- 26.06.2012, 18:15:31
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Boltz hat gute Vorarbeit geleistet - von Martin Fellhuber
Stellt sich nur eine Frage: Für wen eigentlich?
Wien (OTS) - E-Control-Chef Walter Boltz hat sich in den
vergangenen Jahren den Ruf erworben, Diplomat genug zu sein, um seine
Worte in die Waagschale zu legen. Umso überraschender ist sein
jüngster Vorstoß, der Strompreis werde um 25 Prozent steigen; wobei
diese Aussage zwar etwas unscharf, aber für den Verbraucher treffend
formuliert ist. Denn nicht nur Strompreis, sondern Strompreis und
Netzentgelt werden in Summe um ein Viertel steigen.
Bei den Versorgern ist man etwas verwundert ob dieser Aussage und
bestaunt den boltzschen Weitblick. Klar ist, dass die erhöhten
Einspeisetarife für Ökostromanlagen letztlich der Stromkunde zu
tragen hat. Steigt der Anteil der erneuerbaren Energie, wird auch
mehr unter dem Titel "Ökostrom" ausgeschüttet. Dass Photovoltaik mit
bis zu 38 Cent je kWh subventioniert wird, ist wohl etwas zu gut
gemeint. Offensichtlich sind wir hier vom Marktpreis noch weit
entfernt. Für die Windkraft hingegen wurden die Einspeisetarife auf
9,70 Cent hinaufgesetzt. Anscheinend soll diese Form der
Energiegewinnung forciert werden - und sie ist bereits relativ nahe
am Marktpreis angesiedelt.
Kommen wir zu den Netzen: Jeder Windpark, jede Photovoltaikanlage
muss ans Netz angeschlossen werden. Die Kosten werden meist dem
Anlagenbetreiber in Rechnung gestellt. Hinzu kommt, dass die
Versorger für Ausgleichsenergie sorgen müssen, mit kleineren
Gaskraftwerken etwa, die rasch gestartet werden können - zugleich
sollten sie im Betrieb aber schon rentabel sein.
Schließlich wollen die Stromkunden das EM-Endspiel auch dann sehen,
wenn gerade Flaute herrscht. An einem sonnigen, leicht windigen Tag
haben wir Stromüberschuss, der über ein weitaus leistungsfähigeres
Netz, als wir es derzeit haben, abtransportiert oder zum Beispiel in
Pumpspeicherkraftwerken gespeichert werden muss. Das
Genehmigungsverfahren für eine Hochspannungsleitung kann unter
Brüdern schon einmal acht Jahre dauern, dann kommen noch die
Errichtungskosten hinzu. Und Pumpspeicherkraftwerke sind auch nicht
gerade billig.
Also hat Boltz doch recht: Es kommen auf Stromkunden - so oder so -
deutliche Mehrkosten zu. Fakt ist, dass die Folgekosten der
Energiewende derzeit nicht abschätzbar sind. Aber Boltz hat auch
nicht erklärt, bis wann die Preise um ein Viertel steigen werden.
Dennoch hat er wichtige Vorarbeit geleistet: Sollten die
Mehrbelastungen für Stromkunden vorerst geringer ausfallen, gibt es
sicher eine Lösung. So wie 2007, als sich der Ölpreis beruhigte - und
flugs die Mineralölsteuer erhöht wurde.
Rückfragehinweis:
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