• 21.06.2012, 14:36:05
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HAK des bfi Wien: Berufliche Chancen durch BKS?

Bosnisch/Kroatisch/Serbisch-Unterricht als wirtschafts- und gesellschaftspolitisches Zeichen

Wien (OTS) - Nach einem Jahr BKS-Unterricht als zweite lebende
Fremdsprache lud die Handelsakademie des bfi Wien am 18.6.2012 zum
BKS-Tag ein. Vertreter/innen des Stadtschulrats, der AK, der
KMS-Kooperationsschulen, von HILL International und des
Bundeselternverbands besuchten eine BKS-Unterrichtsstunde bei Mag.
Sabine Pawischitz (aus burgenlandkroatischem Elternhaus, Studium der
slawischen Philologie - Serbokroatisch und Russisch/ Uni Wien,
Auslandssemester in Zagreb und Belgrad). Auch wenn es (noch) kein
Lehrbuch gibt, läuft der Unterricht mit der gemischten Gruppe (18
BKS-Muttersprachler/innen und 11 andere) auf hohem Niveau.

Der Einführung von BKS seien kontroverse Diskussionen
vorausgegangen, erklärte Mag. Franz-Josef Lackinger, Geschäftsführer
des bfi Wien und Schulerhalter der kaufmännischen Schulen des bfi
Wien. "Wir sind stolz darauf, BKS anzubieten. Wenn man sich mit der
europäischen Wirtschaft beschäftigt, sieht man, dass sich der Osten
als prominenter Platz entwickelt. Die Jungen erleben die Einbeziehung
der CEE-Länder schon als Selbstverständlichkeit, sie kennen die
Situation des "Eisernen Vorhangs" nicht. Wir sehen die andere
Muttersprache als Asset und Chance und nicht als Problem", so
Lackinger. BKS wird in allen drei Sprachvarianten unterrichtet, die
Gemeinsamkeiten stehen im Vordergrund. "Dadurch hat unsere Schule
eine Art Brückenfunktion zwischen den Kulturen und auch zu den
KMS-Partnerschulen", ergänzte Mag. Fred Burda, Direktor der kaufm.
Schulen des bfi Wien.

Die zweisprachige Präsentation der BKS-Schüler/innen brachte es
auf den Punkt: "Wir haben Vorurteile abgebaut, neue Freunde gefunden,
gegenseitig viel Neues über die Länder gelernt - über Kultur,
Literatur oder Essen und natürlich die Sprachkenntnisse verbessert
bzw. den Einstieg in die neue Sprache als zweite lebende Fremdsprache
geschafft."

Wozu brauchen wir das Unterrichtsfach BKS?

Prof. Rudolf De Cillia (Institut für Sprachwissenschaft der Uni
Wien) eröffnete die Diskussionsrunde mit dem Hinweis, dass die EU
1995 das Ziel vorgegeben hat, zwei Fremdsprachen zu lernen - aus
ökonomischen, gesellschaftspolitischen und friedensstiftenden
Gründen. Und er forderte, dass schon im Kindergarten die
Zweisprachigkeit mehr gefördert werden sollte. "Die Wertschätzung der
Muttersprache wirkt sich auf den gesamten Schulerfolg aus, stärkt die
eigene Identität - das hat die pädagogische Forschung festgestellt,"
so De Cillia. Dr. Gordana Ilic-Markovic (Institut für Slawistik der
Uni Wien) warnte vor der Gefahr der Sprachlosigkeit und dadurch auch
Nicht-Teilhabe am gesellschaftlichen sowie wirtschaftlichen Leben,
wenn (Mutter) Sprachen nicht weiterentwickelt werden. Als
Sprachwissenschaftlerin verwies sie darauf, dass BKS nur die
vorläufige Bezeichnung dieser gemeinsamen Sprache sei - "zunächst vom
bm:ukk vorgegeben".

Andrea Hallal-Wögerer (Bezirksvorsteher-Stellvertreterin/SPÖ im 5.
Bezirk) geht davon aus, "dass sich alle Margaretener als solche auch
fühlen, gleichgültig woher sie kommen. Wir bieten Beratung in
unterschiedlichen Sprachen an, fördern Sprachkurse wie 'Mama lernt
Deutsch'. Die kaufmännischen Schulen des bfi Wien waren immer schon
sehr aktiv, die Einführung von BKS spricht für sich und wird
persönliche wie berufliche Vorteile bringen."

Das bestätigte auch Mag. Georg Krauchenberg (WKÖ,
Außenwirtschaft-Donauraumstrategie): "Österreich ist wichtiger
Partner in Osteuropa, über 1200 Unternehmen suchen Mitarbeiter/innen
mit regionalen Sprachkenntnissen - neben der fundierten
Fachausbildung. Wenn sich das Sprachniveau aber nur auf Smalltalk
beschränkt, entgehen einem wichtige Informationen und Entwicklungen.
Österreich ist Investor Nummer Eins - in unterschiedlichen Branchen
wie Banken, Versicherungen, produzierende Unternehmen, Handel oder
Beratungswesen. Und auch Deutschland wickelt z.T. die Geschäfte über
Österreich ab."

Die Frage des Moderators Dr. Nedad Memic (Chefredakteur der
Zeitschrift KOSMO), was sich die Schüler/innen nach der Matura
beruflich vorstellen, beantworteten einige selbstbewußt mit
Arzt/Ärztin, Polizist/in oder Dolmetscher/in.

Bis dahin gibt es noch einiges zu lernen - "und es soll auch Spaß
machen", betonte Pawischitz im anschließenden Interview. "Ich will,
dass meine Schüler und Schülerinnen am Ende ihrer Schullaufbahn
selbstsicher und korrekt ihre Muttersprache bzw. die zweite lebende
Fremdsprache anwenden können. Die Schüler/innen sind interessiert an
Neuem und begeistern sich für das Fach. Wir haben eine neue
Partnerschule in Pula/Kroatien gefunden. Mit dem ersten Jahr bin ich
sehr zufrieden. Auch die Nichtmuttersprachler/innen haben das
Lernziel des ersten Jahres erreicht, obwohl wir kein Lehrbuch hatten.
Es gibt keine Rivalitäten unter Nichtmuttersprachler/innen und
Muttersprachler/innen, die von sich aus beschlossen haben, Zeitungen
und Literatur auf Bosnisch/Kroatisch/Serbisch zu lesen. Unser Ziel
ist Chancengleichheit - weg von der Geheimsprache bzw.
Familiensprache zur anerkannten Fremdsprache, hinter der eben so viel
Geschichte, Kultur und Literatur steckt, wie hinter anderen
Fremdsprachen", weiß Pawischitz.

Für das kommende Schuljahr gibt es noch Plätze an der
Handelsakademie bzw. für BKS als zweite lebende Fremdsprache bis zur
Matura. Neben Englisch inkludiert die BKS-Ausbildung die
wirtschaftliche Fachsprache, die Auseinandersetzung mit dem
osteuropäischen Wirtschafts- und Kulturraum und die Möglichkeit eines
wirtschaftlichen Praktikums in Osteuropa während der Ferien.
www.schulenbfi.at

Rückfragehinweis:
Mag. Gabriele Masuch, bfi Wien,
1034, Alfred-Dallinger-Platz 1,
mailto:[email protected],
Tel.:01/81178/10385, www.bfi-wien.at

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