• 01.06.2012, 12:37:55
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Österreichs FTI-System auf dem Prüfstand: Stagnation im Mittelfeld

Forschungsrat präsentiert erstmals "Bericht zur wissenschaftlichen und technologischen Leistungsfähigkeit Österreichs"

Wien (OTS) - "Wenn Österreich das in der FTI-Strategie der
Bundesregierung 2020 definierte Ziel, zu den führenden
Innovationsnationen aufzuschließen, erreichen will, muss die
derzeitige Stagnation rasch überwunden werden", mahnt der Vorsitzende
des Rates für Forschung und Technologieentwicklung (RFTE), Dr. Hannes
Androsch, anlässlich der Präsentation des Berichts zur
wissenschaftlichen und technologischen Leistungsfähigkeit
Österreichs. "Die gute Performance des österreichischen FTI-Systems,
die seit den 80er Jahren, vor allem aber zwischen 2000 und 2008
erreicht werden konnte, droht wieder verloren zu gehen, wenn nicht
rasch konzentrierte Anstrengungen unternommen werden, die Dynamik
wieder zu gewinnen", so Androsch weiter.

Der FTI-Leistungsbericht, auf dessen Ergebnisse sich Androsch in
seinen Aussagen bezieht, wird heute erstmals präsentiert. Der vom
Forschungsrat erstellte Bericht zeichnet anhand von mehr als 40
Indikatoren ein umfassendes Bild der Stärken und Potenziale, aber
auch bestehender Problembereiche des österreichischen Forschungs- und
Innovationssystems.

Der stellvertretende Ratsvorsitzende, Univ.-Prof. Dr. Peter
Skalicky, weist darauf hin, dass in Österreich zwar an vielen
universitären und außeruniversitären Einrichtungen hervorragende
Forschung gemacht werde, die auch international als exzellent
wahrgenommen wird. "Dies darf", so Skalicky weiter, "jedoch nicht
darüber hinwegtäuschen, dass die österreichischen Hochschulen schon
seit Jahren unter einer unzureichenden Finanzierung leiden und
mittlerweile die Situation dramatische Ausmaße angenommen hat. Um
international konkurrenzfähige Forschung betreiben zu können, muss
die entsprechende Infrastruktur erhalten werden".
Um also künftig sowohl den Hochschulen als auch anderen
Forschungsinstitutionen und der forschungstreibenden Wirtschaft ein
gewisses Maß an Planungssicherheit zu gewähren, unterstreichen die
beiden Vorsitzenden des Forschungsrates die Notwendigkeit eines
Forschungsfinanzierungsgesetzes.

Stärken und Schwächen des österreichischen FTI-Systems

Das Kapitel "Generelle Einschätzung der Performance des
österreichischen FTI-Systems im internationalen Vergleich" des
Berichts behandelt Stärken und Schwächen des heimischen FTI-Systems
aus Sicht des Rates. Basis dafür waren nationale Analysen und Studien
sowie globale Rankings und internationale Vergleichsdaten. Die
Auswertung von mehr als 40 Indikatoren ergab folgendes Bild:

Zu den Stärken des österreichischen FTI-Systems zählen
 - eine überdurchschnittlich hohe Entwicklungsdynamik der F&E-Quote,
 - mehrere universitäre und außeruniversitäre Institute mit hoher 
   wissenschaftlicher Reputation und exzellentem Output,
 - ein überdurchschnittlich gestiegener Output bei 
   wissenschaftlichen Publikationen und internationalen Ko-
   Publikationen,
 - ein hoher Grad an Internationalisierung der österreichischen 
   Forschung,
 - Spitzenwerte bei Erfindungen, Marken und Gebrauchsmustern, sowie
 - die gute Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft.

Hinsichtlich der Schwächen ergibt sich folgendes Bild:
 - im Bildungssystem: niedrige Hochschulzugangs- und 
   Abschlussquoten, hohe Drop-Out-Rate, niedrige 
   AkademikerInnenquote, und zu geringe Anzahl an Abschlüssen in den 
   MINT-Fächern,
 - im Bereich der Hochschulen: ungenügende Koordinierung im 
   tertiären Bildungssektor, Österreich ist kein attraktives 
   Zielland für ForscherInnen, schlechtes Abschneiden bei 
   internationalen Hochschulvergleichen, sowie 
   Verbesserungspotenzial bei der Forschungsinfrastruktur,
 - im Unternehmensbereich: Aufholbedarf bei Innovationsleistung und 
   intersektoralem Strukturwandel, sowie fehlendes Risikokapital,
 - im Bereich Governance: komplexe Governance-Strukturen, geringe 
   Flexibilität, Kohärenz und Steuerungsleistung des Fördersystems, 
   unzureichend abgestimmte Internationalisierungsstrategie, und 
   mangelhafter Dialog zwischen Wissenschaft/Forschung und 
   Gesellschaft, und schließlich 
 - bei der Finanzierung: Verfehlung des Quotenziels und zu wenig 
   private Finanzierungsmittel, unterdurchschnittliche Finanzierung 
   von Bildung und Hochschulen, sowie unzureichende Finanzierung der 
   Grundlagenforschung.

Bewertung der FTI-Strategie der Bundesregierung

Im Kapitel "Bewertung der Umsetzung der FTI-Strategie" wird die
Umsetzung der Zielsetzungen bzw. Maßnahmen der FTI-Strategie der
Bundesregierung analysiert und einer qualitativen Bewertung
unterzogen. Der Rat beurteilt in diesem Kapitel, ob die umgesetzten
Maßnahmen angemessen sind, um die Zielsetzungen der FTI-Strategie und
die Vision Österreich 2020 zu erreichen. Außerdem werden
Verbesserungsoptionen zu den einzelnen Strategieelementen empfohlen.
Schließlich wird auch noch eine zusammenfassende Einschätzung des
Umsetzungsgrades der Maßnahmen der FTI-Strategie vorgenommen.
Das dritte Kapitel des FTI-Leistungsberichts bewertet schließlich
Elemente, die nicht in der FTI-Strategie enthalten sind, aber aus
Sicht des Rates wichtig für die Verbesserung der Performance des
österreichischen FTI-Systems sind, so etwa die Themen
- Abstimmung zwischen Bund und Bundesländern,
- Abstimmung der FTI-Strategie mit dem Hochschulplan,
- Entwicklung eines auf Innovation ausgerichteten STRAT.AT-Plans
für 2014 bis 2020,
- die Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften, und
- Risiko in der Forschungsförderung.

Auch hier werden konkrete Optimierungsmöglichkeiten aufgezeigt und
empfohlen.

Das letzte Kapitel fasst schließlich die aus Sicht des Rates
vordringlichsten Ergebnisse des Umsetzungsmonitorings zusammen und
beinhaltet Empfehlungen für die Weiterentwicklung der FTI-Strategie
und des österreichischen FTI-Systems.

Mit dem vorliegenden Dokument kommt der Forschungsrat seiner im
Ministerratsvortrag vom 9. September 2010 definierten Aufgabe nach,
jährlich einen Bericht zur wissenschaftlichen und technologischen
Leistungsfähigkeit Österreichs zu erstellen. Der Bericht wird
zusammen mit dem Forschungs- und Technologiebericht an den
Nationalrat übermittelt und steht auf der Homepage des Rates
(www.rat-fte.at) zum Download zur Verfügung.

Rückfragehinweis:
DI Dr. Ludovit Garzik - Geschäftsführer der Geschäftsstelle des Rates für Forschung und Technologieentwicklung
Tel.: +43 (0)1 7131414
E-Mail: [email protected]

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