Common Trunk für Mediziner

Innsbruck (OTS) - Die HochschülerInnenschaft der Medizinischen Universität Innsbruck verfolgt die derzeitigen Diskussionen über die Einführung eines "Common Trunk" Jahres nach dem Medizinstudium mit großer Skepsis: Es ist allseits bekannt, dass vor allem die Dauer der postpromotionellen Ausbildung in Österreich einer der Hauptgründe dafür ist, dass österreichische Medizin-AbsolventInnen ins europäische Umland auswandern. Eine Reform der postpromotionellen Ausbildung ist daher dringend notwendig, um die Attraktivität der österreichischen Ausbildung zu stärken und dem Abwanderungs-Trend entgegen zu wirken.

Momentan besteht die postpromotionelle Ausbildung aus der Absolvierung des 3-jährigen Turnus und im Anschluss daran folgt eine Facharztausbildung im Ausmaß von 6 Jahren. Dies ist im Vergleich 3 Jahre länger als die Ausbildung in den deutschsprachigen Nachbarländern. Daher begrüßen wir eine Reform, die mit einer Verkürzung der postpromotionellen Ausbildung einhergeht sehr, sehen jedoch im Common Trunk nicht die richtige Lösung: Der Common Trunk stellt ein Jahr zwischen Abschluss des Studiums und Beginn der Facharztausbildung dar. In diesem "Zwischenjahr" sollen die zwei Fächer Innere Medizin und Chirurgie durchlaufen werden, welche anschließend als Gegenfächer für die Facharztausbildung angerechnet werden können.

Anstelle eines Common Trunks sehen wir jedoch viel größeres Potential in der Ausarbeitung und Einführung eines österreichweit einheitlichen Klinisch-Praktisches Jahres (KPJ), um die Studierenden optimal auf die Facharztausbildung vorzubereiten. Im KPJ werden bereits in großem Maße die Fächer Innere Medizin und Chirurgie abgebildet, was die Einführung eines "Common Trunk" Jahres direkt im Anschluss an das Studium überflüssig macht. Auch die Modalitäten des "Common Trunk" sehen wir als kontraproduktiv an. Innere Medizin und Chirurgie sind nicht in allen Facharztfächern als sinnvolle Gegenfächer anzusehen. So sind beispielsweise in der Gynäkologie die Kinderheilkunde oder Neonatologie und in der Psychiatrie die Neurologie wesentlich zweckmäßiger. Der Common Trunk schreibt den Auszubildenden jedoch gezwungenermaßen vor, die Fächer Chirurgie und Innere Medizin abzuleisten. Damit würden die Entfaltungsmöglichkeiten österreichischer Medizin-AbsolventInnen noch weiter eingeschränkt werden, was wiederum das Problem der mangelnden Attraktivität verschärfen dürfte.

Des Weiteren finden wir den Zeitpunkt des Common Trunks sehr ungünstig. So soll dieser verpflichtend am Anfang der Facharztausbildung abgeleistet werden. Erstens befürchten wir, dass dies einen Platzstau in den Fächern Innere Medizin und Chirurgie verursachen wird, wie er bereits für Turnusplätze an Krankenhäusern bekannt ist. Diejenigen AnwärterInnen, welche in Österreich keinen Platz bekommen, werden daher gezwungenermaßen ins Ausland abwandern. Zweitens sind fertige AbsolventInnen zu diesem Zeitpunkt auf dem gleichen Wissenstand wie im KPJ (Studium). Es lässt sich also nicht erwarten, dass sie im Common Trunk wesentlich mehr Wissen und Erfahrung mitnehmen oder einbringen können, als sie es im KPJ schon tun. Zu einem späteren Zeitpunkt, wenn die AbsolventInnen ihre Facharztausbildung bereits begonnen, dort Erfahrung gesammelt und ihren eigenen Schwerpunkt gesetzt haben, machen die Gegenfächer wesentlich mehr Sinn.

Als Vertreter der Studierenden der Medizinischen Universität Innsbruck plädieren wir dafür, die Gedankenspiele eines fragwürdigen "Common Trunk" Jahres zu beenden und stattdessen die finanziellen Mittel gezielter in die Förderung der universitären Ausbildung zu investieren. Durch eine Verbesserung der theoretischen und praktischen Ausbildung, durch Einrichtung allgemein nutzbarer praktischer Übungsmöglichkeiten (Skills Labs), und vor allem durch die Einführung eines einheitlichen KPJs bietet sich die Chance, die Diskussion über Teilapprobation oder Common Trunk mit nachfolgender Approbation zu beenden und österreichweit die Approbation mit Abschluss des Studiums einzuführen! Ziel muss es sein, durch Abschaffung des Turnus und Einführung eines Facharztes für Allgemeinmedizin, die Approbation nach dem Studium zu ermöglichen. Nur so lässt sich die Attraktivität und vor allem die Qualität der medizinischen Ausbildung in Österreich langfristig steigern und einem Ärztemangel entgegenwirken.

Die VertreterInnen der Medizinischen Universität Innsbruck

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Hannah Schaumann
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