- 24.06.2012, 08:00:47
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"trend": Erste-Bank-Chef Treichl schließt Europa ohne Euro nicht aus
Andreas Treichl fordert klare Richtungsentscheidung für Europa. Sein Sager über "zu blöde, zu feige Politiker" hatte für ihn die gewünschte Wirkung.
Wien (OTS) - Der Chef der Erste Group, Andreas Treichl, lässt in
einem Interview mit dem am Montag erscheinenden "trend" aufhorchen:
"Es kann ein gemeinsames Europa ohne den Euro geben." Der
Spitzenbanker meint, dass für das Friedensprojekt Europa wohl eine
gemeinsame Armee entscheidender sei als eine gemeinsame Währung. Von
der europäischen Politik fordert er, eine klare Richtungsentscheidung
zu treffen: "Es muss eine klare Entscheidung geben, in welche
Richtung Europa gehen wird", so Treichl im ausführlichen Gespräch mit
dem Wirtschaftsmagazin: "Im Endeffekt steht auf der einen Seite eine
demokratisch legitimierte europäische Regierung, auf der anderen
Seite eine Auflösung des Euro. Dass die Einführung des Euro in dieser
Form ein Fehler war, sollte man auch einmal offen sagen." Denn, so
Treichl, der seit 15 Jahren an der Spitze der Erste Bank steht:
"Derzeit ist völlig klar, dass die Länder, die nicht im Euro sind,
einen Vorteil gegenüber den Euro-Ländern haben. Eine solche Situation
darf es nicht mehr geben. Die Tschechen zahlen für ihre
Staatsanleihen etwa die Hälfte der benachbarten Slowakei, nur weil
sie nicht im Euro sind. Der Euro ohne freien Warenverkehr, ohne
freien Liquiditätsverkehr, ohne freien Kapitalverkehr macht keinen
Sinn - genau das passiert aber jetzt."
An den Banktöchtern seiner Gruppe in Ungarn und Rumänien, die
zuletzt von Abschreibungen betroffen waren, will er jedoch ebenso
wenig rütteln wie an der grundlegenden Strategie, führender
Finanzdienstleister zwischen Deutschland und Russland sein zu wollen.
Zu seiner umstrittenen Äußerung über "zu blöde, zu feige, zu
unverständige Politiker" meint Treichl, dass sie den gewünschten
Effekt gehabt habe: "Anscheinend hat es etwas bewirkt, denn im
letzten Jahr ist wirklich sehr viel passiert, um genau den
angesprochenen Fehler im Regelwerk von Basel III (zur Kreditvergabe
an KMUs, Anm.) auszumerzen." Treichl: "Vor eineinhalb Jahren hat sich
niemand für das Rückgrat unserer Wirtschaft interessiert. Danach sind
die Politiker aber ordentlich geschurlt."
Rückfragehinweis:
trend Redaktion, Tel.: (01) 534 70/3402
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