- 28.05.2012, 08:01:06
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"trend": Österreich Drehscheibe für Umsatzsteuerbetrug
Laut einer Studie des Europäischen Rechnungshofes entgehen Österreich 600 Millionen Euro an Umsatzsteuer pro Jahr durch grenzüberschreitenden Warenhandel.
Wien (OTS) - Der Europäische Rechnungshof hat in einer aktuellen
Stichprobenkontrolle den Umsatzsteuerbetrug beim
grenzüberschreitenden Warenhandel in Europa untersucht. Österreich
komme dabei besonders schlecht weg, berichtet das Wirtschaftsmagazin
"trend" in seiner am Dienstag erscheinenden Ausgabe. Während in allen
anderen der sieben kontrollierten Ländern die vermutete Betrugsquote
der untersuchten Warenströme aus dem Jahr 2009 bei unter 15 Prozent
lag, erreichte der Wert für Österreich 33 Prozent. Das macht rein
rechnerisch einen Einnahmenausfall für den heimischen Fiskus von bis
600 Millionen Euro aus. In Summe beziffert der EU-RH den Schaden in
den sieben untersuchten Ländern, der vor allem auch durch den
boomenden Online-Handel entsteht, mit jährlich 2,2 Milliarden Euro.
Schuld daran hat unter anderem ein neues Zollverfahrens
(Zollverfahren 4200) der EU, zitiert der "trend" aus dem
Rechnungshofbericht. Es sollte den Import von Konsumgütern aus
Drittländern wie China oder USA steuerlich gerechter gestalten.
Waren, die von vornherein für den Weitertransport in andere EU-Länder
bestimmt sind, erhalten im Einfuhrland eine Befreiung von der sonst
obligaten Einfuhr-Umsatzsteuer. Diese muss dann aber im endgültigen
Bestimmungsland als normale Umsatz- oder Mehrwertsteuer ans dortige
Finanzamt abgeführt werden. Das System leide aber darunter, dass die
Zoll- und Steuerinformationen zwischen den Mitgliedsländer mangelhaft
sind: "Der Hof stellt fest, dass die Kontrollen des Verfahrens
unzulänglich sind." In einer Anfragebeantwortung im Parlament musste
Finanzministerin Maria Fekter vor wenigen Wochen zugeben, dass in dem
internationalen Informationssystem der Finanzämter untereinander
(MIAS) tatsächlich wichtige Informationen der Zollbehörden fehlen -
und umgekehrt.
Der Sprecher des Finanzministeriums, Harald Waiglein, betont
allerdings im "trend", dass die Fehlerquote im EU-Rechnungshofbericht
nichts mit schlechterer Arbeit der österreichischen Behörden zu tun
habe: "Österreich gehört innerhalb der EU zu den Ländern mit dem
höchsten Anteil an Zollabfertigungen im Verfahren 4200. Damit steigt
naturgemäß das Risiko."
Rückfragehinweis:
trend Redaktion, Tel.: (01) 534 70/3402
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