HAK des bfi Wien: Berufliche Chancen durch BKS?

Bosnisch/Kroatisch/Serbisch-Unterricht als wirtschafts- und gesellschaftspolitisches Zeichen

Wien (OTS) - Nach einem Jahr BKS-Unterricht als zweite lebende Fremdsprache lud die Handelsakademie des bfi Wien am 18.6.2012 zum BKS-Tag ein. Vertreter/innen des Stadtschulrats, der AK, der KMS-Kooperationsschulen, von HILL International und des Bundeselternverbands besuchten eine BKS-Unterrichtsstunde bei Mag. Sabine Pawischitz (aus burgenlandkroatischem Elternhaus, Studium der slawischen Philologie - Serbokroatisch und Russisch/ Uni Wien, Auslandssemester in Zagreb und Belgrad). Auch wenn es (noch) kein Lehrbuch gibt, läuft der Unterricht mit der gemischten Gruppe (18 BKS-Muttersprachler/innen und 11 andere) auf hohem Niveau.

Der Einführung von BKS seien kontroverse Diskussionen vorausgegangen, erklärte Mag. Franz-Josef Lackinger, Geschäftsführer des bfi Wien und Schulerhalter der kaufmännischen Schulen des bfi Wien. "Wir sind stolz darauf, BKS anzubieten. Wenn man sich mit der europäischen Wirtschaft beschäftigt, sieht man, dass sich der Osten als prominenter Platz entwickelt. Die Jungen erleben die Einbeziehung der CEE-Länder schon als Selbstverständlichkeit, sie kennen die Situation des "Eisernen Vorhangs" nicht. Wir sehen die andere Muttersprache als Asset und Chance und nicht als Problem", so Lackinger. BKS wird in allen drei Sprachvarianten unterrichtet, die Gemeinsamkeiten stehen im Vordergrund. "Dadurch hat unsere Schule eine Art Brückenfunktion zwischen den Kulturen und auch zu den KMS-Partnerschulen", ergänzte Mag. Fred Burda, Direktor der kaufm. Schulen des bfi Wien.

Die zweisprachige Präsentation der BKS-Schüler/innen brachte es auf den Punkt: "Wir haben Vorurteile abgebaut, neue Freunde gefunden, gegenseitig viel Neues über die Länder gelernt - über Kultur, Literatur oder Essen und natürlich die Sprachkenntnisse verbessert bzw. den Einstieg in die neue Sprache als zweite lebende Fremdsprache geschafft."

Wozu brauchen wir das Unterrichtsfach BKS?

Prof. Rudolf De Cillia (Institut für Sprachwissenschaft der Uni Wien) eröffnete die Diskussionsrunde mit dem Hinweis, dass die EU 1995 das Ziel vorgegeben hat, zwei Fremdsprachen zu lernen - aus ökonomischen, gesellschaftspolitischen und friedensstiftenden Gründen. Und er forderte, dass schon im Kindergarten die Zweisprachigkeit mehr gefördert werden sollte. "Die Wertschätzung der Muttersprache wirkt sich auf den gesamten Schulerfolg aus, stärkt die eigene Identität - das hat die pädagogische Forschung festgestellt," so De Cillia. Dr. Gordana Ilic-Markovic (Institut für Slawistik der Uni Wien) warnte vor der Gefahr der Sprachlosigkeit und dadurch auch Nicht-Teilhabe am gesellschaftlichen sowie wirtschaftlichen Leben, wenn (Mutter) Sprachen nicht weiterentwickelt werden. Als Sprachwissenschaftlerin verwies sie darauf, dass BKS nur die vorläufige Bezeichnung dieser gemeinsamen Sprache sei - "zunächst vom bm:ukk vorgegeben".

Andrea Hallal-Wögerer (Bezirksvorsteher-Stellvertreterin/SPÖ im 5. Bezirk) geht davon aus, "dass sich alle Margaretener als solche auch fühlen, gleichgültig woher sie kommen. Wir bieten Beratung in unterschiedlichen Sprachen an, fördern Sprachkurse wie 'Mama lernt Deutsch'. Die kaufmännischen Schulen des bfi Wien waren immer schon sehr aktiv, die Einführung von BKS spricht für sich und wird persönliche wie berufliche Vorteile bringen."

Das bestätigte auch Mag. Georg Krauchenberg (WKÖ, Außenwirtschaft-Donauraumstrategie): "Österreich ist wichtiger Partner in Osteuropa, über 1200 Unternehmen suchen Mitarbeiter/innen mit regionalen Sprachkenntnissen - neben der fundierten Fachausbildung. Wenn sich das Sprachniveau aber nur auf Smalltalk beschränkt, entgehen einem wichtige Informationen und Entwicklungen. Österreich ist Investor Nummer Eins - in unterschiedlichen Branchen wie Banken, Versicherungen, produzierende Unternehmen, Handel oder Beratungswesen. Und auch Deutschland wickelt z.T. die Geschäfte über Österreich ab."

Die Frage des Moderators Dr. Nedad Memic (Chefredakteur der Zeitschrift KOSMO), was sich die Schüler/innen nach der Matura beruflich vorstellen, beantworteten einige selbstbewußt mit Arzt/Ärztin, Polizist/in oder Dolmetscher/in.

Bis dahin gibt es noch einiges zu lernen - "und es soll auch Spaß machen", betonte Pawischitz im anschließenden Interview. "Ich will, dass meine Schüler und Schülerinnen am Ende ihrer Schullaufbahn selbstsicher und korrekt ihre Muttersprache bzw. die zweite lebende Fremdsprache anwenden können. Die Schüler/innen sind interessiert an Neuem und begeistern sich für das Fach. Wir haben eine neue Partnerschule in Pula/Kroatien gefunden. Mit dem ersten Jahr bin ich sehr zufrieden. Auch die Nichtmuttersprachler/innen haben das Lernziel des ersten Jahres erreicht, obwohl wir kein Lehrbuch hatten. Es gibt keine Rivalitäten unter Nichtmuttersprachler/innen und Muttersprachler/innen, die von sich aus beschlossen haben, Zeitungen und Literatur auf Bosnisch/Kroatisch/Serbisch zu lesen. Unser Ziel ist Chancengleichheit - weg von der Geheimsprache bzw. Familiensprache zur anerkannten Fremdsprache, hinter der eben so viel Geschichte, Kultur und Literatur steckt, wie hinter anderen Fremdsprachen", weiß Pawischitz.

Für das kommende Schuljahr gibt es noch Plätze an der Handelsakademie bzw. für BKS als zweite lebende Fremdsprache bis zur Matura. Neben Englisch inkludiert die BKS-Ausbildung die wirtschaftliche Fachsprache, die Auseinandersetzung mit dem osteuropäischen Wirtschafts- und Kulturraum und die Möglichkeit eines wirtschaftlichen Praktikums in Osteuropa während der Ferien. www.schulenbfi.at

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