• 31.05.2012, 13:54:13
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Weltnichtrauchertag: Heftiger Streit in ATV "Am Punkt" über österreichisches Tabakschutzgesetz

Forderungen nach Verschärfung des Nichtraucherschutzes und mehr Präventionsarbeit

Wien (OTS) - "Dicke Luft" im Fernsehstudio: Anlässlich des
Weltnichtrauchertags kam es gestern in der ATV-Diskussionssendung "Am
Punkt" zu heftigen Wortgefechten zwischen dem "Rauchersheriff" Robert
Rockenbauer auf der einen sowie dem Wiener Szenewirt Stefan M.
Gergely und "Krone"-Kolumnist Michael Jeannée auf der anderen Seite.
Rockenbauer, Bundesleiter der Österreichischen Schutzgemeinschaft für
Nichtraucher, sagte, das jetzige Tabakschutzgesetz habe versagt: 80
Prozent der Wirte hielten sich nicht daran, und wenn doch, seien z.B.
die Trenntüren zwischen Raucher- und Nichtraucherbereichen meistens
geöffnet, vor allem aber würde die Einhaltung der Vorschriften kaum
kontrolliert.

Gergelys Reaktion: "Sie lügen!" Der Gastronom verwies darauf, dass
es in Wien 2011 über 1.500 Verfahren gegen Wirte mit einer
durchschnittlichen Strafe von 337 Euro gegeben habe. Gergely
verteidigte das Tabakschutzgesetz: Er hätte grundsätzlich
Freiwilligkeit statt Vorschrift bevorzugt, aber im Vergleich etwa zu
einem kompletten Rauchverbot in Lokalen sei die jetzige Regelung "die
wesentlich bessere Lösung. Und diese Lösung funktioniert." Zu ihm
kämen Raucher genauso gerne wie Nichtraucher. Rockenbauer verschließe
die Augen vor der Realität, so Gergely: "Sie gehören zu den ganz
Unbelehrbaren. Sie sind ein Fundamentalist"

Das sah Rockenbauer naturgemäß anders: "Ich betrachte es als eine
Selbstverständlichkeit, dass der Raucher endlich einmal begreift,
dass er kein Recht hat, seine Sucht in der Öffentlichkeit auf Kosten
der Gesundheit anderer Menschen auszuleben. Sie haben kein
Schädigungsrecht, aber wir Nichtraucher haben ein Grundrecht,
rauchfreie Luft zu atmen."

Kolumnist Jeannée ist als Zigarrenraucher nicht unbedingt
glücklich über Rauchverbote in Lokalen, hat sich aber damit
arrangiert, wie er in "Am Punkt" sagte: "Wenn ich in ein Lokal gehe,
dann weiß ich, hier kann ich rauchen oder ich kann nicht rauchen.
Mein Stammcafé war das Hawelka. Da bin ich in der Woche zwei bis drei
Mal hingegangen, meine Zigarre zu rauchen - jetzt gehe ich halt nicht
mehr hin, schade, aber leider Gottes ist es so." Dass er aber im
Freien, in einem Heurigengarten, als Raucher von einem anderen Gast
aufgefordert worden sei, sich einen anderen Platz zu suchen, "das ist
die Saat des Herrn Rockenbauer." Der Nichtraucheraktivist warf im
Gegenzug seinen Kontrahenten vor, sie würden immer versuchen,
"engagierte und gesundheitsbewusste Nichtraucher negativ
darzustellen: als militant, als fanatisch. Das war 1975 nicht anders
als heute 2012."

Vehement forderte Rockenbauer ein schärferes
Nichtraucherschutzgesetz und erhielt dafür in "Am Punkt"
Unterstützung von ÖVP-Gesundheitssprecher Erwin Rasinger: "Der
nächste Schritt, das muss uns klar sein, ist sicher ein absolutes
Rauchverbot" in Lokalen und anderen öffentlichen Gebäuden. Allerdings
fehle dafür im Moment die politische Mehrheit und "selbst wenn alle
Wirte so ein Rauchverbot hätten, wie etwa in Deutschland, würde
deswegen die Raucherrate noch nicht sinken." Trotzdem: "Es wäre eine
Vorbildwirkung, dass man sagt: Rauchen ist out", so Rasinger. Das
Entscheidende sei, Jugendliche vom Rauchen abzuhalten, denn fast 90%
aller Raucher fingen vor ihrem 18. Lebensjahr an.

Einig waren sich alle vier Studiogäste, dass es an der
Präventionsarbeit mangele. Sie sprachen sich dafür aus, Erlöse aus
der Tabaksteuer gezielt in die Prävention für Jugendliche zu
investieren. Rasingers Erfahrung als Arzt: "Es ist wahnsinnig schwer,
vom Rauchen loszukommen. Selbst Herzinfarktpatienten, die den Tod vor
Augen haben, hören nur zu 50 Prozent mit dem Rauchen auf. Einmal
rauchen heißt mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit immer rauchen.
Und darum ist das Alter bis zum 18. Lebensjahr so wichtig, dass man
gar nicht erst einsteigt."

Rückfragehinweis:
ATV Redaktion "Am Punkt": Tel.: 01/213 64 115

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