- 25.06.2012, 11:52:25
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UN-Tag für Folterüberlebende: Therapie ist Integration
Funktionierendes soziales Netz, verständnisvolle Beziehungen und gesellschaftliche Anerkennung entscheidend für Bewältigung des Traumas
Wien (OTS) - "0hne Unterstützung und Begleitung für
Folterüberlebende kann es keine Integration in einem neuen Land
geben", weist die Diakonie anlässlich des morgigen UN-Tages zur
Unterstützung für Folterüberlebende auf die Bedeutung von "heilsamer
Hilfe und heilsamen Verhältnissen" hin: "Therapie ist Integration".
Martin Schenk, Stv. Direktor der Diakonie und selbst Psychologe,
beschreibt die fatalen Auswirkungen von Folter und Verfolgung. Die
Menschen haben ein Trauma erlebt, "einen Schlag gegen die Psyche, dem
man nichts entgegensetzen kann". Es bleibe eine Wunde mit den Folgen
sozialen Rückzugs, Ess- und Schlafstörungen, Suizidneigung,
Erinnerungsverlust. Die Überlebenden verlieren den Boden unter den
Füßen, den Stand in der Welt. Es ist nicht allein eine tiefe
Erschütterung, es ist vielmehr ein völliges Wegbrechen. Es ist das
Gefühl, verloren zu gehen, den Kontakt mit der umgebenden Welt zu
verlieren."
Schenk weist darauf hin, dass "Therapie nicht wieder gut machen
kann, was geschehen ist. Die Verwandten und Freunde, die unter
schrecklichen Umständen getötet wurden, bleiben tot," so Schenk.
Therapie kann aber begleiten auf dem Weg der Trauer, um all das
Verlorene und so zumindest den Blick auf die Zukunft im Exilland
Österreich eröffnen. Dazu braucht es auch eine Reduktion der
quälenden Existenzangst, Anerkennung von Qualifikationen und
Arbeitsmöglichkeiten. "Ein funktionierendes soziales Netz,
verständnisvolle Beziehungen und gesellschaftliche Anerkennung sind
entscheidend für die Bewältigung des Traumas und für die Integration
in eine neue Gesellschaft", betont Schenk.
Die politischen Rahmenbedingungen für Trauma-Therapie sind
nicht heilsam, sondern oft "heillos"
"Flüchtlinge bräuchten aus der Perspektive der Psychotherapie in
erster Linie Sicherheit und Schutz, sie bräuchten die Anerkennung und
Verurteilung der Gewalt, die ihnen zugefügt wurde, und drittens
bräuchten sie die Möglichkeit einer neuer Lebensperspektive, die
Gestaltungsmöglichkeiten und sinnvolle Tätigkeit wesentlich
einschließt," betont Verena Schlichtmeier, Leiterin von Ankyra in
Innsbruck. Stattdessen erleben Flüchtlinge in Österreich vielfach
wiederholt Unsicherheit, Abwehr und Ausgrenzung, die Unterstellung
der Lüge. Das geschieht, wenn sie einen negativen Asylbescheiden
erhalten, oder unter Lebensbedingungen leben müssen, die ihnen den
Zugang zu Arbeit verwehren und ihre Selbstbestimmungsmöglichkeiten
massiv beschränken. "Für unsere Arbeit in den
Psychotherapieeinrichtungen heißt das, dass wir unter
Rahmenbedingungen heilsam wirksam werden wollen, die nicht
heilungsfördernd sind, sondern - ich möchte sagen - heillos," so
Schlichtmeier.
Ankyra ist eine von zwei Psychotherapieeinrichtungen für Menschen
mit Fluchtgeschichten des Diakonie Flüchtlingsdienstes. Seit 8 Jahren
bieten wir in Tirol Frauen, Männern und Kindern, die nach Österreich
geflüchtet sind und unter den Folgen von Gewalt und Flucht leiden,
traumaspezifische, dolmetschunterstützte und kultursensible
Psychotherapie, medizinische und psychiatrische Beratung. 2011
nutzten 218 AsylwerberInnen und Flüchtlinge aus 33 Herkunftsländern
unsere Angebote.
Rückfragehinweis:
Dr.in Roberta Rastl-Kircher
Presse und Öffentlichkeitsarbeit
Diakonie Österreich
Tel.: 004314098001-14
mailto:[email protected]
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