- 23.05.2012, 12:02:42
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Karlheinz Töchterle: Ephesos - ein Juwel in der internationalen archäologischen Forschung
ÖAI-Direktorin Ladstätter informiert über Schwerpunkte der heurigen Grabungssaison

Wien (OTS) - "Die traditionsreiche Grabung in Ephesos ist gerade
aufgrund des breiten Spektrums von der prähistorischen Zeit bis zum
Mittelalter in der internationalen archäologischen Forschung ein
Juwel", betonte Wissenschafts- und Forschungsminister Dr. Karlheinz
Töchterle bei einem gemeinsamen Pressegespräch mit Dr. Sabine
Ladstätter, Direktorin des Österreichischen Archäologischen Instituts
(ÖAI). Anlässlich der beginnenden Arbeiten in Ephesos skizzierte
Ladstätter, die die Grabung in Ephesos leitet und zur
"Wissenschafterin des Jahres 2011" gewählt wurde, die Schwerpunkte
der heurigen Grabungskampagne. "Die archäologische Forschung in
Österreich ist eng mit Ephesos verbunden, die heimischen
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben sich durch ihr großes
Engagement und ihre Exzellenz international einen hervorragenden
Namen gemacht", so Töchterle, der im Juni gemeinsam mit
Bundespräsident Dr. Heinz Fischer Ephesos besuchen wird.
Die Grabung Ephesos steht 2012 vor großen Herausforderungen: So sind
umfangreiche Grabungen im spätantiken Stadtzentrum - in unmittelbarer
Nähe der Marienkirche - und auf der oberen Agora geplant, berichtete
Grabungsleiterin Sabine Ladstätter. Daneben erfolgt die Freilegung
eines der hervorragend erhaltenen türkischen Bäder in der
mittelalterlichen Metropole Ayasoluk, dem heutigen Selcuk. Das vom
Europäischen Forschungsrat (European Research Council, ERC)
geförderte prähistorische Projekt auf dem Cukurici Höyük wird im
Herbst die Grabungsarbeiten dominieren. Ein Schwerpunkt der Arbeiten
liegt auf der Restaurierung und Konservierung von Monumenten sowie
deren Präsentation für die Öffentlichkeit. Dank privater Fördermittel
werden die Wandmalereien im Hanghaus 2, aber auch der prominente
Hadrianstempel nachhaltig konserviert. Eine ganz besondere
Herausforderung an die Archäologie stellt ein von der türkischen
Regierung initiiertes Projekt dar, das die Wiedereröffnung des
antiken Hafenkanals zum Ziel hat. Von Seiten des ÖAI werden seit
Jänner 2012 zahlreiche Untersuchungen (Paläogeographie, Geophysik,
Vermessung und Oberflächensurvey) durchgeführt, um die
Geländesituation beurteilen zu können.
"Natürlich bleibt die Publikation der Ergebnisse ein zentrales Ziel
und das ÖAI kann sich glücklich schätzen, eine eigene Abteilung für
die Buchproduktion zu unterhalten", so Ladstätter weiter. Dabei wird
neben fachspezifischen Arbeiten besonderes Augenmerk auf eine
öffentlichkeitswirksame Vermittlung der wissenschaftlichen Ergebnisse
- etwa durch Internetpräsenz, aber auch durch das Verfassen von
populärwissenschaftlichen Büchern und archäologischen Führern -
gelegt.
Faszinierend und beispielgebend ist aus Sicht des Ministers besonders
auch die Interdisziplinarität, die in der Archäologie und speziell
auch in Ephesos gelebt wird. Ephesos ist eine interdisziplinäre
Grabung. Neben der Archäologie und der Prähistorie sind folgende
Disziplinen beteiligt: Anthropologie, Archäobotanik, Archäozoologie,
Architektur und Bauforschung, Biologie, Byzantinistik, Chemie,
Epigraphik, Fotografie, Genetik, Geodäsie, Geologie, Geophysik,
Numismatik, Paläogeographie, Restaurierung, Stadtplanung, Statik und
Turkologie.
Neben der eigentlichen Ausgrabungstätigkeit stehen die Aufarbeitung
und Publikation des bestehenden Denkmälerbestandes, zerstörungsfreie
Prospektion, aber vor allem auch Konservierung und Restaurierung der
Monumente im Zentrum der Aktivitäten. Ephesos hat in der Türkei nach
dem Topkapi Serail in Istanbul die zweithöchste Besucheranzahl. Im
Jahr 2011 besuchten erstmals mehr als 2 Millionen Menschen die antike
Stadt, das Hanghaus 2 hatte über 100.000 Besucher/innen.
Österreich hat in den vergangenen zehn Jahren rund 11,5 Millionen
Euro in die Forschungsaktivitäten in Ephesos investiert, davon rund
sechs Millionen Euro für die Schutzüberdachung des Hanghauses 2. Aber
auch private Mittel (Stichwort "Ephesos Foundation", die 2010 aus der
Taufe gehoben wurde, sowie der Verein "Gesellschaft der Freunde von
Ephesos" und die beiden Stiftungen "American Society of Ephesus" und
die "Kaplan Foundation") werden lukriert.
Die Grabungskampagne Ephesos 2011 erstreckte sich über sechs Monate
(9. Mai bis 28. Oktober). Die Restaurierungskampagne dauert 12
Monate. Ganzjährig sind zwei Restauratoren vor Ort. Ephesos ist ein
internationales Grabungsunternehmen. 216 Fachleute und Spezialisten
aus 16 Ländern nahmen 2011 teil. Durchschnittlich 60 lokale
Arbeiter/innen sind auf der Grabung während der Saison beschäftigt.
Das Österreichische Archäologische Institut (ÖAI) ist eine
nachgeordnete Dienststelle des Wissenschafts- und
Forschungsministeriums und widmet sich der Erforschung vergangener
Kulturen des griechisch-römischen Kulturkreises im Mittelmeerraum, in
den Kulturräumen Zentraleuropas und des historischen Erbes der
römischen Kultur auf dem heutigen Staatsgebiet der Republik
Österreich (Carnuntum, Mautern). Die Archäologie ist in Österreich
ein wichtiger Bestandteil einer aktiven Kulturpolitik im Kontakt mit
den Staaten Südosteuropas und des Mittelmeerraumes.
Zweigstellen des ÖAI sind in Griechenland (Athen; Leiter: Dr. Georg
Ladstätter) und Ägypten (Kairo; Leiterin: Dr. Irene Forstner-Müller)
eingerichtet. Das größte Grabungsunternehmen ist die Ephesos-Grabung
in der Türkei.
Das Budget des Wissenschafts- und Forschungsministeriums für das ÖAI
beträgt heuer rund 3,5 Millionen Euro (inklusive Personalkosten),
dieser Betrag wird auch 2013 wieder zur Verfügung stehen.
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Rückfragehinweis:
Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung Minoritenplatz 5, 1014 Wien Pressesprecherin: Mag. Elisabeth Grabenweger Tel.: +43 1 531 20-9014 mailto: [email protected] www.bmwf.gv.at
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