UNICEF-Vergleichsstudie 2012: Kinderarmut in reichen Ländern

In den reichsten Ländern der Welt leben Millionen Kinder in Armut

Wien, Brüssel (OTS) - Ein neuer UNICEF-Report enthüllt das Ausmaß von Kinderarmut und Entbehrungen von Kindern in den wirtschaftlich am höchsten entwickelten Ländern: Etwa 13 Millionen Kinder in der Europäischen Union (plus Norwegen und Island) leiden an Entbehrungen und 30 Millionen Kinder in 35 OECD-Staaten leben in Armut.

Die neue UNICEF-Studie "Kinderarmut messen - Neue Ranglisten der Kinderarmut in den reichsten Ländern der Welt" analysiert Kinderarmut in OECD-Ländern unter zwei komplett unterschiedlichen Aspekten.

Zum einen werden erstmals anhand eines Deprivationsindex Entbehrungen von Kindern verglichen. Dieser Index umfasst 14 Punkte, die von drei täglichen Mahlzeiten bis hin zu einem ruhigen Platz für Hausaufgaben reichen. Rund 13 Millionen Kinder (etwa 15 Prozent) in 29 Industrieländern entbehren mehr als zwei dieser grundlegenden Punkte.

Obwohl die höchsten Entbehrungsraten in ärmeren Staaten Europas wie Rumänien, Bulgarien und Portugal zu finden sind, weisen auch einige reichere Länder wie Frankreich oder Italien Raten über 10 Prozent auf. In Österreich müssen 8,7 Prozent der Kinder auf mindestens zwei der als notwendig erachteten Punkte verzichten. Nur Dänemark, Finnland, Island, Holland Norwegen und Schweden weisen einen Index von weniger als 3 Prozent auf.

Zum zweiten wird der Prozentsatz der Kinder, die unterhalb der nationalen Armutsgrenze leben untersucht - definiert als 50 Prozent des mittleren verfügbaren Haushaltseinkommens. Rund 30 Millionen Kinder in insgesamt 35 OECD-Staaten wachsen nach dieser Definition in relativer Armut auf. Island, Finnland, Norwegen, die Niederlande, Zypern und Slowenien schneiden mit Armutsraten unter sieben Prozent am besten ab, dicht gefolgt von Österreich und Schweden mit 7,3 Prozent. Schlusslicht sind Rumänien und die USA. Dort liegt die Quote relativ armer Kinder deutlich über 20 Prozent.

Lebensumstände wie Arbeitslosigkeit der Eltern, Alleinerzieherhaushalte, geringer Bildungsstand der Eltern und Migrationshintergrund können die Situation der Kinder verschärfen. Laut Report sind Kinder, die an Entbehrungen und sozialer Ausgrenzung leiden, das Resultat falscher Politik: Es gibt einen eindeutigen Zusammenhang zwischen Ausgaben und Resultaten: Länder wie Frankreich, Schweden und Großbritannien geben doppelt soviel Geld, Steuererleichterungen und Leistungen für Kinder und Familien verglichen mit Ländern wie Italien, Spanien und Schweiz.

Österreich bemüht sich erfolgreich, Kinderarmut zu senken. Ohne staatliche Maßnahmen wie Kindergeld, Steuererleichterungen und Sozialleistungen hätte die Armutsrate unter Familien mit Kindern bei 17,5 Prozent gelegen - mehr als doppelt so viel wie die gemessenen 7,3 Prozent. Bedenklich bleibt, dass in Österreich - wie in vielen untersuchten Ländern - die relative Kinderarmut höher ist als die generelle Armut.

"Regierungen müssen im besten Interesse der Kinder handeln und ihre Rechte umsetzen und schützen", so Alexander Schwentner, Kinderrechtsexperte von UNICEF Österreich. "Langfristig zahlen Gesellschaften einen hohen Preis für Kinder die an Armut und Entbehrungen leiden: verringerte Produktivität, höhere Arbeitslosigkeit, stärkere Abhängigkeit von Sozialleistungen, sowie höhere Kosten für sozialen Schutz und das Justizsystem."

Für UNICEF ergeben sich auf Basis dieses Reports folgende wichtige Konsequenzen:

- Vorrang für Kinder auch in Zeiten der Finanzkrise: Es gibt einen klaren Zusammenhang zwischen Aufwendungen für Kinder und positiven Wirkungen einer solchen Politik. Die Finanzkrise darf nicht dazu führen, dass die Interessen von Kindern hinten angestellt werden.

- Nationale Agenda gegen Kinderarmut: Jedes Land sollte sich mit einem umfassenden Aktionsplan klare Ziele setzen, um Kinderarmut zu senken, dabei muss die gezielte Unterstützung für besonders benachteiligte Kinder oberste Priorität haben. Kinderarmut ist einer der wichtigste Indikatoren für den Zustand einer Gesellschaft insgesamt.

- Politik für Kinder braucht genauere und aktuellere Daten und Fakten: Daten zur Lage der Kinder und insbesondere zu Kinderarmut sollten regelmäßig und in kurzen Abständen - mindestens einmal pro Jahr - erhoben werden.

Die Vergleichsstudie "Report Card 10: Measuring Child Poverty. New league tables of child poverty in the world's rich countries." steht auf www.unicef.at zum Download bereit.

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UNICEF Österreich
Mag. Alexander Schwentner & Mag. Sylvia Trsek
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E-Mail: schwentner@unicef.at, trsek@unicef.at

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