• 14.05.2012, 18:15:31
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Beendet es brutal - schließlich sind wir Barbaren - von Hans Weitmayr

Die Gelder für Hellas einfrieren und in Spaniens Arbeitsmarkt investieren

Wien (OTS) - Egal, wie das politische Chaos in Griechenland
ausgeht - der Punkt ist, es sollte uns schon längst nichts mehr
angehen. Wie regelmäßig an dieser Stelle nachzulesen war, hat sich
die Situation von Woche zu Woche verschlimmert; besonders ärgerlich
ist dabei die Attitüde von Wahlsieger Alexis Tsirpas: Der
linksgerichtete Politiker bezeichnet die Sparprogramme, zu denen sich
Athen bekannt hat, als barbarisch.

Das Adjektiv verwendet er bewusst: Es deutet darauf hin, dass es von
unzivilisierten Ausländern aufgezwungen wurde, von Volksstämmen,
denen eine gewisse intellektuelle wie kulturelle Unterlegenheit
anhaftet. Dieses Barbarenjoch will er abschütteln, das Gold der
Barbaren aber behalten. Sprich: den Euro. Für dieses Vorhaben gibt es
einen weiteren Begriff mit Tradition: Chuzpe. Denn Tsirpas will
fortsetzen, wogegen er wettert - und das ist die Politik der
abgewählten Parteien: Also am Tropf der EU hängen und sich über die
Eurozone refinanzieren lassen. Wobei "refinanzieren" eine
Verniedlichung darstellt. Der Refinanzierungsprozess dieser Tage
lautet: Überweisen und abschreiben. Warum also nicht den Gedanken und
die Metaphern des Syriza-Anführers konsequent zu Ende denken?

Barbaren sollten, so die unterschwellige Bedeutung des Wortes,
außerhalb der Stadttore bleiben. Gut, machen wir.

Das Sparprogramm soll gekippt werden. Gut, machen wir.

Damit ist aber auch der Schuldendeal mit Griechenland ad acta gelegt.
Die rund 250 Milliarden, mit denen die Griechen bei EU und IWF in der
Kreide stehen, schreiben wir ab. Es glaubt sowieso niemand mehr
ernsthaft, dass wir von diesen Beträgen je Substanzielles wiedersehen
werden. Die offenen Kreditlinien werden einbehalten und in den
spanischen Arbeitsmarkt gesteckt. Welche Institution das abwickeln
soll, ist eine juristische Frage. EZB oder die Schutzschirme wären
eine Option. Bedingung ist, dass diese Gelder für die Finanzierung
von Teilzeitarbeit verwendet werden. Mit diesem erprobten Hebel nimmt
man den Druck von der Madrider Straße, gleichzeitig hilft man der
Binnenwirtschaft auf die Beine. Die Exportwirtschaft des Landes
befindet sich ja schon auf Erholungskurs. Flankierend hält die EZB
spanische Anleihenrenditen auf nachhaltigen Niveaus - und das, bis
Spanien wieder auf eigenen Beinen steht. Die Ansteckungsgefahr, die
nach einem griechischen Rauswurf aus der Eurozone entstünde, wäre
somit eingedämmt, und Herr Tsirpas kann sein Land auf eigene
Rechnung regieren. Das ist zwar eine brutale Strategie. Aber
schließlich sind wir ja auch Barbaren.

Rückfragehinweis:
Wirtschaftsblatt Verlag AG
Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
mailto:[email protected]

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