WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Entscheidende Woche für die AUA - von Günter Fritz

Bei der AUA sind die Machtverhältnisse jetzt endgültig geklärt

Wien (OTS) - Ende dieser Woche, mit Junibeginn, wird definitiv feststehen, wie viele Piloten und Flugbegleiter die AUA verlassen werden. Wegen des umstrittenen Betriebsübergangs zu Tyrolean steht ihnen ein Sonderkündigungsrecht zu, bei dem alle Ansprüche gewahrt bleiben. Das heißt, Piloten können mit Abfertigungen von bis zu 39 Monatsgehältern respektive 500.000 Euro oder mehr ausscheiden, Flugbegleiter mit Beträgen von rund 100.000 Euro. Tun sie das nicht und bleiben sie im Unternehmen, verlieren sie ihre Ansprüche und fallen auf die normalen gesetzlichen Regelungen zurück.

Zu einem Massenabsprung der fliegenden Mitarbeiter - wie ursprünglich befürchtet beziehungsweise vom Betriebsrat zur Abschreckung fürs Management heraufbeschworen - dürfte es offenbar nicht kommen. Freitag früh hatten sich 80 Piloten und 170 Flugbegleiter verabschiedet - von insgesamt 2257, die allerdings nur zum Teil die alten AUA-Verträge mit den privilegierten Konditionen haben. Das sind bedeutend weniger als die befürchteten 200 bis 300 Pilotenabgänge, was der AUA zweifelsohne Probleme bei der Aufrechterhaltung des Flugbetriebs machen würde. Zudem hat der von Piloten geführte Bordbetriebsrat erklärt, im Unternehmen bleiben zu wollen. Ob damit die Gefahr für den wichtigen Sommerflugplan tatsächlich gebannt ist, werden aber erst die nächsten - entscheidenden - Tage zeigen.
Das Management hat alle Vorkehrungen getroffen, um etwaige personelle und organisatorische Unwägbarkeiten zu minimieren. Gleichzeitig hat AUA-CEO Jaan Albrecht mit für österreichische Verhältnisse ungewohnter Härte seine Linie durchgezogen, den Betriebsrat ausgeknockt und auch in der Führung bis hinauf in den Vorstand aufgeräumt und Personen seines Vertrauens eingesetzt. Die Machtverhältnisse bei der AUA sind jetzt endgültig geklärt - ganz im Sinne der Mutter Lufthansa. Der ist angesichts jahrelanger falscher oder halbherziger Entscheidungen bei AUA aber keine andere Wahl geblieben, um bei ihrer defizitären Tochter doch noch den Turnaround zu schaffen.

Ein Honiglecken wird der Betriebsübergang dennoch nicht. Nicht nur sind die Klagen der Gewerkschaft ein juristisches und finanzielles Damoklesschwert. Sondern es muss auch noch ein jahrelanger Kampf der Kulturen zwischen AUA und Tyrolean ausgetragen werden, die einander bislang nicht gerade in inniger Liebe verbundenen waren. Und letztlich ist es die Frage, ob das alles ausreicht und die AUA nicht doch noch geschrumpft werden muss, um langfristig überleben zu können.

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