"KURIER"-Kommentar von Helmut Brandstätter: "Kultur(los)-Ministerin"

Film, Schulen, Lehrer: Alle brauchen das Geld, das Frau Schmied verpulvert.

Wien (OTS) - Nicht für die Schule, sondern fürs Leben lernen wir. Diesen Satz haben wir im Lateinunterricht gelernt, und Unterrichtsministerin Claudia Schmied lebt es uns vor. So zeigt sie uns etwa, wie man Gesetze umgeht. Ab 1. Juli gilt das Medientransparenzgesetz, das dafür sorgen soll, dass Politiker besser kontrolliert werden, wenn sie Steuergelder für Inserate ausgeben. Frau Schmied nützt die letzten Tage, bevor das Gesetz in Kraft tritt, und lächelt uns aus einem Gratisblatt entgegen, wo sie schon länger auf diese Weise positive Berichte erwirkt.
Dass sie dabei die "Neue Mittelschule" bewirbt, macht die Sache noch skurriler. Ob diese Schulform ein Erfolg wird, wie das Inserat bereits jetzt verspricht, werden wir erst sehen. Neueste Zahlen zeigen, dass ein Fünftel der Kinder nicht ordentlich lesen kann (siehe S. 17). Aber Frau Schmied verschenkt Geld, das die Schulen dringend bräuchten, lieber an eine schlichte Bilder-Zeitung.
Dass die Ministerin nicht zu den Filmfestspielen nach Cannes gereist ist, konnte man dort verschmerzen. Michael Haneke hat auch so seinen großen Erfolg gefeiert. Aber dass die Filmschaffenden stets zu wenig Geld bekommen, während man sich positive Berichte kaufen will, ist auch ein Skandal.

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