50. Grabstein von Wiens ältestem jüdischen Friedhof restauriert

Mailath: Wien pflegt bewussten Umgang mit seiner Vergangenheit

Wien (OTS) - "Der Jüdische Friedhof Seegasse ist ein kulturhistorisches Juwel der Stadt. Seit Jahren wird an seinem Erhalt gearbeitet - kürzlich wurde der 50. Grabstein restauriert. Sie werden bald an ihren ursprünglichen Bestimmungsort zurückgebracht. Ein Ort, der wichtige Kapitel der Stadt im Zeitraffer erzählt.", so Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny zur laufenden Restaurierung des Friedhofs Seegasse.

Die Arbeiten werden auch in Hinkunft fortgesetzt: "Erst vor zwei Tagen wurde im Beirat des Wiener Altstadterhaltungsfonds die Restaurierung von weiteren 24 Grabsteinen des Friedhofs Seegasse für das laufende Jahr beschlossen. In den letzten Jahren hat die Stadt viel unternommen, um Wiens ältesten jüdischen Friedhof zu erhalten. Mit der Restaurierung des Friedhofs St. Marx und der Sanierung von 43 jüdischen Ehrengräbern am Zentralfriedhof ist dies ein weiteres Mosaik im Gesamtbild der umfassenden Wiener Erinnerungskultur", so Mailath.

"Gemeinsam mit der Stadt Wien ist es gelungen, an zahlreichen Grabsteinen mustergültige Restaurierungen durchzuführen und damit den Fortbestand dieser herausragenden Zeugnisse jüdischer Kultur für künftige Generationen zu sichern. Den, teils aus Marmor gefertigten Grabsteinen aus dem 16., 17. und 18. Jahrhundert kommt auch eine künstlerische Bedeutung zu", so Friedrich Dahm, Wiener Landeskonservator des Bundesdenkmalamts über die Ruhestätte.

"Nach Planverortung und Objektaufnahme 2005, begann 2008 die Restaurierung der Wandnischenobjekte. Bezüglich des Gräberfeldes, sind nun die ersten 50 freistehenden Grabsteine fertig restauriert und können dank Digitalisierung und eines alten Lageplans aus 1917 wieder an ihre ursprünglichen Standplätze gesetzt werden", so Heinz Stöffler von der ARGE Projektplanung.

Eine bewegte Geschichte

Der aus dem Jahr 1670 stammende und noch immer gültige Vertrag über die "Unantastbarkeit für alle Zeiten" des Friedhofes, wurde unter Bürgermeister Leopold Gratz 1978 neu festgeschrieben.

Das von einer Mauer umschlossene Friedhofsareal (ca. 2000 m2) befindet sich heute im Innenhof des Seniorenwohnheims Rossau, in der Seegasse 9 am Alsergrund. Insgesamt handelt es sich um 349 erhaltene Grabdenkmäler, von denen 108 (teilweise nur fragmentarisch vorhanden) an der Mauer befestigt sind.

Während der NS-Zeit musste der gesamte Gräber-Bestand entfernt werden. Es verblieben lediglich ca. 100 in den Nischen vermauerte Grabsteine und Fragmente. Über 200 Grabsteine wurden dann von der jüdischen Gemeinde in den 1940er Jahren am Zentralfriedhof versteckt.

Diese wurden erst 1984 wieder rückgeführt und bilden den heutigen Bestand des Gräberfeldes. Vor Beginn der Arbeiten fand 2004 eine umfassende Grundlagenforschung und Bestandsaufnahme statt, die zur Erstellung des Maßnahmenkatalogs führte. 2006 wurden Notsicherungen durchgeführt und statisch instablie Grabsteine fachgerecht gelagert. Die Restaurierung der Grabsteinfragmente in der Friedhofsmauer begann 2008, die Sanierung der Grabsteine samt Fundamentierung läuft seit 2010.

Zahlreiche prominente Vertreter der Wiener Gemeinde, wie etwa die Rabbiner Menachem Hendel (1611) und Simeon Auerbach (1631), Kaufmann Jakob Koppel Fränkel (1670), Bankier Samuel Oppenheimer (1703) oder Diego de Aguilar und Samson Wertheimer (beide im Staatsdienst), fanden hier ihre letzte Ruhestätte.

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