- 14.06.2012, 18:15:30
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Die EU macht weiter wie der liebe Augustin - von Wolfgang Tucek
Besser länger für die Griechen zahlen als ein Ende des Euro
Wien (OTS) - Manchmal macht die EU den Eindruck der legendären
Wiener Figur des lieben Augustin: Obwohl seine Stadt von der Pest
gebeutelt wurde, zog er unbeirrt von Beisl zu Beisl, um sich mit
seinem Dudelsack das Geld für das nächste Getränk zu verdienen.
Anders wird es trotz aller Drohgebärden auch der EU nach den Wahlen
in Griechenland nicht ergehen. Denn egal, wer in Athen gewinnt - die
Troika aus EU-Kommission, EZB und IWF wird die Spar- und
Reformauflagen eher nachverhandeln, als den Griechen die Rote Karte
zu zeigen. Denn nach wie vor ist die Angst vor dem Euroaustritt der
Griechen und den unabsehbaren finanziellen, sozialen und politischen
Folgen inklusive eines möglichen Zerbrechens der Eurozone zu groß.
Schon wenn sich erneut eine Regierungsunfähigkeit im schwächsten
Euroland abzeichnet, fürchten EU-Strategen womöglich bereits kommende
Woche einen massiven Bankenrun, der sich zu Unruhen ausweiten und auf
andere südliche Peripherieländer ausbreiten könnte. Der aufkeimende
Run wäre zwar wahrscheinlich mit ein, zwei kurzfristig angesetzten
Bankfeiertagen und einer massiven EZB-Notgeldspritze bewältigbar.
Doch in der EU will sicher niemand dafür oder für noch Schlimmeres
verantwortlich sein.
Tatsächlich scheinen der konservative Nea-Dimokratia-Chef Antonis
Samaras und sein radikal linkspopulistischer Konkurrent Alexis
Tsipras von Syriza ähnlich schwierige Verhandlungspartner zu sein.
Samaras gilt spätestens nach seinem Nein, Ja und nun Vielleicht zum
Sparkurs als Wendehals. Tsipras lebt politisch vom Nein zu den
EU-Sparvorgaben. Doch beiden muss in Regierungsverantwortung klar
sein, dass sie mit zu viel Sturheit als Totengräber ihres Landes in
die Geschichte eingehen könnten.
Natürlich muss ihnen auch die EU entgegenkommen. Aber oft können de
facto kosmetische Nachbesserungen wie ein Aufschub der ohnehin
stockenden Umsetzung der Spar- und Reformbemühungen den Wählern
gegenüber als schöner Erfolg verkauft werden. Und auch der Austritt
wäre mehr als teuer. Daher ist es besser, Athen liegt uns zehn Jahre
länger auf der Tasche, als dass die Eurozone implodiert. Auch der
liebe Augustin stieg noch aus dem Massengrab der Pesttoten wieder
herauf, nachdem er seinen Rausch ausgeschlafen hatte.
Rückfragehinweis:
Wirtschaftsblatt Verlag AG
Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
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