Österreich und 15 EU-Mitgliedsstaaten vereiteln EU-Maßnahmen für eine umweltgerechtere Landwirtschaft

Naturschützer sehen die Zukunft für Arten der Agrarlandschaft wie Rebhuhn oder Feldlerche düster!

Wien (OTS) - Bekanntermaßen konnten die bisher im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik durchgeführten Umweltmaßnahmen den Rückgang der Artenvielfalt nicht aufhalten. Hierzulande haben beispielsweise die Vogelarten der Äcker, Wiesen und Weiden (EU einheitlich im "Farmland Bird Index" zusammengefasst) zwischen 1998 und 2010 um 30 % abgenommen.

Aus diesem Grund legte die EU-Kommission im Oktober 2010 einen Legislativ-Vorschlag für die Reform der EU-Agrarpolitik vor. Direktzahlungen an LandwirtInnen wären demnach an "Greening"-Auflagen gekoppelt: 7 % des Ackerlandes der LandwirtInnen sollten aus ökologischen Vorrangflächen (z.B. Hecken, Blühstreifen, usw.) bestehen, Dauergrünland erhalten und Mindeststandards für die Fruchtfolge erfüllt. Naturschutz-NGOs in ganz Europa begrüßten diese vorgeschlagenen Maßnahmen als einen ersten wichtigen Schritt um den Verlust an Artenvielfalt in Europa zu stoppen.

Jetzt wurde im Agrar-Komitee des EU-Rates ein Papier eingebracht dessen Vorschläge das Ende der Bemühungen zur längst fälligen Ökologisierung der EU-Landwirtschaft ab 2014 bedeuten würden. 16 EU-Mitgliedsstaaten mit starken Agrar-Lobbies, darunter auch Österreich, versuchen dabei die Umweltvorgaben der EU-Kommission vom Tisch zu bekommen. Künftig soll jeder Mitgliedsstaat selbst festlegen können, welche Betriebe per definitionem "grün genug" sind. "Bereits 50% Grünlandfläche würde somit in einigen Gebieten zum Bezug der Greening-Prämie berechtigen, selbst wenn diese Betriebe mit einem hohem Einsatz von Gülle und Pestiziden extrem umweltschädigend wirtschaften und keinerlei konkrete Umweltleistung erbringen", erklärt Gerald Pfiffinger, Geschäftsführer von BirdLife Österreich.

"Wir haben kein Verständnis, dass sich Österreich dieser fragwürdigen Koalition anschließt. Hier werden vor allem Interessen von Intensivbetrieben vertreten, die durch das "Greening" zu Recht mehr Flächen für die Natur bereitstellen müßten", bringt Pfiffinger die Lage auf den Punkt. Fakten zeigen deutlich, dass auch in Österreich dringender Handlungsbedarf besteht: Hierzulande hat sich der Rebhuhn-Bestand halbiert. Der Bestand der Feldlerche ist seit 1998 um 30% zurückgegangen. Geht der Trend so weiter, sind diese ehemals häufigen Allerweltsarten in einigen Jahrzehnten aus vielen Regionen verschwunden.

Zu Recht fordern Steuerzahler zunehmend konkrete und messbare Leistungen für ihr Geld. Wenn die Landwirtschaft diese nicht auch für Natur und Umwelt erbringt, kommt die Legitimation für eine Gemeinsame Agrarpolitik und die in ihrem Rahmen geleisteten Zahlungen an Betriebe abhanden. "Wir fordern Umwelt- und Landwirtschaftsminister Berlakovich daher dringend auf, seine Position zu überdenken, seine Versprechen für die Artenvielfalt einzuhalten und der so oft beanspruchten Vorreiterrolle Österreichs in Umweltfragen in glaubwürdiger Weise gerecht zu werden", so Pfiffinger abschließend.

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