Sind mutmaßliche Verbrecher hierzulande Freiwild?

Österreichischer Medienrat kritisiert Vorverurteilung und Verletzung der Menschenrechte

Wien (OTS/ÖJC) - Sensationelle Meldungen bekommen zu Recht viel
und prominenten Platz in den heimischen Gazetten, und das nicht nur beim Boulevard. Und es ist natürlich ausführlich berichtenswert, wenn ein international gesuchter mutmaßlicher Mörder gefasst wird. Im konkreten Fall ging es um jenen Kanadier, der von der Polizei verdächtigt wird, im kanadischen Montreal einen Mann getötet, seine Leiche zerstückelt und die Leichenteile per Post verschickt zu haben, und deshalb international zur Fahndung ausgeschrieben worden war. Die Art und Weise, wie darüber in manchen Medien berichtet wurde, wird vom Österreichischen Medienrat (OMR) scharf kritisiert: "Es darf nicht sein, dass der mutmaßliche Täter auch in Qualitätszeitungen als Mörder abqualifiziert wird", sagt Medienrats-Senatsmitglied Oswald Klotz und konstatiert: "Es widerspricht den Menschenrechten, die auch ein möglicher Verbrecher hat, dass mehrmals sein voller Name genannt und sein Foto unkenntlich gemacht wird. Und dass in einer Überschrift der nunmehr in Berlin verhaftete Mann ganz einfach 'Mörder von Montreal' genannt wird, ohne den Zusatz 'mutmaßlich', das geht schon überhaupt nicht."

Der "Österreichische Journalistenkodex" gebietet auch in Österreich, jeden Menschen, der nicht von einem ordentlichen Gericht rechtskräftig verurteilt wurde, fair zu behandeln und ihm bis dahin den Schutz zumindest des abgekürzten Familiennamens und des verpixelten Fotos zu gewähren.

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