• 08.06.2012, 19:44:26
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"Kleine Zeitung" Kommentar: Entscheidungsschlacht um den Euro und Europa" (von Stefan Winkler)

Ausgabe vom 09.06.2012

Graz (OTS) - Griechenland, Irland, Portugal und jetzt also
Spanien. Die Versuchung, die Euro-Krise als verhängnisvolle Abfolge
von Ereignissen zu deuten, die unausweichlich auf die Katastrophe
zuführen, ist groß.

Umschwung nennt man im klassischen Drama den Punkt, an dem sich die
Handlung entscheidend wendet und die Dinge unumkehrbar ihren Lauf
nehmen. Meist endet es böse.

Mit Spanien scheint dieser Wendepunkt erreicht. Einen Zusammenbruch
der viertgrößten Volkswirtschaft der Euro-Zone würde die gemeinsame
Währung nicht überleben.

Das wissen die politischen Akteure in Europa. Das ist der Grund,
warum sie Madrid drängen, sich rasch unter den Euro-Rettungsschirm zu
flüchten. Die stolzen Iberer haben sich lange gesträubt. Doch selbst
wenn bald neue europäische Hilfen für die Sanierung des kaputten
spanischen Bankensektors fließen sollten, ist der Euro keineswegs
gerettet.

Zu viele Hydraköpfe hat diese Krise mittlerweile. Die Europäer kommen
mit dem Abschlagen gar nicht mehr nach.
Was in Spanien und Irland eine schwere Krise der Banken ist, die
durch das Platzen der Immobilienblase ins Taumeln geraten sind, kommt
in Griechenland und Italien in Gestalt einer Staatsschulden- und
Wettbewerbskrise daher.

Mit milliardenschweren Hilfspaketen war diesem Krisen-Amalgam bislang
nicht beizukommen. Eine große Lösung muss her. Diese kann nur in mehr
Europa bestehen. Seit Tagen wird in Brüssel hinter den Kulissen
hastig an einer politischen, fiskalischen und an einer Bankenunion
gebastelt.

Für Europa wäre eine solche Union ein historischer Schritt. Doch der
Preis könnte hoch sein, das nicht nur, weil eine Vertiefung der
Euro-Zone mit einem radikalen Souveränitätsverzicht ihrer Mitglieder
einherginge. Je enger sich die 17 Euro-Länder verzahnen, desto größer
wird die Kluft zu den mit Kroatien bald elf Nichtmitgliedern der
Währungsunion.

Auch die mangelnde demokratische Legitimität des Großprojekts dürfte
den Euro-Rettern noch arg zu schaffen machen, und zwar spätestens
dann, wenn die Politik den Bürgern nicht länger verschleiern kann,
dass die neuen Wunderrezepte wie die Bankenunion lediglich Chiffren
für die Transferunion sind, die in den reicheren Ländern des Nordens
niemand will.

Kollaps der Währungsunion oder politische Union - das Schicksal des
Euro entscheidet sich dieser Tage in Spanien.

Wie immer das Los sich neigt, Europa, die EU und die Währungsunion
werden danach nicht mehr dieselben sein.****

Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung, Redaktionssekretariat, Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047, mailto:[email protected], http://www.kleinezeitung.at

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