- 04.06.2012, 16:57:53
- /
- OTS0245 OTW0245
Neuer ELGA-Gesetzentwurf immer noch unbrauchbar
Überarbeitung unter Mitarbeit der Ärzteschaft dringend notwendig
Wien (OTS) - Der neue ELGA-Gesetzentwurf ist laut dem Präsidenten
der NÖ Ärztekammer Dr. Christoph Reisner immer noch unbrauchbar. "Für
mich ist nach wie vor kein medizinischer Nutzen sichtbar, die
Datensicherheit ist ebenfalls in keiner Weise gewährleistet."
Präsident Dr. Reisner nimmt damit in dieser Frage die gleiche
Position ein wie der derzeit noch amtierende Österreichische
Ärztekammerpräsident Dr. Walter Dorner.
Neben vielen weiteren Detailproblemen stellt Präsident Dr. Reisner
die Kosten-Nutzen-Relation in Frage. "Niemand hat von offizieller
Seite eine seriöse Kostenschätzung vorgelegt. Ungeklärt ist auch,
woher die Datenmanager zur Pflege der ausschließlich strukturierten
Daten kommen sollen. Nach unseren Schätzungen würde alleine die
Wartung jährlich dreistellige Euromillionenbeträge kosten. Wie das
finanziert werden soll ist mir schleierhaft!"
ELGA ist Geldvernichtung ersten Grades
Aus seiner Sicht trägt eine ELGA in der derzeitig geplanten Form
auch wie von manchen Politikern behauptet nichts zur dringenden
Reform des Gesundheitswesens bei, sondern sogar im Gegenteil: "Es hat
aus meiner Sicht überhaupt keinen Sinn, so ein Projekt dort
aufzusetzen, wo dringend zu lösende Probleme anstehen. Das ist
Geldvernichtung ersten Grades", so der Ärztekammerpräsident.
"Unsere Patientinnen und Patienten beklagen sich immer häufiger
über unzumutbare Wartezeiten auf Arzttermine und Operationen", so
Präsident Dr. Reisner weiter. "Man redet über E-Medikation und die
Politiker schaffen es nicht einmal, identische Bedingungen für
Medikamentenverschreibungen im Krankenhaus und in der Niederlassung
zu schaffen. Wir warten monatelang auf Entlassungsbriefe, weil die
Ressourcen zur Bearbeitung fehlen. Und auf diese "Mangelverwaltung"
wollen wir allen ernstes so ein Projekt wie ELGA auf Kosten des
ohnehin zu geringen Gesundheitsbudgets aufsetzen?"
Ein sichtbarer Nutzen müsste gegeben sein
Aus der Evaluierung des Pilotprojektes E-Medikation, einem
Teilbereich der ELGA, ist aus seiner Sicht genau abzulesen, wie man
beim Gesamtprojekt auch vorgehen müsse: "Laut diesem Bericht wird
gefordert, dass in der Projektorganisation praxisnahe Vertreter aller
betroffenen Berufsgruppen repräsentiert sind. Das ist derzeit nicht
der Fall."
Laut Präsident Dr. Reisner wird ELGA daher in der geplanten Form
immer noch von der NÖ Ärztekammer abgelehnt. Er erläutert
abschließend die Voraussetzungen, um in die Diskussion rund um ELGA
einzusteigen: "Ein sichtbarer und evaluierter Nutzen für die
Patientinnen und Patienten muss gegeben sein. Grundlage ist ein
aktives "Opting in" sowohl von Patienten- als auch von Arztseite.
Vollständiger Ersatz aller durch ELGA indizierter Kosten laufend und
einmalig muss selbstverständlich gegeben sein. Die Speicherdauer darf
maximal ein Jahr betragen und absoluter Datenschutz muss gesichert
sein", so Präsident Dr. Reisner abschließend.
Rückfragehinweis:
Pressestelle der Ärztekammer für Niederösterreich
Michael Dihlmann
Tel.: 0664/144 98 94
mailto:[email protected]
www.arztnoe.at
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | AEN






