- 20.06.2012, 10:30:44
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Mitterlehner: "Begabungen von Kindern frühzeitig fördern und Stärken stärken"
Wirtschafts- und Familienminister bei Diskussion zum Thema "Warum Durchschnitt keine Zukunft hat": Frühkindliche Betreuung weiter forcieren - Potenziale optimal nützen

Wien (OTS/BMWFJ) - Auf Initiative von Wirtschafts- und
Familienminister Reinhold Mitterlehner diskutierte am Dienstagabend
eine hochkarätige Expertenrunde in der Hofburg zum Thema "Warum
Durchschnitt keine Zukunft hat". "Unser Ziel muss es sein, Begabungen
frühzeitig zu fördern und Stärken zu stärken. Denn so wie wir mit
unseren Talenten umgehen, so wertvoll ist unsere Gesellschaft
insgesamt", sagte Mitterlehner in seiner Eröffnungsrede. "Es ist kein
Zufall, dass wir gerade in Zeiten der Wirtschaftskrise besonders
darüber nachdenken, wie denn unsere Zukunftsfähigkeit ausschaut.
Wirtschaft und Gesellschaft sind darauf angewiesen, dass es gut
ausgebildete junge Menschen gibt, die eingefahrene Wege verlassen und
neue Schwerpunkte setzen. Innovationen sind in unserer globalisierten
Welt wichtiger denn je", so Mitterlehner. Umso wichtiger sei es, die
bildungs- und familienpolitischen Rahmenbedingungen laufend zu
überprüfen. "Wir dürfen uns mit Durchschnitt nicht zufrieden geben.
Es geht dabei aber nicht um einen rein elitären Anspruch, sondern um
das optimale Ausschöpfen der Potenziale aller Kinder."
Neben der Weiterentwicklung des Bildungssystems nannte Mitterlehner
vor allem die Elternbildungsangebote sowie den quantitativen und
qualitativen Ausbau bei der Kinderbetreuung als wichtige Maßnahmen.
"Durch eine gute frühkindliche Betreuung und Förderung erhöhen sich
die individuellen Bildungschancen", sagte Mitterlehner unter Verweis
auf eine Studie der Bertelsmann-Stiftung. "Daher braucht es neben dem
Forcieren von Qualitätsstandards in Kinderbetreuungseinrichtungen
auch ein Scharnier für den Übergang vom Kindergarten in die Schule.
Kindergartenpädagogen sollten die Lehrer verstärkt über die
besonderen Begabungen der Kinder informieren können", so
Mitterlehner.
Nach der Eröffnung durch Mitterlehner hielt der Genetiker Markus
Hengstschläger ein Impulsreferat zu seinem Erfolgsbuch "Die
Durchschnittsfalle". Demnach ist Durchschnitt ungerecht, weil er
keinem Individuum wirklich entspricht. "Durchschnitt ist die größte
Gefahr für eine erfolgreiche Zukunft, weil er keine Spitzenleistungen
zulässt. Vielmehr sind Individualität und Flexibilität der Schlüssel
zum Erfolg", sagte Hengstschläger. "Das Beste was wir haben, ist die
nächste Generation", so Hengstschläger. Anschließend diskutierte der
Genetiker darüber mit dem Jugendforscher Philipp Ikrath, der
Psychologin Ulla Konrad, dem Sportmanager Ronnie Leitgeb, der
Unternehmerin Waltraud Schinko-Neuroth sowie dem Mathematiker Rudolf
Taschner.
Markus Hengstschläger: "Es gibt keinen Durchschnitt -
Individualität und Flexibilität verhindern die Angst vor der Zukunft"
"Der Durchschnitt geht mir deshalb so gegen den Strich, weil er für
Gleichmacherei verwendet wird", sagte Hengstschläger. Die Menschen
seien aber seit je her Individuen mit unterschiedlichen Fähigkeiten
und einem persönlichen Rüstzeug. Daher könne man aber auch nicht von
"Eliten" sprechen, so Hengstschläger: "Es gibt so viele Eliten wie es
Menschen gibt. Und wenn jeder verschieden ist, ist keiner anders."
Gerade in dieser Individualität liege aber die Chance, die
unvorhersehbaren Herausforderungen der Zukunft zu meistern. "Wir
müssen jetzt in diesem Land die Voraussetzungen dafür schaffen, dass
jeder seinen Beitrag leisten kann, aber auch versteht, dass es eine
unglaubliche Verschwendung wäre, all die Arbeit nur für etwas
aufzuwenden, das es schon gibt. Wir müssen unsere Arbeit vielmehr in
etwas umsetzen, was innovativ ist", setzte Hengstschläger fort.
"Jedes Kind hat ein Talent, und es ist unser Job, den Besten, die wir
haben, die Chance zu geben, dieses umzusetzen", sagte Hengstschläger.
Nur so könne aus Millionen von Fäden ein starkes Seil gedröselt
werden, "das nicht reißen wird, wenn wir unseren Karren in die
Zukunft ziehen". Abschließend betonte Hengstschläger: "Es gibt etwas,
was wir in diesem Land wirklich wieder brauchen, um sich den Fragen
der Zukunft zu stellen, und das ist eine ordentliche Portion Mut."
