WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Gefährliche Tendenzen am Anleihenmarkt - von Andre Exner

Die ersten Anzeichen einer Blasenbildung sind bereits erkennbar

Wien (OTS) - Der Markt für Anleihen heimischer Unternehmen boomt. Heuer erwarten Experten ein Rekordjahr. Sind doch Anleihen angesichts von unsicheren Bankfinanzierungen, auf Eis gelegten Mezzanin-Programmen und eines für Börsegänge katastrophalen Umfelds eine willkommene Art der Finanzierung. Unternehmen brauchen nun mal Geld für die Expansion oder für Refinanzierungen, und wenn die Hausbank Wucherzinsen verlangt und der Kapitalmarkt unberechenbar ist, zapft man ergiebigere Quellen an.

Während der Anleihenboom aus Emittentensicht verständlich ist, stimmt jedoch die Entwicklung auf der anderen Seite, sprich bei den Käufern der Papiere, bedenklich: Waren es früher Institutionelle und große Corporate Bond-Fonds, die die Neuemissionen zeichneten, sind es heute mehr und mehr Private. Die Banken, die die Emissionen begleiten, nützen dabei ihr gesamtes Filialnetz, um die Anleihen bei Privatkunden zu bewerben. Was könnte sicherer sein, als ein fix verzinstes Investment in einen Paradekonzern wie Alpine, Lenzing oder Voestalpine, lautet das Verkaufsargument. Und es findet Gehör. Die meisten Anleihenemissionen waren zuletzt enorm überzeichnet oder mussten um zweistellige Millionensummen aufgestockt werden, um die Nachfrage der Privatkunden zu befriedigen.

Auf den ersten Blick kaufen dabei österreichische Privatanleger Anleihen von österreichischen Unternehmen. Sie investieren in Konzerne, die sie gut kennen und deren Geschäftsmodelle sie genau verstehen - frei nach dem Motto von Investmentlegende Warren Buffett. Da kann doch nichts schiefgehen!

Auf den zweiten Blick ist der Run der Privatanleger auf Unternehmensanleihen made in Austria aber suspekt. Ein Markt, der von unbedarften Privatanlegern mit Geld zugeschüttet wird, wo die Preise steigen und die Zinsen für neue Papiere immer tiefer liegen: Die ersten Zeichen einer Blasenbildung sind bereits erkennbar. Es muss zwar nicht zum Ausfall mit Totalverlust kommen, siehe A-Tec. Doch die Zinsen sind angesichts des Risikos mager, wenn man die tatsächliche Inflation abzieht. Wir sprechen ja nicht von AAA-Papieren, sondern von niedrig oder gar nicht bewerteten Bonds.

Zudem besteht ein Corporate Bond-Fonds aus Anleihen von Hunderten Unternehmen, um einen eventuellen Ausfall aufzufangen. Mischt man als Privatanleger die Alpine-Anleihe mit dem Strabag-Bond oder die neue Montana Tech mit der Voest, macht man eigentlich denselben Fehler wie damals beim Mix aus Immoeast- und MEL-Aktien.

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