• 13.06.2012, 12:04:44
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Präsident Dr. Reisner: "NÖ Ärzte sind keine Lückenbüßer für Fehler im Gesundheitswesen!"

Die geplante Gesundheitsreform ignoriert sämtliche demografischen und medizinischen Entwicklungen

Wien (OTS) - "Es steht unseren demokratisch legitimierten
Volksvertretern natürlich frei, die finanziellen Mittel für
Gesundheitsversorgung zu limitieren", so Dr. Christoph Reisner,
Präsident der NÖ Ärztekammer. "Aber sie sollen dafür auch die
Verantwortung übernehmen und nicht der Ärzteschaft den "schwarzen
Peter" zuschieben."
Präsident Dr. Reisner verweist auf die demografischen
Gegebenheiten, die aus medizinischer Sicht nicht mit der geplanten
Gesundheitsreform in Einklang zu bringen sind: "Die Lebenserwartung
steigt, die Behandlungsmethoden werden immer besser. Heutzutage sind
Krankheiten leicht heilbar, die vor wenigen Jahren noch mit hoher
Wahrscheinlichkeit tödlich waren. Es ist logisch, dass diese
Verbesserungen immer mehr Geld kosten. Und wer die finanziellen
Mittel im öffentlichen Gesundheitssystem derartig reglementiert,
nimmt dem Bürger immer mehr den Zugang zur Medizin."

Bereits heute fehlt Geld im Gesundheitssystem

Die Pläne zur Gesundheitsreform beinhalten eine Ausgabenobergrenze
sowie eine jährliche maximale Steigerungsrate. "Bereits heute ist für
jeden zu spüren, dass zu wenig Mittel im System sind. Die Wartezeiten
auf Arzttermine und Operationen steigen stetig. Die Bereitschaft zur
Kostenrückerstattung hingegen sinkt. Das wird mit einer derart
strengen Ausgabenlimitierung noch verschärft", ist sich Präsident Dr.
Reisner sicher. Gesundheitsminister Alois Stöger verteidigt hingegen
die Mittwoch bei einer Pressekonferenz vorgestellten Pläne: "Mit
dieser Reform können wir die Kostensteigerungsraten beschränken, aber
nicht das System zu Tode sparen. Und Leistungskürzungen wird es, im
Gegensatz zu anderen EU-Ländern, nicht geben."
Allfälligen Plänen, die Ärzteschaft für die Ausgabensteigerung
verantwortlich und damit haftbar zu machen, erteilt Präsident Dr.
Reisner bereits heute eine Absage: "Sollten Modelle wie in manchen
Nachbarländern angedacht werden, wonach Ärztinnen und Ärzte ab einem
bestimmten Patientenaufkommen gratis arbeiten oder die Medikamente
für Patientinnen und Patienten selbst zahlen müssen, werden wir in
Niederösterreich nicht mitgehen und alle Hebel in Bewegung setzen, um
eine Verschlechterung unseres Gesundheitssystems zu verhindern."

Ärztinnen und Ärzte lassen sich nicht zu Prügelknaben einer
mangelhaften Verwaltung machen

"Die Sozialversicherungen und die Länder sind für die Finanzierung
der Gesundheitsversorgung verantwortlich, nicht wir", so der
Ärztekammerpräsident weiter. "Wir Ärztinnen und Ärzte stehen für die
Versorgung mit moderner Spitzenmedizin bereit, lassen uns aber nicht
zu Prügelknaben einer fehlerhaften Verwaltung machen. Wenn diese
Versorgung künftig nicht mehr bezahlt werden soll, ist das eine
Entscheidung der Politik. Dann soll diese aber bitte auch die
Verantwortung dafür tragen."
Dass die finanzielle Situation derart angespannt ist, wundert
Präsident Dr. Reisner jedoch nicht: "Neben der bereits heute
unerträglichen Bürokratie fehlt es an sinnvollen
Steuerungsmechanismen für die Patientenströme. Alle
Gesundheitsökonomen der Welt wissen, dass eine gute Basisversorgung
etwa beim Hausarzt am sinnvollsten ist. Stattdessen werden die
politischen Weichen seit Jahren so gestellt, dass die Menschen in die
Spitalsambulanzen getrieben werden."

Rückfragehinweis:
Pressestelle der Ärztekammer für Niederösterreich
Michael Dihlmann
Tel.: 0664/144 98 94
mailto:[email protected]
www.arztnoe.at

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