GSV-Forum: Weiterhin mehrheitliche Ablehnung überlanger Lkw-Züge auf Österreichs Straßen

Speditionen sehen Vorteile für Standort und Umwelt

Wien (OTS) - Ein Brief von EU Verkehrskommissar Siim Kallas an den Verkehrsausschuss des Europäischen Parlaments sorgt auch in Österreich für helle Aufregung und hat die Diskussion um die Zulassung des Gigaliners (ein bis zu 60 Tonnen und bis zu 25,5 Meter langer Lkw-Zug) neu entfacht.

Bei einem hochkarätig besetzten GSV-Forum zu diesem Thema gab es heute sowohl von den Befürwortern als auch von den Gegnern eine Reihe neuer Erkenntnisse.

Der Präsident der Spediteure und Logistiker, Harald Bollmann wandte sich vor allem gegen die Polemik, mit der die Diskussion geführt werde: "Es geht nicht primär ums Gewicht, sondern um die Größe der Ladefläche, weil diese für eine schnelle Be- und Endladung eine entscheidende Rolle spielt." Bollmann schätzt den Bedarf an überlangen Lkw in Österreich auf maximal 150 Stück.
Ablehnend äußerte sich der Vertreter des Güterbeförderungsgewerbes, Wolfgang Herzer: "Wir sind sowohl aus wirtschaftlichen als auch aus sicherheitstechnischen Gründen gegen die Einführung der Straßengiganten. Am Ende des Tages wird mehr für das gleiche Geld transportiert". Herzer glaubt zwar, dass der Gigaliner langfristig nicht zu verhindern sein wird, verlangt aber für diesen Fall eine einheitliche europäische Lösung.

Wenig überraschend lehnte auch der Vertreter der Bahn, Andreas Fuchs, Geschäftsführer der Rail Cargo Austria, die Zulassung von Gigalinern ab: "Eine europaweite Zulassung des Gigaliners hätte weitreichende Rückverlagerungen von Schienengüterverkehren auf die Straße zur Folge." Auf mittlere Sicht könnte das auch das Aus für die beschlossenen europäischen Bahnkorridore bedeuten.

Der Vertreter des ÖAMTC, Markus Schneider, führte gegen den Gigaliner vor allem Sicherheitsbedenken an: "Auf Lkw-Unfälle entfallen jetzt schon 13 % der Getöteten, obwohl ihr Anteil nur 4 % an den Unfällen beträgt." Weder Rückhaltesysteme (Leitschienen, etc.) noch Pannenbuchten in Tunnels seien für überlange Lkw ausgelegt.

Eine vehemente Ablehnung gab es auch vom Geschäftsführer der Asfinag Alpenstraßen AG, Klaus Fink: "Neben sicherheitstechnischen Aspekten sind auch enorme finanzielle Aufwendungen in der Höhe von 5,4 Milliarden Euro erforderlich, um die Straßeninfrastruktur auf die erhöhten Anforderungen anzupassen." Er räumte allerdings ein, dass bei einer Gewichtsbeschränkung von 44 Tonnen der zusätzliche Aufwand geringer wäre.

VOLVO, vertreten durch Herbert Spiegel, Geschäftsführer von Volvo Trucks Österreich verwies auf die Hand in Hand gehende Entwicklung von Wohlstand und Transportleistung. "Zur Bewältigung des wachsenden Transportaufkommens - sowohl wirtschaftlich als auch ökologisch - ist das European Modular System (EMS) ein Lösungsansatz, den wir unterstützen." Das heißt nicht zwingend schwerere Fahrzeuge. Viele Güter sind volumenintensiv. Die Fahrzeuggröße ist nach Straßenklasse zu wählen.

GSV-Generalsekretär Mario Rohracher hält zusammenfassend fest, dass, wie bei allen Verkehrsthemen, auch beim Thema Gigaliner eine differenzierte Betrachtungsweise erforderlich ist. Letztlich geht es darum, eine europaweite Lösung zu finden, die den Kundenbedarf, die Wirtschaftlichkeit sowie Umwelterfordernisse optimal vereint.
Die Österreichische Gesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (GSV) ist eine Plattform aller Verkehrsträger - Straße, Schiene, Wasserstraßen, Luftfahrt - und setzt sich für die Sicherung und Qualität einer nachhaltigen intermodalen Verkehrsinfrastruktur ein.

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