Phillip Ikrath: "Zum Durchschnitt bekennt sich niemand mehr"
Der Jugendforscher Phillip Ikrath brachte aus seinen
Forschungsarbeiten die Beobachtung in die Podiumsdiskussion ein, dass
in den jugendlichen "Lebenswelten" der Begriff "Durchschnitt" fast
schon zu einem Schimpfwort geworden sei, zu dem sich niemand bekennen
wolle. "In ästhetischen Präferenzen und in der Selbstdarstellung will
niemand durchschnittlich sein", so Ikrath. Anders sei es auf der
Werteebene: Die Jugendlichen fühlen sich in einer unübersichtlich
gewordenen Welt zunehmend auf sich alleine gestellt. Daher würden
wieder die "eher langweiligen grauen Durchschnittsdinge" wie die
Sicherheit im Beruf und auch im Privatleben ins Zentrum gestellt.
Selbstverwirklichung um jeden Preis genieße kein sehr hohes Ansehen
mehr.
Ulla Konrad: "Wir brauchen den Durchschnitt"
Die Psychologin Ulla Konrad sieht den Begriff des Durchschnitts nicht
so negativ konnotiert wie Markus Hengstschläger. Die Wissenschaft
brauche den Durchschnitt zur Orientierung, und auch sonst setzte
Konrad zum Widerspruch an: Man könne ein Talent und eine Begabung
durchaus beschreiben, das sei eine der Aufgaben für die Psychologie.
"Natürlich ist der einzelne Patient als Individuum zu betrachten und
ist das Individuum wichtig, aber die ganz andere zentrale Seite ist
die Tatsache, dass wir auch soziale Wesen sind. Wir brauchen den
Rückhalt in der Gruppe und ein Netzwerk", sagte Konrad.
Ronnie Leitgeb: "Talent ist mir ein suspekter Begriff"
Der erfolgreiche Sportmanager Ronnie Leitgeb sieht aufgrund der
Erfahrungen in seiner Laufbahn den Begriff "Talent" als suspekt an.
Er verwies in der Debatte auf den Weg von Thomas Muster zur
Tennis-Weltspitze, obwohl diesem in der Frühzeit wenig Talent
zuerkannt wurde. "Talent" könne nur äußerst subjektiv definiert
werden. "Das Meisterstück kam dann nach dem Autounfall 1989 in Miami,
wo alle mit Hinweis auf das beschädigte Knie, das Alter und die
eingeschränkte Bewegungsfreiheit weitere Karriereschritte verneinten,
dann aber Thomas Muster zum besten Thomas Muster aller Zeiten
geworden ist", merkte Leitgeb an. In weiterer Folge machte sich
Leitgeb in der Diskussion für eine tägliche Bewegungseinheit an
Schulen stark, weil es hier Defizite gebe.
Waltraud Schinko-Neuroth: "Begeisterung ist das Wichtigste für
junge Menschen"
Die Unternehmerin Waltraud Schinko-Neuroth sieht in der
Begeisterungsfähigkeit eines der wichtigsten Elemente, das man jungen
Menschen einpflanzen müsse: "Begeisterung ist etwas, was uns über
Berge versetzt, wo wir Kräfte entwickeln können und wohl auch
Talente, die uns das Schöne im Leben geben können." Wichtig sei die
Kontaktaufnahme mit und das Sprechen mit den Kindern. Vielfach sei
das nicht mehr vorhanden, und dort könne die Seele des Kindes, dessen
Wünsche und Empfindungen nicht mehr ausreichend wahrgenommen werden.
Rudolf Taschner: "Durchschnitt gibt uns Sicherheiten"
Der renommierte Mathematiker Rudolf Taschner hielt in der Diskussion
ein Plädoyer für den Durchschnitt: "Durchschnitt gibt uns gewisse
Sicherheiten, und das ist schon sehr wichtig." Der
Durchschnittsmensch könne sich in der Menge verstecken und werde
nicht mehr erkannt. Nicht der Durchschnitt sei abzulehnen, sondern
die Uniformisierung. "Wenn wir nichts anderes sind als uniform,
verlieren wir das, worauf es ankommt, nämlich Individualität." Bei
dieser könne es gar keinen Durchschnitt geben, weil sie gar nicht
messbar sei. Dieses Nicht-Messbare ist für Taschner das
Entscheidende, nur das werde den Erfolg bringen. "Wo Durchschnitt
vorkommt, ist es gut, aber es muss auch Platz geben, wo Durchschnitt
nicht vorkommt", schloss Taschner seinen Diskussionsbeitrag.
Bild(er) zu dieser Aussendung finden Sie im AOM / Originalbild-Service
sowie im OTS-Bildarchiv unter http://bild.ots.at
Rückfragehinweis:
Bundesministerium für Wirtschaft, Familie und Jugend Pressesprecher des Bundesministers: Mag. Waltraud Kaserer Tel.: +43 (01) 71100-5108 / Mobil: +43 664 813 18 34 mailto:[email protected] www.bmwfj.gv.at Mag. Volker Hollenstein Tel.: +43 (01) 71100-5193 / Mobil: +43 664 501 31 58 [email protected]
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