Pakistan: Keine staatliche Verfolgung, aber wachsende Intoleranz

Erzbischof von Karachi schildert Situation der Christen in seinem von Islamisten zunehmend dominierten Land

Wien, 10.06.12 (KAP) Ein differenziertes Bild der Situation in Pakistan hat der Erzbischof von Karachi (und Vorsitzende der Pakistanischen Bischofskonferenz), Erzbischof Joseph Coutts, am Samstagabend in Wien bei einer gemeinsamen Veranstaltung von "Pro Oriente" und "Kirche in Not" gezeichnet. Es gebe keine staatlich organisierte Verfolgung der christlichen Minderheit, aber wachsende Intoleranz. Die Christen müssten in einem ständigen "Zustand der Spannung" leben, insbesondere im Hinblick auf den Missbrauch der sogenannten "Blasphemie-Gesetze".

Als Britisch-Indien 1947 in die Unabhängigkeit entlassen und geteilt wurde, habe Staatsgründer Mohammed Ali Jinnah für das neue Pakistan eine moderne Demokratie mit einer Verfassung gewollt, die Religionsfreiheit und Gleichheit für alle Bürger vorsieht. Die islamistischen Parteien dagegen würden jetzt einen theokratischen Staat anstreben, in dem die Christen auf den Status von Bürgern zweiter Klasse herabgestuft werden, als "Dhimmis" (Schutzbefohlene), die eine Sondersteuer zahlen müssen, wie es der Scharia entspricht. "Aber wir verteidigen unsere Rechte", betonte der Vorsitzende der Pakistanischen Bischofskonferenz.

Der entscheidende Islamisierungsschub sei während der Militärdiktatur von 1977 bis 1988 erfolgt, unterstrich Erzbischof Coutts. Die damalige Politik habe sich das Wohlwollen der islamistischen Gruppen durch die Einführung entsprechender Gesetze erkauft. Auch wenn Pakistan jetzt keine Rechtsordnung wie Saudiarabien habe, seien seit damals einige islamische Gesetze eingeführt worden, die Christen und andere Angehörige religiöser Minderheiten, aber auch die Frauen benachteiligen. Vor Gericht gelte etwa das Zeugnis eines Christen oder einer Frau weniger als das Zeugnis eines muslimischen Mannes. Im Pass werde das Religionsbekenntnis vermerkt.

Insbesondere aber seien die sogenannten "Blasphemie-Gesetze" eingeführt worden, denen zufolge auf Beleidigung des Propheten Mohammed die Todesstrafe steht, während Schändung des Korans mit lebenslanger Haft bestraft wird. Das derzeit bekannteste Beispiel des Missbrauchs dieser Gesetze sei der Fall der Landarbeiterin und fünffachen Mutter Asia Bibi, die auf Grund der Beschuldigungen durch Arbeitskolleginnen in erster Instanz zum Tod verurteilt wurde.

In den nächsten Tagen wird Erzbischof Coutts auch in St. Pölten, Eisenstadt, Linz und Salzburg Vorträge halten und Gottesdienste feiern. Auch eine Begegnung mit Kardinal Christoph Schönborn ist vorgesehen. Am Dienstag, 12. Juni, veranstaltet "Kirche in Not" um 10 Uhr eine Pressekonferenz mit dem Erzbischof von Karachi im "Club Stephansplatz 4" der Erzdiözese Wien.

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