonnigen, leicht windigen Tag haben wir Stromüberschuss, der über ein weitaus leistungsfähigeres Netz, als wir es derzeit haben, abtransportiert oder zum Beispiel in Pumpspeicherkraftwerken gespeichert werden muss. Das Genehmigungsverfahren für eine Hochspannungsleitung kann unter Brüdern schon einmal acht Jahre dauern, dann kommen noch die Errichtungskosten hinzu. Und Pumpspeicherkraftwerke sind auch nicht gerade billig.

Also hat Boltz doch recht: Es kommen auf Stromkunden - so oder so -deutliche Mehrkosten zu. Fakt ist, dass die Folgekosten der Energiewende derzeit nicht abschätzbar sind. Aber Boltz hat auch nicht erklärt, bis wann die Preise um ein Viertel steigen werden. Dennoch hat er wichtige Vorarbeit geleistet: Sollten die Mehrbelastungen für Stromkunden vorerst geringer ausfallen, gibt es sicher eine Lösung. So wie 2007, als sich der Ölpreis beruhigte - und flugs die Mineralölsteuer erhöht wurde.

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