- 29.05.2012, 10:11:46
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Entscheidende Woche für die AUA - von Günter Fritz
Bei der AUA sind die Machtverhältnisse jetzt endgültig geklärt
Wien (OTS) - Ende dieser Woche, mit Junibeginn, wird definitiv
feststehen, wie viele Piloten und Flugbegleiter die AUA verlassen
werden. Wegen des umstrittenen Betriebsübergangs zu Tyrolean steht
ihnen ein Sonderkündigungsrecht zu, bei dem alle Ansprüche gewahrt
bleiben. Das heißt, Piloten können mit Abfertigungen von bis zu 39
Monatsgehältern respektive 500.000 Euro oder mehr ausscheiden,
Flugbegleiter mit Beträgen von rund 100.000 Euro. Tun sie das nicht
und bleiben sie im Unternehmen, verlieren sie ihre Ansprüche und
fallen auf die normalen gesetzlichen Regelungen zurück.
Zu einem Massenabsprung der fliegenden Mitarbeiter - wie ursprünglich
befürchtet beziehungsweise vom Betriebsrat zur Abschreckung fürs
Management heraufbeschworen - dürfte es offenbar nicht kommen.
Freitag früh hatten sich 80 Piloten und 170 Flugbegleiter
verabschiedet - von insgesamt 2257, die allerdings nur zum Teil die
alten AUA-Verträge mit den privilegierten Konditionen haben. Das sind
bedeutend weniger als die befürchteten 200 bis 300 Pilotenabgänge,
was der AUA zweifelsohne Probleme bei der Aufrechterhaltung des
Flugbetriebs machen würde. Zudem hat der von Piloten geführte
Bordbetriebsrat erklärt, im Unternehmen bleiben zu wollen. Ob damit
die Gefahr für den wichtigen Sommerflugplan tatsächlich gebannt ist,
werden aber erst die nächsten - entscheidenden - Tage zeigen.
Das Management hat alle Vorkehrungen getroffen, um etwaige personelle
und organisatorische Unwägbarkeiten zu minimieren. Gleichzeitig hat
AUA-CEO Jaan Albrecht mit für österreichische Verhältnisse
ungewohnter Härte seine Linie durchgezogen, den Betriebsrat
ausgeknockt und auch in der Führung bis hinauf in den Vorstand
aufgeräumt und Personen seines Vertrauens eingesetzt. Die
Machtverhältnisse bei der AUA sind jetzt endgültig geklärt - ganz im
Sinne der Mutter Lufthansa. Der ist angesichts jahrelanger falscher
oder halbherziger Entscheidungen bei AUA aber keine andere Wahl
geblieben, um bei ihrer defizitären Tochter doch noch den Turnaround
zu schaffen.
Ein Honiglecken wird der Betriebsübergang dennoch nicht. Nicht nur
sind die Klagen der Gewerkschaft ein juristisches und finanzielles
Damoklesschwert. Sondern es muss auch noch ein jahrelanger Kampf der
Kulturen zwischen AUA und Tyrolean ausgetragen werden, die einander
bislang nicht gerade in inniger Liebe verbundenen waren. Und
letztlich ist es die Frage, ob das alles ausreicht und die AUA nicht
doch noch geschrumpft werden muss, um langfristig überleben zu
können.
Rückfragehinweis:
Wirtschaftsblatt Verlag AG
Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
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