- 10.06.2012, 20:38:00
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Pakistan: Keine staatliche Verfolgung, aber wachsende Intoleranz
Erzbischof von Karachi schildert Situation der Christen in seinem von Islamisten zunehmend dominierten Land
Wien, 10.06.12 (KAP) Ein differenziertes Bild der Situation in
Pakistan hat der Erzbischof von Karachi (und Vorsitzende der
Pakistanischen Bischofskonferenz), Erzbischof Joseph Coutts, am
Samstagabend in Wien bei einer gemeinsamen Veranstaltung von "Pro
Oriente" und "Kirche in Not" gezeichnet. Es gebe keine staatlich
organisierte Verfolgung der christlichen Minderheit, aber wachsende
Intoleranz. Die Christen müssten in einem ständigen "Zustand der
Spannung" leben, insbesondere im Hinblick auf den Missbrauch der
sogenannten "Blasphemie-Gesetze".
Als Britisch-Indien 1947 in die Unabhängigkeit entlassen und geteilt
wurde, habe Staatsgründer Mohammed Ali Jinnah für das neue Pakistan
eine moderne Demokratie mit einer Verfassung gewollt, die
Religionsfreiheit und Gleichheit für alle Bürger vorsieht. Die
islamistischen Parteien dagegen würden jetzt einen theokratischen
Staat anstreben, in dem die Christen auf den Status von Bürgern
zweiter Klasse herabgestuft werden, als "Dhimmis" (Schutzbefohlene),
die eine Sondersteuer zahlen müssen, wie es der Scharia entspricht.
"Aber wir verteidigen unsere Rechte", betonte der Vorsitzende der
Pakistanischen Bischofskonferenz.
Der entscheidende Islamisierungsschub sei während der
Militärdiktatur von 1977 bis 1988 erfolgt, unterstrich Erzbischof
Coutts. Die damalige Politik habe sich das Wohlwollen der
islamistischen Gruppen durch die Einführung entsprechender Gesetze
erkauft. Auch wenn Pakistan jetzt keine Rechtsordnung wie
Saudiarabien habe, seien seit damals einige islamische Gesetze
eingeführt worden, die Christen und andere Angehörige religiöser
Minderheiten, aber auch die Frauen benachteiligen. Vor Gericht gelte
etwa das Zeugnis eines Christen oder einer Frau weniger als das
Zeugnis eines muslimischen Mannes. Im Pass werde das
Religionsbekenntnis vermerkt.
Insbesondere aber seien die sogenannten "Blasphemie-Gesetze"
eingeführt worden, denen zufolge auf Beleidigung des Propheten
Mohammed die Todesstrafe steht, während Schändung des Korans mit
lebenslanger Haft bestraft wird. Das derzeit bekannteste Beispiel
des Missbrauchs dieser Gesetze sei der Fall der Landarbeiterin und
fünffachen Mutter Asia Bibi, die auf Grund der Beschuldigungen durch
Arbeitskolleginnen in erster Instanz zum Tod verurteilt wurde.
In den nächsten Tagen wird Erzbischof Coutts auch in St. Pölten,
Eisenstadt, Linz und Salzburg Vorträge halten und Gottesdienste
feiern. Auch eine Begegnung mit Kardinal Christoph Schönborn ist
vorgesehen. Am Dienstag, 12. Juni, veranstaltet "Kirche in Not" um
10 Uhr eine Pressekonferenz mit dem Erzbischof von Karachi im "Club
Stephansplatz 4" der Erzdiözese Wien.
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