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Wiener Zeitung: Leitartikel von Reinhard Göweil: "Banken-Union? Ja."
Ausgabe vom 31. Mai 2012
Wien (OTS) - In einem bemerkenswerten Aufruf fordern 50
Persönlichkeiten auf, Griechenland mehr Zeit zu geben. Am selben Tag
spricht sich die EU-Kommission dafür aus, dass der
Euro-Rettungsschirm Banken direkt finanziell unterstützen können
soll. Beides ist bemerkens- und unterstützenswert.
Ersteres deshalb, weil von 177 Milliarden Euro, die bisher nach
Griechenland flossen, mehr als zwei Drittel ohne Umweg an die
"Troika" (Europäische Union, Europäische Zentralbank und
Währungsfonds) zurückgeflossen sind. Das Geld kam den Gläubigern
zugute, nicht dem Schuldner . . . Unabhängig vom Ausgang der Wahl im
Juni benötigt Griechenland Solidarität (im Euro) und Zeit
(Erstreckung und Hilfe beim Wiederaufbau). Selbst wenn das
"Intellektuellen-Luder" Sarrazin und andere meinen, Griechenland
hätte nie in den Euroraum aufgenommen werden dürfen. So what? Die Uhr
zurückdrehen kann niemand.
Und mit der Forderung der Kommission, den Rettungsschirm für Banken
zu öffnen, wurde endlich der Finger in die Wunde gelegt: Die
EU-Staaten büßen Kreditwürdigkeit ein, um die Banken am Leben zu
halten. Was hat die Kommission nun mitgeteilt? Dass Deutschland ein
Bankenproblem hat. Dass Österreich ein Bankenproblem hat. Dass
Spanien ein Bankenproblem hat. Die Griechen sowieso.
Das soll nun kein Banken-Bashing werden (auch wenn die
16-Millionen-Pension des spanischen Bankia-Oberchefs schwer zu nehmen
ist), es geht nur darum, die Dinge dort zu lassen wo sie sind: Die
Banken haben sich mit der Gemeinschaftswährung europäisiert. Die
Vernetzung ist so eng, dass selbst eine Separation nur mit immensen
Kosten zu machen wäre (abgesehen von der Unsinnigkeit der Idee).
Die Banken müssen als Union gesehen werden, nur dann werden sie sich
auch ihrer Verantwortung bewusst werden. Ein mit staatlichem Kapital
operierender Bankenchef wie Raiffeisen International-Chef Herbert
Stepic meint, die Chance auf einen Euro-Exit Griechenlands stehen
50:50. Geht's noch? Finanzministerin Fekter wird zu Recht kritisiert,
wenn sie die Griechen verbal aus dem Euro-Raum befördert. Nun, das
gilt auch für Stepic. Künftig soll er Geld aus dem
Euro-Rettungsschirm erhalten. In den dortigen Gremien versteht man es
wenigstens, Verantwortung deutlich einzumahnen.
Rückfragehinweis:
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Tel.: +43 1 206 99-474
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