- 22.05.2012, 18:15:30
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Gefährliche Tendenzen am Anleihenmarkt - von Andre Exner
Die ersten Anzeichen einer Blasenbildung sind bereits erkennbar
Wien (OTS) - Der Markt für Anleihen heimischer Unternehmen boomt.
Heuer erwarten Experten ein Rekordjahr. Sind doch Anleihen angesichts
von unsicheren Bankfinanzierungen, auf Eis gelegten
Mezzanin-Programmen und eines für Börsegänge katastrophalen Umfelds
eine willkommene Art der Finanzierung. Unternehmen brauchen nun mal
Geld für die Expansion oder für Refinanzierungen, und wenn die
Hausbank Wucherzinsen verlangt und der Kapitalmarkt unberechenbar
ist, zapft man ergiebigere Quellen an.
Während der Anleihenboom aus Emittentensicht verständlich ist, stimmt
jedoch die Entwicklung auf der anderen Seite, sprich bei den Käufern
der Papiere, bedenklich: Waren es früher Institutionelle und große
Corporate Bond-Fonds, die die Neuemissionen zeichneten, sind es heute
mehr und mehr Private. Die Banken, die die Emissionen begleiten,
nützen dabei ihr gesamtes Filialnetz, um die Anleihen bei
Privatkunden zu bewerben. Was könnte sicherer sein, als ein fix
verzinstes Investment in einen Paradekonzern wie Alpine, Lenzing oder
Voestalpine, lautet das Verkaufsargument. Und es findet Gehör. Die
meisten Anleihenemissionen waren zuletzt enorm überzeichnet oder
mussten um zweistellige Millionensummen aufgestockt werden, um die
Nachfrage der Privatkunden zu befriedigen.
Auf den ersten Blick kaufen dabei österreichische Privatanleger
Anleihen von österreichischen Unternehmen. Sie investieren in
Konzerne, die sie gut kennen und deren Geschäftsmodelle sie genau
verstehen - frei nach dem Motto von Investmentlegende Warren Buffett.
Da kann doch nichts schiefgehen!
Auf den zweiten Blick ist der Run der Privatanleger auf
Unternehmensanleihen made in Austria aber suspekt. Ein Markt, der von
unbedarften Privatanlegern mit Geld zugeschüttet wird, wo die Preise
steigen und die Zinsen für neue Papiere immer tiefer liegen: Die
ersten Zeichen einer Blasenbildung sind bereits erkennbar. Es muss
zwar nicht zum Ausfall mit Totalverlust kommen, siehe A-Tec. Doch die
Zinsen sind angesichts des Risikos mager, wenn man die tatsächliche
Inflation abzieht. Wir sprechen ja nicht von AAA-Papieren, sondern
von niedrig oder gar nicht bewerteten Bonds.
Zudem besteht ein Corporate Bond-Fonds aus Anleihen von Hunderten
Unternehmen, um einen eventuellen Ausfall aufzufangen. Mischt man als
Privatanleger die Alpine-Anleihe mit dem Strabag-Bond oder die neue
Montana Tech mit der Voest, macht man eigentlich denselben Fehler wie
damals beim Mix aus Immoeast- und MEL-Aktien.
Rückfragehinweis:
Wirtschaftsblatt Verlag AG
Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
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