• 23.06.2012, 20:14:49
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Alle gegen eine" (Von Hubert Patterer)

Ausgabe vom 24.06.2012

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Graz (OTS/Vorausmeldung) - Es ist ziemlich übel, was Angela
Merkel, die zähe deutsche Kanzlerin, für ihre Grundsatztreue in der
Euro-Krise hinnehmen muss. Das perfideste Zerrbild zeichnete jetzt
das englische Magazin "New Statesman". Das Titelfoto zeigt Merkel in
schwarzer Lederjacke. Die linke Gesichtshälfte ist zugerichtet wie
das Antlitz des "Terminators". Merkel sei, heißt es geistesabwesend
im Text, die "gefährlichste Führerin seit Hitler", bedrohlicher als
der Präsident des Iran. Alle Vorgänger, von Adenauer bis Schröder,
hätten das Ansehen Deutschlands in der Welt gemehrt, unter Merkel
sehe sich das Land "isoliert, gehasst und gefürchtet".

Musterschüler waren selten Kandidaten für den Bambi-Preis, aber damit
lassen sich die absurden antideutschen Wallungen nicht erklären und
schon gar nicht rechtfertigen. Alle gegen eine, so lautet die Losung,
mit der Deutschland in die Enge getrieben wird. Das Pressing nimmt
Züge eines globalen Mobbings an. Es reicht von herablassenden
Belehrungen budgetärer Großsünder wie Obama über
Her-mit-dem-Geld-Rufen europäischer Pflegefälle bis zu jenen
Polemikern (auch heimischer Provenienz), die Merkels Festhalten am
europäischen Reform- und Sparkurs schmähen, indem sie ihre
dogmatische Strenge mit den 30er-Jahren und der NS-Diktatur in
Verbindung bringen. Als ob Spardisziplin an der Wiege der braunen
Barbarei gestanden wäre und nicht der Hass.

Die Wirtschaftsgroßmacht Deutschland soll handeln und führen, fordert
die Allianz der Merke-Kritiker. Soll heißen: Deutschland möge den
Geldhahn für weitere Milliarden-Bürgschaften aufdrehen, und zwar
rasch und bedingungslos.

Es ist gut, dass sich die bedrängte Regentin nicht beugen lässt.
Blinde Haftungen ohne Gegenleistung, ohne Kontrolle, ohne
Einflussnahme im Fall unsoliden Wirtschaftens begünstigt das
moralische Hasard der Abgesicherten. Das lehrt die Erfahrung. Es noch
einmal zu tun, hätte etwas Triebtäterhaftes und widerspräche den
EU-Verträgen. Merkel wird allein im Recht stehen gelassen.

Euro-Bonds, also vergemeinschaftetes Risiko, wären zum jetzigen
Zeitpunkt giftige Pralinen. Als Schutzwall taugen sie erst, wenn die
Schuldenbremsen installiert sind, die zentrale Supervision der
Haushalte Wirklichkeit ist und die Mentalität, die Folgen freien
Handelsn anderen zu übertragen, überwunden ist. Eine Gemeinschaft, in
die man sich ermattet fallen lässt und dann auf die Unterstützung
reicher Verwandter wartet, könne nicht glücken, schrieb gestern der
deutsche Rechtsgelehrte Udo Di Fabio in der FAZ. Österreich tut gut
daran, im eigenen Interesse an der Seite Angela Merkels zu stehen.
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Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung, Redaktionssekretariat, Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047, mailto:[email protected], http://www.kleinezeitung.at

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