"Kleine Zeitung" Kommentar: "Alle gegen eine" (Von Hubert Patterer)

Ausgabe vom 24.06.2012

Graz (OTS/Vorausmeldung) - =

Es ist ziemlich übel, was Angela
Merkel, die zähe deutsche Kanzlerin, für ihre Grundsatztreue in der Euro-Krise hinnehmen muss. Das perfideste Zerrbild zeichnete jetzt das englische Magazin "New Statesman". Das Titelfoto zeigt Merkel in schwarzer Lederjacke. Die linke Gesichtshälfte ist zugerichtet wie das Antlitz des "Terminators". Merkel sei, heißt es geistesabwesend im Text, die "gefährlichste Führerin seit Hitler", bedrohlicher als der Präsident des Iran. Alle Vorgänger, von Adenauer bis Schröder, hätten das Ansehen Deutschlands in der Welt gemehrt, unter Merkel sehe sich das Land "isoliert, gehasst und gefürchtet".

Musterschüler waren selten Kandidaten für den Bambi-Preis, aber damit lassen sich die absurden antideutschen Wallungen nicht erklären und schon gar nicht rechtfertigen. Alle gegen eine, so lautet die Losung, mit der Deutschland in die Enge getrieben wird. Das Pressing nimmt Züge eines globalen Mobbings an. Es reicht von herablassenden Belehrungen budgetärer Großsünder wie Obama über Her-mit-dem-Geld-Rufen europäischer Pflegefälle bis zu jenen Polemikern (auch heimischer Provenienz), die Merkels Festhalten am europäischen Reform- und Sparkurs schmähen, indem sie ihre dogmatische Strenge mit den 30er-Jahren und der NS-Diktatur in Verbindung bringen. Als ob Spardisziplin an der Wiege der braunen Barbarei gestanden wäre und nicht der Hass.

Die Wirtschaftsgroßmacht Deutschland soll handeln und führen, fordert die Allianz der Merke-Kritiker. Soll heißen: Deutschland möge den Geldhahn für weitere Milliarden-Bürgschaften aufdrehen, und zwar rasch und bedingungslos.

Es ist gut, dass sich die bedrängte Regentin nicht beugen lässt. Blinde Haftungen ohne Gegenleistung, ohne Kontrolle, ohne Einflussnahme im Fall unsoliden Wirtschaftens begünstigt das moralische Hasard der Abgesicherten. Das lehrt die Erfahrung. Es noch einmal zu tun, hätte etwas Triebtäterhaftes und widerspräche den EU-Verträgen. Merkel wird allein im Recht stehen gelassen.

Euro-Bonds, also vergemeinschaftetes Risiko, wären zum jetzigen Zeitpunkt giftige Pralinen. Als Schutzwall taugen sie erst, wenn die Schuldenbremsen installiert sind, die zentrale Supervision der Haushalte Wirklichkeit ist und die Mentalität, die Folgen freien Handelsn anderen zu übertragen, überwunden ist. Eine Gemeinschaft, in die man sich ermattet fallen lässt und dann auf die Unterstützung reicher Verwandter wartet, könne nicht glücken, schrieb gestern der deutsche Rechtsgelehrte Udo Di Fabio in der FAZ. Österreich tut gut daran, im eigenen Interesse an der Seite Angela Merkels zu stehen. ****

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